Die Zeit verfliegt

Es ist schon verrückt, wie schnell die Zeit rast. Kaum war meine Mutter in China gelandet, waren ihre drei Monate hier auch schon wieder vorbei. Letzten Montag haben wir uns in Peking tränenreich voneinander verabschiedet. Es war schön, dass sie hier war und sie hat die Zeit trotz der schlechten Xi’an-Luft sehr genossen. Das war schon ein besonderes Erlebnis für sie. Nicht jede ältere Dame fliegt mal eben schnell für drei Monate ins Reich der Mitte.

Die Bilder, die ich heute hochlade, sind alle in den letzten drei Wochen entstanden – auf einer Wochenendreise nach Fenghuang, einem Samstagsausflug mit Herrn Lee (ins Kinderheim und auf’s Land), einem Sonntagstrip zur Pfingstrosenblüte nach Luoyang mit meiner Kollegin Shu Qin, in Xi’an und beim Abschiedswochenende in Peking. (Die Bilder sind zwar gruppiert, aber falsch sortiert 🙂 – und irgendwann finde ich vielleicht einen Moment, ein paar davon noch zu beschriften.)

Lijiashan (30.03.)

Mit ein klein wenig Verspätung kommen heute die Bilder von Lijiashan, einem kleinen uralten Bergdorf ca. 3 Autostunden von Taiyuan entfernt, welches für seine Höhlenwohnungen bekannt ist. Schon die Fahrt dorthin – mit meiner Mutter und der Kollegin Ida aus Taiyuan mit ihrem Mann Robert – war ein Erlebnis, da sie durch die faszinierende terrassierte Lösslandschaft von Shanxi führte. Der Aufenthalt in Lijiashan war dann ein echter Höhepunkt, zum einen wegen des Dorfs und der Häuser an sich, zum anderen aber wegen zwei ganz besonderer Begegnungen.
Die erste davon war mit einem 88-Jährigen, der sein ganzes Leben in Lijiashan verbracht hat, vor 22 Jahren seine Frau verlor und seither in einem einzigen dunklen Raum in einer Höhlenwohnung lebt und gerade einmal 1000 RMB Rente im Jahr bekommt, was in etwa 130 Euro sind. Als wir das Anwesen betraten, in dem auch sein Zimmer sich befindet, und Ida einfach mal hineinrief um herauszufinden, ob jemand da war, kam er aus seiner „Höhle“ und wackelte zunächst wortlos mit recht finsterem Gesicht auf uns zu. Mir war ein wenig unwohl und auch Ida sagte mir später, dass sie nicht so recht wusste, was da auf uns zukommen würde. Nach ein paar Worten aber öffnete sich sein ziemlich zahnarmer Mund zu einem breiten Lächeln und sehr bereitwillig, offen und fröhlich erzählte er uns von seinem Leben. Als wir gingen setzte er sich draußen mit Blick auf die Berge auf einen Eimer und steckte sich eine Pfeife an.
Die zweite Begegnung war dann noch bewegender. Eine alte Frau, die uns zunächst einmal einen Beutel mit eher unattraktiven chinesischen „Datteln“ verscherbelte, von deren Verkauf an die wenigen Touristen der halbe Ort (= ca. 20 alte Bewohner) zu leben scheint, begegnete uns in der Folge immer wieder. Als ich sie fragte, ob ich sie fotografieren dürfe, sagte sie ja – allerdings nur, wenn ich ihr 5 RMB geben würde (was ich gerne tat). Die Begegnungen mit ihr endeten mit der Besichtigung ihrer Wohnhöhle, während der sie uns auf alten Bildern an der Wand ihre Familie (verstorbener Ehemann, Kinder und Enkel) vorstellte und am Ende meine Mutter am liebsten für ein paar Stunden zum Plausch (in Zeichensprache) bei Tee dabehalten hätte.

Ereignisreiche Woche

Eine ereignisreiche Woche geht einem ereignisreichen Wochenende entgegen. Am Sonntag ging es für mich nochmals nach Lanzhou, wo ich am Montag 14 mündliche DSD-Prüfungen abnehmen durfte. Bilder davon wird es dann in einem DSD-Blogeintrag geben, wenn am 8. April alle Prüfungen vorbei sind.

Ursprünglich hatte ich geplant, am Dienstag 12 weitere Prüfungen in Lanzhou abzunehmen, doch nachdem letzte Woche Mittwoch „etwas“ überraschend der deutsche Botschafter (!) seinen Besuch an der Nr. 89 in Xi’an für diesen Dienstag angekündigt hatte, musste ich umplanen und fuhr am Montagabend schon wieder zurück nach Xi’an. Den zweiten Prüfungstag in Lanzhou werde ich dann nächste Woche nachholen.

Am Dienstag also kam Botschafter von Goetze zu Besuch, leider mit 25-minütiger Verspätung, was vor allem deshalb schade war, weil die Schüler und Schülerinnen einige Fragen vorbereitet hatten, die sie dem hohen Besuch gerne gestellt hätten und die Zeit dafür am Ende viel zu knapp war. Ein großes Ereignis für die Schule – mit entsprechenden Bildern für die Homepage – wurde es natürlich trotzdem, zumal der Botschafter noch einen Bundestagsabgeordneten und einen Vertreter des Wirtschaftsministeriums im Tross mit dabeihatte.

Auch die Leiterin der Kulturabteilung der Botschaft war Teil der Delegation. Sie kam fast eine Stunde vor den anderen Besuchern, nahm sich ausgiebig Zeit für Gespräche und bot uns Unterstützung dabei an, in Zukunft ab und an mal „ein Stück Deutschland“ nach Xi’an zu holen und die Institutionen in der Stadt, an denen Deutsch und Deutschland eine Rolle spielen, ein wenig miteinander zu vernetzen. Diese Begegnung war daher sehr vielversprechend.

Einen Tag später folgte mein persönlicher besonderer Tag. Ich hatte Geburtstag und war eigentlich davon ausgegangen, dass es ein mehr oder weniger normaler Tag werden würde, da es ja ein Arbeitstag mitten unter der Woche war. Meine Mutter und Shelley besorgten zwar kiloweise Kuchen, welchen ich den Schülern zu Gute kommen lassen wollte, davon wussten diese aber im Vorfeld nichts. Umso überraschter war ich, als Schüler aller drei Jahrgangsstufe im Laufe des Nachmittags nicht nur mit einigen kleinen Geschenken zur „Kuchenparty“ im Deutschlehrerbüro auftauchten, sondern mir die 10er und 11er jeweils eine richtige Geburtstagstorte schenkten. Die ursprünglich mal angedachte Karaoke (wie im letzten Jahr) mit den Kolleginnen fand dann allerdings nicht mehr statt. Meine Kolleginnen waren schlicht zu platt, sodass meine Mutter und ich den Abend gemütlich bei einem Fläschchen Sekt ausklingen ließen. Au ned schlechd. 😊

Jetzt sitzen wir gerade im Zug nach Taiyuan, wo ein spannendes touristisches Wochenende bevorsteht und wo ich am Montag dann die nächste Runde mündliche Prüfungen einläuten darf, um am Montagabend wieder nach Xi’an und am Dienstag erneut nach Lanzhou zu fahren.

Maijishan

Auf dem Rückweg von Lanzhou nach Xi’an machten wir am Sonntag einen faszinierenden Zwischenstopp und besuchten die buddhistischen Grotten von Maijishan, die noch etwas älter sind als diejenigen von Bingling Si und von denen die meisten schon vor der Tang-Dynastie angelegt wurden. Zum Teil sehr gut erhaltene Tonfiguren und Farben, aber auch die in die Felswand „getöpferten“ großen Figuren, die Felswand an sich und die schöne Landschaft machen Maijishan zu einem wunderbaren Ausflugsziel, das ich mir gerne noch einmal anschauen würde, wenn die Vegetation weiter ist.

Tagesausflug nach Bingling Si

Vorgestern ging es mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Lanzhou (Gansu), wo ich gestern die Prüfungsaufsicht bei der schriftlichen DSD I-Prüfung für die Prüflinge aus Lanzhou und Ürümqi innehatte und mit den Kolleginnen am Nachmittag noch vier mündliche Pilotprüfungen durchführte. Morgen prüfen wir dann gleich noch die 8 Schüler/innen aus Ürümqi mündlich, die eigens für die Prüfungen hierher geflogen sind, da es im Moment sehr schwierig für Ausländer ist, in Ürümqi Schulen zu besuchen oder Lehrer oder Schüler selbst außerhalb der Schule zu treffen.

Damit die Prüflinge zwischen der Pilotprüfung und der eigentlichen Prüfung noch einen Tag Luft haben, findet Letztere eben morgen, am Samstag statt, und daher hatte ich heute einen Tag frei. Den nutzte ich – zusammen mit meiner Mutter – für einen Tagesausflug auf zum Teil ziemlich abenteuerlichen Straßen nach Bingling Si, einer eindrucksvollen Ansammlung von 800 bis 1500 Jahre alten buddhistischen Grotten in mindestens ebenso eindrucksvoller Landschaft. Trotz langer Anfahrt war das ein mehr als lohnendes Ziel – die Freseken sind z.T. ebenfalls über 1000 Jahre alt – und auch die Fahrt durch terrassierte Lösslandschaften war einfach nur beeindruckend. Es ist schon unglaublich, wo und unter welchen klimatischen und sonstigen Bedingungen Menschen über Jahrhunderte bzw. Jahrtausende und bis heute siedelten und mit welchem Aufwand sie an solchen Orten ihre Lebensgrundlagen schufen und schaffen.

Chengdu: Pandas & Ohrenputzer

DSC02543 (FILEminimizer)

Eine kulturelle Eigenheit in Chengdu: Heiratsmarkt im Park. Eltern preisen ihre Töchter an und alle können es lesen und zT. auch mit den Eltern über das „Kind“ reden.

Heute gibt es die Bilder aus Chengdu, wo wir vor genau einer Woche waren, vor allem um die Zuchtstation für Pandas zu besuchen. Ein weiterer Höhepunkt der Reise. Insgesamt 80 Pandas in wirklich schönen Gehegen gab es zu bestaunen – und in mir keimte Neid auf diese putzig aussehenden Tiere: 10 Stunden essen am Tag, den Rest schlafen. Nur die Kleinen spielen ab und zu auch noch ein wenig.
Doch auch kulturell war es in Chengdu recht interessant. Teehäuser in Parks mit Ohrenputzern. Beides gibt es angeblich nur dort. Und dann war da noch das vielleicht größte Einkaufszentrum, das ich je gesehen habe. Es wurde uns von unserem Reiseleiter als EKZ in der Größe eines Flughafenterminals angekündigt – und er hatte Recht.

Yunnan-Reise Teil 5: Süd-Yunnan

Zum Schluss machten wir dann noch einen Abstecher in die Subtropen. Üppige Vegetation (Bananen, Tabak, Früchte aller Art, Palmen, subtropischer Regenwald, …), schroffe Berge, einsame Täler, Adler über uns, einfachste Häuser, viel Armut. Aber auch Wohlstand durch den Tabak- und Orangenanbau – in einem Städtchen namens Gaza.
Besonderes Glück im Unglück hatten wir, als wegen einer Baustelle für gut 2 Stunden die Straße gesperrt wurde. Wir nutzten die Gelegenheit für eine kleine Wanderung in Fahrtrichtung und wurden mit Einblicken belohnt, die es aus dem Auto heraus nicht gegeben hätte. Als die Bauarbeiter Mittagspause machten, durfte unser Fahrer weiterfahren und sammelte uns ein paar Kilometer später einfach wieder ein.