Maskenmann im „Öko-Park“ – oder: zweite Dienstreise nach Taiyuan

Es war irgendwie ein wenig ironisch. Ausgerechnet bei meinem Besuch in Taiyuan und meinem Spaziergang im „Öko-Park“ im Westen der Stadt war – aus meiner Sicht – gar nicht daran zu denken, auf die Atemmaske zu verzichten. PM 2.5-Werte von über 180 und der Geruch von Kohle in der Luft – beim Frühstück im Hotel am Morgen hatte ich einen Zahnarzt aus den USA kennengelernt, der ein- bis zweimal im Jahr für 2 Wochen nach Taiyuan kommt, um als eine Art Entwicklungshelfer kostenlos Vorträge im Krankenhaus zu halten und dort zu arbeiten. Er erzählte mir, dass sich im Norden der Stadt eines der größten Stahlwerke der Welt befindet. Das Befremdliche bei meinem Spaziergang: außer mir trägt eigentlich niemand eine Maske.
Auch in Xi’an habe ich immer wieder den Eindruck, dass viele Chinesen das Thema Luftverschmutzung ein wenig zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Sie sind sich der Problematik durchaus bewusst, aber sie scheinen sich an die überhöhten Werte gewöhnt und sich entschieden zu haben, dass man eine Atemmaske erst dann trägt, wenn die Werte über 250 oder gar 500 steigen und man vor lauter Feinstaub-Smog die eigene Hand vor Augen nicht mehr sieht. Ich werde von ein paar wenigen Kollegen sogar belächelt, wenn ich bei 180 mit Maske in die Schule komme (wohlgemerkt: der von der WHO empfohlene Grenzwert liegt bei 25!). Ich jedenfalls habe mich entschieden: auch wenn das Tragen der Maske gewöhnungsbedürftig ist und der eine oder andere mich belächelt, meine Gesundheit ist mir das wert. Die vier Monate von Mitte November bis Mitte März, in denen es wohl deutlich problematischer ist als im restlichen Jahr (weil man in dieser Zeit (auch mit Kohle) heizen darf), trage ich eben Maske und schalte meinen Luftfilter ein.

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Beim jährlich stattfindenden Treffen der deutschen DSD-Lehrer in Shanghai und Umgebung: Arbeit und ein wenig Erholung

Es ist ein illustres, ein besonderes Grüppchen, welches letzte Woche in Shanghai und Tonglu zusammenkam. Mir wird klar, dass nicht jeder für ein paar Jahre als Lehrer nach China geht – und ich bin geplättet, als ich höre, dass ein Kollege inzwischen seit 17 Jahren im Land ist.

Das Treffen ist anstrengend – es prasselt viel Info auf mich ein und es werden auch einige Probleme angesprochen – und schön zugleich. Nach über zwei Monaten tut es gut, mal wieder ausgiebig Deutsch zu reden und zu hören und mich mit den Kolleginnen und Kollegen über die Arbeit und Erfahrungen auszutauschen.

Darüber hinaus endet das Treffen mit einem Ausflug auf’s Land – nach Tonglu südwestlich von Hangzhou, wo es wirklich sehr schön ist.

 

Ausflug zum Cui Hua Shan

Da ich gerade eben noch gut 3 Stunden lang Unterricht für morgen vorbereitet und die Wohnung in Ordnung gebracht habe und es darüber hinaus bereits kurz vor 23 Uhr ist, gibt’s von meinem wunderbaren, wenn auch anstrengenden Halbtagesausflug heute (U-Bahn, Klapperbus und Wanderung) einfach nur ein paar Bilder – ganz ohne weitere Texte. Dieser Berg bzw. der Geopark sehen mich auf jeden Fall

spätestens im Frühjahr wieder!

Zurück in Xi’an und Dienstreise nach Shijiazhuang

Die erste Woche zurück in Xi’an war geprägt vom Sportfest an der Nr. 89 und von ziemlich ekligem Wetter (und das nach 6 Tagen Sonne und über 30 Grad!) – was natürlich vor allem für das wochenlang vorbereitete Sportfest mit olympiareifer Eröffnungszeremonie eine Sauerei war. Andererseits offenbarte mir das Ganze, wie unglaublich flexibel chinesische Schulen sein können.

Eigentlich sollte das Sportfest von Dienstagmorgen bis Donnerstagabend dauern. Als es am Dienstag bei ca. 8 Grad geradezu schüttete, fand kurzfristig Unterricht statt – um dann auf der Grundlage der Wettervorhersage um 11 Uhr zu entscheiden, dass die Eröffnungszeremonie am Nachmittag stattfindet. Gesagt, getan. Am Mittwoch kam der Regen zurück, es wurde wieder unterrichtet. Am späten Nachmittag dann erneut auf Grundlage der Wettervorhersage die Entscheidung: Donnerstag wird das Sportfest fortgesetzt und zum Teil am Freitag beendet. Gesagt, getan. Man stelle sich das einmal vor: über 3000 Schüler und deren Eltern dürfen sich immer wieder umstellen – ab in die Schule, ab ins Stadion, Bücher mitbringen oder eben nicht. Warum die Schule das Sportfest aber um jeden Preis durchführen wollte, wurde spätestens bei der Eröffnungsfeier verständlich: es war einfach unglaublich, was die Schüler und Lehrer da gemeinsam auf die Beine stellten. Schade, dass mein Speicherplatz hier im Blog zu schnell aufgebraucht wäre, wenn ich Videos einstellen würde, denn mindestens einen Beitrag zur Eröffnungsfeier muss man eigentlich gesehen haben. Wer es sehen möchte, besucht mich einfach in Xi’an … oder schaut mal bei Facebook vorbei, wo ich es die Tage noch einstellen werde.

Auch ansonsten war das Sportfest eine super interessante Angelegenheit. Drei Tage wurden zum einen Wettkämpfe à la Bundesjugendspiele durchgeführt, bei denen ein Teil der Schüler, nämlich nur die sportlichen, Punkte für sich selbst sammelten. Gleichzeitig sammelten sie aber Punkte für ihre Klassen, die jahrgansweise um den Sieg kämpften und dabei auch bei Teamwettbewerben punkten konnten, insbesondere in verschiedensten Staffelläufen – wie z.B. auch einem „Stangen-Staffellauf“, bei dem ca. 8 Schüler gemeinsam eine Stange haltend einen Slalom-Parcours laufen mussten.

 

In der Woche danach fand dann wieder Unterricht statt und die Dinge sind „back to normal“ – wenn ich von einem Kurzausflug vom 22. bis 24. Oktober nach Shijiazhuang absehe, wo ich als Gast an einer DSD-Fortbildung für chinesische Deutschlehrkräfte teilnehmen durfte, damit ich einen Einblick in diesen zukünftig auch für mich bedeutsamen Aspekt der Arbeit eines Fachschaftsberaters gewinnen kann. Nächstes Jahr werde ich dann nämlich selbst zwei Fortbildungen organisieren.

Sechs Tage im Paradies

Zumindest für Touristen ein Paradies: die Landschaften von Guilin und Yangshuo an den Flüssen Ylong und Li. Meine sechs Tage dort liegen zwar bereits 2½ Wochen zurück, aber die Eindrücke werden noch lange bleiben. Auch wegen der Kontraste: Wohlstand und Tourismus auf der einen, ganz einfaches bis ärmliches, ländliches Leben auf der anderen Seite.

Mein ganz persönliches Glück: Ich hatte ganz zufällig ein Hotel ausgesucht, das nicht besser hätte liegen können: am Yulonghe (und nicht am Fluss Li), ein paar Kilometer von der auf Grund der „Goldenen Woche“ total überlaufenen Touristenstadt Yangshuo entfernt. Das Tal des Yulong: ein Traum von Landschaft und dabei landwirtschaftlich geprägt, z.T fast völlig vom Tourismus verschont – und dann diese Ruhe. Welch‘ Wohltat nach den ersten fünf Wochen 9-Millionen-Stadt Xi’an.

Die knappe Woche voller schöner Unternehmungen und Erlebnisse: Rollertour durch die Berge, Floßfahrt auf dem Yulong, Einladung zum Abendessen am Mondfest (mid-autumn festival), per Zufall in ein ganz besonderes „Restaurant“, Ausflug in die Longji Reisterrassen, eine vierstündige Unterhaltung mit einem jungen Chinesen aus Jinan, den ich dort kennengelernt habe, Federballspielen in einem „English College“, Tee in der idyllischsten Teestube bei der nettesten Besitzerin, die man sich nur vorstellen kann, Baden im Bach … – eigentlich wäre ich am liebsten dort geblieben.

Ein Monat Lehrerdasein

Heute nun sind die ersten 5 Wochen meines 3-jährigen Abenteuers vorbei und meine ersten chinesischen Ferien haben begonnen. Die „Goldene Woche“ liegt vor mir (gestern war Nationalfeiertag, an den sich immer eine Woche Ferien – für fast alle Chinesen – anschließt) und ich sitze im Flieger nach Guilin! Ich bin so gespannt auf diese wohl traumhafte Landschaft und kann mein Glück kaum fassen – bin ich mir doch sehr wohl bewusst, wie privilegiert ich im Vergleich zu den allermeisten Chinesen und zu meinen Kolleginnen bin.

Nicht nur könnten sich die meisten von ihnen einen solchen Urlaub gar nicht leisten, sondern sie müssen zum Teil bereits am Donnerstag wieder zurück in die Schule. Noch nicht mal eine vollständige Woche Ferien wird ihnen gegönnt – am Donnerstag und Freitag müssen sie antanzen, um das dreitägige Sportfest in der folgenden Woche vorzubereiten und/oder um Prüfungen abzunehmen – und das, obwohl die nächsten Ferien erst Mitte Februar sind. Ich frage mich ohnehin des Öfteren, wie die Lehrer den Dauereinsatz durchhalten, der ihnen in diesem Land abverlangt wird: mal 5, mal 6 Tage die Woche; mal von 7 Uhr morgens bis 18 Uhr, mal auch bis 21 Uhr. Und dann dürfen sie Dinge tun, bei denen wir in Deutschland sofort den Personalrat einschalten würden oder einen Anwalt: zum Schuljahresbeginn Klassenzimmer putzen, zum Beispiel. So sehr wir Lehrer in Deutschland – z.T. zu Recht – ab und an auch über zu viel Arbeit klagen, im Vergleich zu hier geht’s uns richtig gut! Trauriger „Höhepunkt“ zum Thema Arbeitsalltag: meine Kollegin Sun Jing hat ein dreijähriges Mädchen (Miaomiao), für das sie auf Grund ihrer Arbeit keine Zeit hat. Daher lebt die kleine 2 Stunden von Xi’an entfernt bei der Oma. Chinesische Normalität ☹

Gerade meine drei super tollen Deutschkolleginnen an der Nr. 89 sind dabei trotz ständiger Übermüdung meist gut gelaunt und reißen sich alle Beine raus, um alles möglichst perfekt zu machen:  für das Konzert der deutschen A Capella-Gruppe QuintEssenz aus Bamberg, für den Austausch mit Oldenburg, für den Austausch mit Südkorea (ja, auch den müssen die Deutschlehrerinnen organisieren!), für die Mitglieder der Schulleitung … und für mich. Ich hoffe jedoch, dass letztere Aufgabe allmählich weniger zeitaufwändig wird, da die meisten Dinge für mich inzwischen unter Dach und Fach sind und ich mich immer selbstständiger durch den schulischen und privaten Alltag bewegen kann.

Denn inzwischen habe ich nicht nur ein zweites Handy mit chinesischer Nummer, eine Metro- und Busfahrkarte und weiß, wie ich zu den für mich wichtigsten Orten komme (Metro-Supermarkt, Parks, Massage-Salon, beide Schulen, Nordbahnhof …), sondern war auch erneut bei einer ausführlichen medizinischen Untersuchung (den deutschen Institutionen vertraut man hier wohl nicht 😉) und bei der „kleinen“ und „großen“ Polizei – um mich anzumelden und um meine Aufenthaltsgenehmigung für das erste Jahr zu beantragen. All dies hätte ich ohne Jing und Boya nie geschafft und für die Aufenthaltsgenehmigung mussten die Armen im Vorfeld eine weitere Arbeitserlaubnis beantragen – mit ich weiß nicht wie vielen Antragsformularen und Dokumenten. Wenigstens bekommen sie ab und an eine ordentliche Portion Unterstützung von einer weiteren Lehrerin der Schule: „Shelley“ (Englischlehrerin), der ich bei ihrem Deutsch unter die Arme greife und die genauso toll ist und mit mir gleich zwei Mal zur „großen Polizei“ gefahren ist.

Den Umzug vom Hotel in meine Wohnung hingegen wollte ich ihnen nicht auch noch zumuten und hatte daher vor, ihn mit zwei Taxifahrten zu erledigen. Da habe ich die Rechnung dann ohne meine neue Vermieterin Vivian und ihren Mann gemacht. Ich traf sie am Samstag den 9. September bei der Wohnung, von der ich ab der 1. Minute begeistert war (wenn man vom „Rest-Putzbedarf“ mal absieht), und erzählte ihnen, dass ich mit dem Taxi zwei Mal hin und her fahren würde. Daraufhin sind die Beiden mit mir zum Hotel gefahren und bestanden darauf, das Auto bis zum Bersten zu beladen, während ich selbst auscheckte!

In der Wohnung fühlte ich mich bereits nach einer Nacht so wohl, dass ich beschloss, sie dauerhaft zu mieten – zu einem nicht ganz günstigen Preis, aber immerhin etwas billiger als im Airbnb-Tarif.

Und an meinen Schulen? Es ist kaum zu glauben – aber das Unterrichten macht mir wieder richtig, und fast immer, Spaß. Die Deutschkenntnisse der Schüler sind zwar nicht umwerfend, aber die Offenheit und Neugier, die mir entgegengebracht werden, sind einfach nur schön. Nach jeder Stunde kommen Schüler vor und stellen Fragen, sie wollen unbedingt bei WeChat mit mir befreundet sein und schicken mir dann sogar tatsächlich Nachrichten. An der Universitätsschule kam bei meiner ersten Vorstellung gleich der Vorschlag, wir könnten doch mal zusammen eine Radtour machen.

Auch meine erste Dienstreise nach Taiyuan, wo ich zwei Schulen sporadisch betreue, an denen gar die DSD II – Prüfung abgelegt wird, war ein Erfolg und hat Spaß gemacht. Ein Schultag, 8 verschiedene Termine – vom Überreichen von DSD-Diplomen über Unterricht hin zum Fahnenappell. Und am Samstag davor (ich war für’s erste Mal bewusst früher angereist) ein Treffen mit Ida von der 2. Fremdsprachenschule und ihrem Freund Robert, an dem wir zunächst 53 Sternchendimplome in den Computer hämmerten und anschließend gemeinsam essen gingen. Ich glaube, da könnte – trotz der sporadischen Besuche in Taiyuan – eine Freundschaft draus werden.

Und Xi’an? Die Luft ist nicht immer gut (manchmal liegen die Feinstaubwerte bei über 200) und über Verkehrs- und Menschenarmut kann ich auch nicht klagen. Aber dennoch gefällt mir die Stadt sehr gut. Auch, weil ich nach und nach Orte und Dinge entdecke, die ich noch nicht kannte: Freitagabend zum Beispiel die Konzerthalle der Stadt bei einem ungewöhnlichen Konzert (mongolische Kehlkopfgesänge auf höchstem Niveau) oder gestern joggenderweise einen richtig großen, schönen Park im Nordosten.

Auch das Essen(gehen) macht meist große Freude (Nudeln in zig Variationen und viel, viel Gemüse), und beim Einkaufen mache ich auch allmählich Fortschritte und entdecke nach und nach ein paar Dinge, auf die ich ungern verzichten würde (Käse, Naturjoghurt, Vollkornbrot (!)).

Fünf Wochen sind lang – da könnte ich noch viel schreiben. Aber das war’s erst einmal. Details zum Lehrerleben und weitere Schmankerl gibt’s in Zukunft sicher immer wieder mal.

Abschied und Ankunft

Und dann ging’s ganz schnell. Vier Tage voller wunderschönem Stress: neben Packen Abschied(e) von guten Freunden, Familie … und vom VfB 😉

Dann ein wunderbarer Flug (ich konnte schlafen, es gab tolles Essen und guten Wein) und der Blick auf das Hochhaus-Meer von Shanghai. Unglaublich.

Gefolgt von einem super herzlichen Empfang durch zwei meiner Deutschkolleginnen in Xi’an und einer ersten Woche, welche vor allem eines geschafft hat: meine Zweifel zu zerstreuen. Bereits nach 6 Tagen habe ich das Gefühl, angekommen zu sein. In einem Land, das mich von Anfang an fasziniert hat, insbesondere aber ab dem ersten Besuch in Xi’an 2010.

Trotz, nein, wegen der Gegensätze:  unglaubliche Dynamik und Tradition, rasanter Fortschritt und Festhalten an Bräuchen, Ritualen und Aberglauben, Wohlstand und Armut, staatliche „Ordnung“ und totales (scheinbares) Chaos, z.B. im Straßenverkehr …

Fassziniert vom Essen und von der Freude daran; vor allem  aber von den Menschen, die mir mit Offenheit und Herzlichkeit begegnen, mit Neugier, mit einem Lächeln, in dem Moment, in dem man mit ihnen zu tun hat. Manchmal selbst, wenn man nichts direkt mit ihnen zu tun hat …

Sprachliche Hindernisse sind natürlich da. Aber die ersten Wörter und Sätze habe ich gelernt; und manchmal hilft das Wörterbuch im Smartphone weiter. Nur im Supermarkt ist’s noch richtig schwierig – wenn alle Beschriftungen nur in chinesischen Zeichen gehalten sind, ist’s mir meist unmöglich herauszufinden, was sich in der Packung befindet. Es sei denn, sie ist durchsichtig …

Ich bin gespannt, ob es so positiv weitergeht, wie es sich in den ersten Tagen anfühlt. Noch bereue ich nichts 😉