Meine Arbeit oder: 03 + 04 = 111 + NDO.

Zum ersten Mal seit knapp 2½ Monaten sitze ich mal wieder im Zug von Taiyuan nach Xi’an – nach einem eintägigen Workshop mit 12 Schülerinnen beider Fremdsprachenschulen in Taiyuan, die im Herbst / Winter die DSD II-Prüfungen ablegen möchten. Da sich zudem das erste Schuljahr allmählich dem Ende entgegen neigt, berichte ich mal etwas mehr über meine Arbeit hier in China. So möchte ich – bevor ich den nächsten Text zu irgendeinem Ausflug oder einer Reise veröffentliche und meine Leser denken könnten, ich arbeitete ja gar nicht – vor allem einen Rückblick auf die Monate März und April schreiben, aber auch ein paar grundsätzliche Dinge erklären.

Das Deutsche Sprachdiplom gibt es in zwei Stufen: DSD I auf der Niveaustufe B1 und DSD II auf C1-Niveau. Schüler, die das DSD II-Diplom ablegen, können sich direkt an einer deutschen Hochschule bewerben, DSD I-Absolventen müssen einen „kleinen“ Umweg gehen. Nach erfolgreicher Teilnahme an den sogenannten C-Tests, die sehr schwer sind, bekommen knapp 150 von fast 300 Chinesen einen Platz an einem Studienkolleg in Deutschland. Hier werden sie ein Jahr lang sprachlich und inhaltlich fit gemacht für ein Studium in Deutschland. Dieses können sie beginnen, wenn sie nach dem einjährigen Besuch des Studienkollegs die sogenannte Feststellungsprüfung bestehen.

So ist das DSD-Programm Teil einer begrenzten Zahl von Möglichkeiten, als Chinese zumindest für ein paar Jahre nach Deutschland zu kommen. Einige, oder deren Eltern, möchten das vor allem, weil die Hochschulbildung in Deutschland hier einen sehr guten Ruf genießt und die Plätze an begehrten, im Ranking weit obenstehenden chinesischen Unis sehr rar sind. Die Aussicht, in Deutschland zu studieren, ist für ihre berufliche Zukunft von enormer Bedeutung, gerade weil die Konkurrenz um eine gute Ausbildung in China sehr hoch ist. Manche jedoch erhoffen sich noch ganz andere Dinge und viel mehr davon: die Gelegenheit, einmal ein ganz anderes Leben zu führen und ihren Horizont zu erweitern.

Die Zahl derjenigen, die es am Ende schaffen, direkt nach dem Gaokao, dem chinesischen Abitur, nach Deutschland zu kommen, bleibt jedoch recht überschaubar – insbesondere wegen der begrenzten Anzahl an Plätzen in den staatlichen Studienkollegs. DSD I-Absolventen, die dort keinen Platz ergattern, landen zum Teil in den Fängen von privaten Firmen, die sie zu horrenden Preisen nach Deutschland vermitteln – im besten Fall an gute private Studienkollegs, wenn es nicht so gut läuft, an eher unseriöse und im schlimmsten Fall zur Teilnahme an horrend teuren Sprachkursen in Deutschland, die nicht immer zum gewünschten Erfolg führen. Mein Arbeitgeber, die ZfA, arbeitet natürlich mit diesen Vermittlern oder mit privaten Studienkollegs nicht zusammen. So kann auch ich unseren Schülern auf diesen Wegen nicht helfen.

Warum schreibe ich all dies? Um zu zeigen, wie wichtig für manche Schüler Deutschunterricht und DSD-Programm sind und wieviel für sie davon abhängt, ob sie die Prüfungen schaffen und einen Platz am Studienkolleg bekommen. Deshalb werden z.T. die Antworten auf eine ganze Reihe von erwarteten Fragen in der mündlichen Prüfung einfach auswendig gelernt, deshalb kämpfen die Kolleginnen bei der Prüfungsbewertung um jeden Punkt für ihre Schüler und deshalb kann es schon vorkommen, dass wenige Minuten, nachdem ein Prüfling durchfällt, der Schulleiter die Deutschlehrerin anruft und nachfragt, wie das denn sein könne – nachdem er selbst direkt zuvor einen Anruf der Eltern erhalten hat. Dem Anspruch und den hohen Erwartungen entgegen steht die schwierige Unterrichtsrealität insbesondere an den DSD I-Schulen in Xi’an. Die Schüler lernen Deutsch zusätzlich zu all ihren anderen Fächern – in der 12. Klasse zum Beispiel in 10 Wochenstunden, die in den Mittagspausen und in den Hausaufgabenstunden stattfinden, also dann wenn die anderen Schüler frei haben, zu Mittag essen, sich ausruhen oder Hausaufgaben machen können. Zusätzlich zu Unterricht von kurz nach 7 bis 7 abends und zu mehreren Stunden Hausaufgaben, die bis in die Nacht hinein für andere Fächer zu erledigen sind. Wen wundert es da, dass immer wieder Schüler vom Deutschunterricht abspringen und diejenigen, die dabeibleiben, oft völlig übermüdet sind, keine Zeit finden, Vokabeln zu lernen, Deutschhausaufgaben ordentlich zu machen etc.

Die meisten Schüler sind dabei grundsätzlich motiviert, neugierig, total nett und offen. Und ich hab‘ sie wirklich ins Herz geschlossen! Umso mehr tut es dann weh zu sehen, wie sie an ihre Grenzen geraten oder darüber hinaus bzw. es einfach nicht mehr schaffen; oder dass sie eben kaum eine Chance haben, den Traum zu verwirklichen, zum Studium nach Deutschland zu gehen. Und umso schwieriger ist es für mich als Prüfungsvorsitzenden in den mündlichen Prüfungen, die Entscheidung zu treffen, dass es dann eben nicht mehr reicht für B1 und das erhoffte Diplom.

Womit ich beim Thema der Überschrift wäre: im März und April hatte ich bei insgesamt 111 mündlichen DSD-Prüfungen an vier Schulen in drei Städten (Xi’an, Taiyuan und Lanzhou) den Prüfungsvorsitz inne und direkt im Anschluss fand dann in Xi’an die Nationale Deutscholympiade (NDO) statt, an der ich organisatorisch und bei der Durchführung als lokaler Vertreter der ZfA beteiligt war. Sie wurde hauptsächlich vom Goethe Institut und von der ausrichtenden Fremdsprachenschule Xi’an organisiert und war eine gelungene und schöne Veranstaltung, deren Sieger im Juli zur Internationalen Deutscholympiade in Freiburg fahren.

03-04 war eine wirklich intensive, bei den Prüfungen zum Teil sehr anstrengende Zeit und auch danach und bis zu den Ferien gab und gibt es immer noch eine ganze Menge zu tun. An der Nr. 89 treibe ich das Ansinnen voran, für nächstes Schuljahr ein modernes Lehrwerk einzuführen, und versuche, ein paar Strukturen zu verändern – was allerdings alles andere als einfach ist. Die Vorbereitungen für den Austausch mit Schifferstadt laufen und auch da musste ich erkennen, dass die Dinge hier nicht so leicht in sinnvollere Bahnen zu lenken sind.

Meine Arbeit wird leider dadurch nicht einfacher, dass auf Grund der langwierigen Regierungsbildung mein Finanzetat für das laufende Jahr immer noch nicht genehmigt ist und ich einige Vorhaben – wie eine Lehrerfortbildung in Taiyuan im September – gar nicht oder nur unter Finanzierungsvorbehalt planen kann; oder auch dadurch, dass die Stelle des Fachberaters in Peking, meines direkten Vorgesetzten, frühestens im Februar 2019 wieder besetzt wird.

Nach neun Monaten bin ich also zum einen halbwegs platt und zum anderen auch mit mehr Realismus gesegnet, was die Möglichkeiten der Veränderung hier angeht. Der Reiz des Neuen ist zu großem Teil verflogen, ich sehe nun auch die problematischen Aspekte meiner Arbeit und der chinesischen Bildungslandschaft sowie der schulischen Strukturen klarer – und ich hoffe sehr, dass mein zweites Jahr dennoch ein wenig Bewegung bringt und nicht zu viel Frustration. Es wird jedenfalls sicherlich schwieriger als das erste und schon deshalb freue ich mich auf die herannahenden Ferien – ich werde die Erholung brauchen.

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Mit Kollegin Yu beim Fototermin des Abschlussjahrgangs an der Jiao Tong. Faszinierend, wie man ca. 700 Schüler/innen auf ein Bild bekommen kann.

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Zehntklässler an der Nr. 89 in der 10-Minuten-Pause.

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DSD I – MK – Prüfung an der Nr. 89.

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DSD I – MK – Prüfungen in Taiyuan: ungewöhnlicher, aber netter Prüfungsraum.

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DSD I – MK – Prüfungen in Taiyuan: ungewöhnlicher, aber netter Prüfungsraum.

DSD I in Taiyuan (FILEminimizer)

DSD I – MK – Prüfungen in Taiyuan: Prüfungsprotokoll (natürlich Datenschutz-gerecht).

21-Jiao Tong - Stimmung nach der DSD-Prüfung (FILEminimizer)

Nach den DSD I – MK – Prüfungen an der Jiao Tong.

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Nach den DSD I – MK – Prüfungen an der Jiao Tong.

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Kräftemessen in der 11. Klasse der Jiao Tong. Auch nicht anders als bei uns in Deutschland.

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Eine „kleine“ Überraschung der Zehner an der Jiao Tong zu meinem Geburtstag!

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Zwei Deutschschüler der Abschlussklasse an der Nr. 89 am letzten Schultag und zugleich (Klassen)Fototermin.

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Kontrollraum in der Nr. 89. In jedem Klassenzimmer hängen Videokameras.

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Proben mit ein paar Siebtklässlern der Nr. 89 für vier Sketche bei der Deutscholympiade. Theater macht mir immer noch am meisten Spaß an der Schule – und den Schülern auch!

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Proben mit ein paar Siebtklässlern der Nr. 89 für vier Sketche bei der Deutscholympiade. Theater macht mir immer noch am meisten Spaß an der Schule – und den Schülern auch!

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Proben mit ein paar Siebtklässlern der Nr. 89 für vier Sketche bei der Deutscholympiade. Theater macht mir immer noch am meisten Spaß an der Schule – und den Schülern auch!

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Proben mit ein paar Siebtklässlern der Nr. 89 für vier Sketche bei der Deutscholympiade. Theater macht mir immer noch am meisten Spaß an der Schule – und den Schülern auch!

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Probe für das Begleitprogramm bei der Deutscholympiade: Zehntklässler der Jiao Tong singen „Edelweiß“.

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Deutscholympiade: Aufbau des Anmeldetisches im Hotel.

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Deutscholympiade: Namensschilder für die Teilnehmer.

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Deutscholympiade: meine selbst produzierten ZfA-„Give Aways“.

26-NDO - mit ZfA-Aufklebern versehene Schokolade und Gummibärchen (FILEminimizer)

Deutscholympiade

30-NDO - Gruppenpreise (FILEminimizer)

Deutscholympiade: Siegerehrung.

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In Gedanken bei der Regierungsbildung 😉

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Deutscholympiade: das ZfA-Team mit QuintEssenz.

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Deutscholympiade: Begleitprogramm.

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Deutscholympiade: QuintEssenz-Konzert am Samstagabend.

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Deutscholympiade: QuintEssenz-Workshop mit den Teilnehmern.

Fahrt in die Wüste

In diesem Moment, in dem ich beginne, diesen Blogeintrag zu schreiben, fahre ich mit dem Bummelzug durch die absolute Wüste Richtung Dunhuang, der berühmten Oasenstadt im äußersten Westen der Provinz Gansu.

Ich habe 4 ½ Tage frei, da an beiden Schulen mal wieder irgendwelche die Schüler massiv unter Druck setzenden und quälenden Zwischenprüfungen stattfinden. An der Nr. 89 sind das für die Schüler der 10. Klassen zum Beispiel an zwei Tagen Prüfungen in 9 Fächern mit jeweils 1,5 Stunden Dauer. Darüber ein anderes Mal vielleicht mehr.

Ich jedenfalls nutze die Tatsache, dass ich bei Prüfungen nutzlos wäre, weil mich ohnehin niemand versteht, dafür, einen Ausflug der ganz besonderen Art zu machen. Am Mittwochnachmittag bin ich in Xi’an aufgebrochen und mit dem Hochgeschwindigkeitszug innerhalb von 9 Stunden ca. 1300 Kilometer durch den Hexi-Korridor nach Jiayuguan – faszinierende Landschaften bereits auf dem Weg!

Jiayuguan selbst ist eine bemerkenswert unaufgeregte, ruhige Kleinstadt – an sich nicht unbedingt eine Reise wert, wäre da nicht die Festung Jiayuguan, während der Ming-Dynastie und danach die westlichste Festung des zivilisierten China. Das Kaiserreich herrschte zwar über Gebiete deutlich weiter westlich, aber diese waren kaum bewohnt und wurden von den Chinesen – wahrscheinlich zu Recht – als gefährlich betrachtet, gar als von Dämonen bewohnt.

Darüber hinaus stehen dort – zum Teil wunderbar restaurierte, zum Teil wunderbar originale, zerfallende – Reste des westlichsten Teils der Großen Mauer und es gibt ein sehr gutes Museum zu eben dieser. Der eintägige Zwischenstopp hat sich also auf jeden Fall gelohnt.

Heute Morgen ging es dann um 6.30 Uhr mit dem Taxi (für 15 Yuan) zum Bahnhof, wo um 7.16 Uhr der K41 abfuhr, in dem ich jetzt noch knapp eine halbe Stunde sitze, bevor ich in Dunhuang ankomme. Dort wartet eine angeblich richtig schöne Oasenstadt auf mich – vor allem aber die weltberühmten Mogao-Grotten und die „singenden Sanddünen“. Ich bin gespannt und werde berichten.

 

Gut 48 Stunden später sitze ich bereits im Flieger und bin fast schon im Landeanflug auf Xi’an. Die beiden Tage in Dunhuang waren ganz bestimmt ein weiterer Reisehöhepunkt meiner Zeit in China. Die Mogao-Grotten mit den bedeutendsten buddhistischen Kunstschätzen weltweit waren fantastisch, Besucherzentrum und Führung sehr professionell und informativ. Zum einen gab es zwei richtig gute Einstiegsfilme (einer davon im Kuppelkino), die natürlich beide auf Chinesisch liefen. Ich bekam aber einen funkgesteuerten Kopfhörer und hatte den Kommentar – wie in einer Konferenz – parallel auf Englisch. Zum anderen war die englische Führung durch die Grotten selbst bestens, wegen des kompetenten und gut Englisch sprechenden Führers und auf Grund der überschaubaren Gruppengröße. Auf eigene Faust besuchen kann man die Grotten nicht. Sie sind zum Schutz abgeschlossen und die Fremdenführer öffnen sie dann jeweils für ihre Gruppe. Fotos vom Inneren der Grotten zu machen war leider nicht gestattet. (zum Ersatz: https://www.google.de/search?hl=de&tbm=isch&source=hp&biw=1536&bih=750&ei=oQbvWrGwEYHE6AThq7foBA&q=mogao+grotten&oq=Mogao+&gs_l=img.1.0.0l2j0i30k1l8.2940.4148.0.8000.6.5.0.1.1.0.322.322.3-1.1.0….0…1ac.1.64.img..4.2.326….0.gl4J-SUKCF0)

 

Neben zum Teil über 1400 Jahre alten Fresken, die größtenteils erstaunlich gut erhalten sind, gibt es auch die mit 35 Metern Höhe dritthöchste Buddha-Statue weltweit und einen liegenden, von einer großen Gruppe Heilsuchenden flankierten Buddha mit 27 Meter Länge zu bewundern. Die Lage der Grotten und wie sie in den Fels gehauen sind, ist dabei an sich schon völlig faszinierend. Außerdem wurden in einer versteckten Grotte in den 1920er Jahren Tausende von uralten Manuskripten und Büchern entdeckt, darunter auch das älteste Buch überhaupt. Jedoch befinden diese sich heute traurigerweise in Museen rund um den Globus und nur noch zu einem Bruchteil in China.

Warum befinden sich diese so wichtigen Grotten ausgerechnet hier? Dunhuang als Oase befand sich in der Blütezeit des traditionellen China – während der Tang-Dynastie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert – an der Kreuzung zweier wichtiger Handelswege: der südlichen Route der Seidenstraße einerseits und der bedeutenden Verbindung von Indien über Tibet in die Mongolei andererseits. Die Stadt war ein wichtiger Umschlagplatz, ein Ort, an dem Proviante aufgefrischt wurden etc. und die beiden erwähnten Routen waren eben auch ganz entscheidende „Einfallstore“ für den Buddhismus, der aus Indien nach China kam. Während der Tang-Dynastie boomte der Buddhismus in China und wer Rang, Namen und Geld hatte oder den spirituellen Weg eingeschlagen hatte, finanzierte diese prachtvollen Höhlen oder schuf selbst eine.

Noch mehr beeindruckt haben mich allerdings die Sanddünen bei Dunhuang – und besonders schön war es, dass ich am Freitagnachmittag bei meiner ersten Tour auf die Dünen einen jungen Chinesen namens Zihua kennengelernt und die Dünenwanderung mit ihm fortgesetzt habe. Heute Morgen dann haben wir uns zum Sonnenaufgang dort verabredet. Wir trafen uns um 5.55 Uhr (vielleicht bin ich auch deshalb auf diesem Flug so besonders müde 😊) und um Punkt 6 Uhr wurde die „Scenic Area“ geöffnet, die man mit einem Ticket an drei aufeinanderfolgenden Tagen besuchen kann – vorausgesetzt, man hat sich beim ersten Besuch fotografieren lassen.

In Begleitung eines kleinen Streuners, der vom Eingang bis auf die Dünen hoch und wieder zurück nicht von unserer Seite wich, machten wir uns an den anstrengenden Aufstieg und waren fast auf der Spitze einer der Dünen angelangt, als um 6.36 Uhr die Sonne aufging. Es war unbeschreiblich schön.

Gestern war ich nach dem Besuch der Grotten noch ein wenig in der Stadt selbst, die mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Relativ klein, beschaulich, grün, recht wohlhabend und gepflegt, ist sie doch ganz anders als viele der chinesischen Städte, die ich bisher gesehen habe. Etwas ganz Besonderes entdeckte ich dann noch am bzw. auf dem Fluss am Westende der Stadt: kleine Inseln, die über Stege erreicht werden könne – ganz normale und solche aus „Mini-Inselchen“, faszinierend, aber eher etwas für die Jüngeren. Ich habe ihnen die normalen Stege doch vorgezogen.

Zu guter Letzt bleibt noch das Hotel zu erwähnen. Bewusst hatte ich mich in Jiayuguan in einem sehr einfachen und billigen eingemietet – nämlich damit ich in Dunhuang etwas verschenderischer sein konnte. Und das sollte sich lohnen. Das Silk Road Dunhuang Hotel war einfach nur wunderschön. Höhepunkte: die Massagepraxis (ich gönnte mir eine abendliche Fußmassage unter freiem Himmel) und die Café-/Frühstücks-Dachterrasse mit Blick auf die Dünen. Ich komme wieder!

(Die Bilder für diesen Blogeintrag bleiben zunächst mal noch ohne bzw. mit sehr minimalistischen eigenen Beschriftungen – ich muss ins Bett. Der (Reise)Tag war lang und morgen beginnt eine arbeitsame Woche)

1. Mai

Heute hat mich meine liebe Freundin Dani gefragt, wie denn der 1. Mai in China gefeiert wird. Sie, die 1988-89 ein Jahr in Peking verbrachte, konnte sich nicht mehr daran erinnern. Ich schrieb zurück, dass mir Schüler erzählt hatten, dass man am 1. Mai nichts Besonderes mache: zu Hause bleiben, schlafen, Zeit mit der Familie verbringen, essen. Ich selbst habe beobachtet, dass viele Chinesen auch heute das machten, was sie an den meisten Feiertagen machen: in Gruppen, mit der Familie durch die Stadt flanieren und shoppen. Auch wenn ich nicht ausschließen möchte, dass ich Vieles einfach nicht mitbekomme und mich deswegen täusche: mir scheint es lange nicht so viele mit Feiertagen verbundene Bräuche zu geben wie bei uns. Alleine für den 1. Mai fallen mir in Deutschland der Maibaum, das Maienstecken (im Schwabenland), die Radtour mit der Familie oder das Wandern (natürlich mit Bierwagen) mit Freunden ein.

Aber immerhin: heute Abend gab es dann zumindest ein Riesenspektakel am Südtor der Stadtmauer. Konzert, Lasershow und Tanz – allerdings war all das kaum wahrzunehmen, weil so viele Menschen unterwegs waren, dass Jing und ich zunächst nur sehr weit vom Spektakel entfernt einen Platz ergattern konnten.

Gerade als wir gehen wollten, kam dann das, wovon alle vorher geprochen hatten: 1374 computergesteuerte Drohnen (als Symbol für die 13,74 Kilometer lange Stadtmauer)  erschienen am Himmel, malten Bilder und Schriftzüge und wirkten immer wieder wie ein geräuschloses und mystisches Feuerwerk. Das war wirklich beeindruckend und etwas ganz Besonderes.

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Fahrradkauf und -tour

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Fahrradkauf: nicht ich, der Monteur/Verkäufer wollte das Bild unbedingt machen – ich vermute, ich war sein erster nicht-chinesischer Kunde seit dem Bau der Stadtmauer.

Vor ein oder zwei Wochen hatte ich den Entschluss gefasst, vor dem verlängerten Maifeiertagswochenende ein Rad zu kaufen. Die Wettervorhersage für Sonntag war gut und daher wurde der Plan am Samstagabend nach dem Unterricht in die Tat umgesetzt. Nachdem Zhengping Li sein Angebot, mir dabei zu helfen, wegen eines wichtigen Termins kurzfristig zurückziehen musste, zog ich alleine, nur mit meiner Wechat-Übersetzungs-App „bewaffnet“, los und schlug zu. Es wurde ein – im Vergleich zu Deutschland – recht günstiges, aber dennoch absolut ordentliches Trekking-Rad mit 27 Gängen. Schloss, Satteltasche, Pumpe, Multi-Werkzeug gab’s gleich dazu und gestern ging es – bei wunderbarem Wetter und recht sauberer Luft –

auf Tour: über 85 Kilometer bei bis zu 30 Grad in Richtung der Qinling-Berge im Süden. Die Tour war wegen des Wetters ziemlich anstrengend, die ersten Kilometer, bis ich mal aus der Stadt draußen war, und die letzten – im und neben dem Auto-, Fahrrad-, Roller- und Fußgängerstau zurück in die Stadt waren ziemlich nervenaufreibend, aber insgesamt war es eine fantastische Tour mit einigen wunderbaren Überraschungen. Völlig k.o., aber glücklich über meine Entscheidung und über die Tour, fiel ich ins Bett und schlief zum ersten Mal seit Ewigkeiten fast 10 Stunden 🙂
So schön ich es ja finde, hier ganz ohne Auto auszukommen, so war bisher ein Problem eben, dass es fast unmöglich war, mal aus der Stadt rauszukommen. Auch wenn’s mit dem Rad etwa eine Stunde bis zum Stadtrand ist: jetzt geht das … und so werde ich in Zukunft bestimmt immer wieder mal eine Tour in die umliegende Natur machen. Denn Natur und Abstand von der Stadt fehlen mir hier in Xi’an schon immer wieder mal – genauso wie sportliche Betätigung, da Joggen wegen der Luftverschmutzung leider nicht allzu häufig möglich ist. Radfahren hingegen ginge dann auch mal mit Maske.

Überfällig

 

Seit meinem letzten Blogeintrag von Anfang Februar sind nun bereits mehr als zwei Monate vergangen. Falls ich regelmäßige „Verfolger“ haben sollte: Tut mir leid, dass es solange gedauert hat, bis ich mich jetzt – im Zug auf dem Weg von Guangyuan nach Xi’an – mal wieder dransetze und es etwas von mir zu lesen und zu sehen gibt.

Warum erst jetzt? Nun ja, dafür gibt es mehrere Gründe. Im Februar war ich auf Heimaturlaub – in Römerberg/Schifferstadt, mit meiner Mutter in den USA und bei meinem Bruder und Familie in Seattle, um seinen runden Geburtstag zu feiern. Da hatte ich weder Muse noch Zeit – und ich denke, darüber werde ich hier im Blog auch nichts veröffentlichen.

Anfang März ging es dann zurück nach Xi’an und ja, die Rückkehr war ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Bei meiner Ankunft in der Pfalz war irgendwie „alles gut“: ich freute mich, nach fünf Monaten wieder einmal in der Heimat zu sein, fand es richtig schön dort und freute mich gleichzeitig bereits auf meine Rückkehr nach China im März. Letztere war dann unerwartet etwas schwierig. War in den ersten Monaten alles neu, aufregend, faszinierend, kam ich nun zurück und kannte alles schon. Mag blöd klingen, aber plötzlich war der Reiz des Neuen weg und das Routine-Alltag-Arbeit-Gefühl drängte sich in den Vordergrund, und außer Arbeit war in den ersten Wochen nicht viel. Dazu kam, dass in meiner Abwesenheit die Luft leider nicht besser geworden war – und nach vier Wochen ohne Maske hatte ich einfach keine Lust, das blöde Ding erneut ständig tragen zu müssen. Ich wäre gerne regelmäßig joggen gegangen (auch weil meinem Bauch knapp drei Wochen USA-Urlaub leider deutlich anzusehen waren), aber bei PM 2.5-Feinstaub-Werten von 150 bis 350 war nicht daran zu denken. Summa summarum (schreibt man das so?) war meine Stimmung nicht so, dass ich Lust gehabt hätte, Blogeinträge zu verfassen.

Zudem war die Zeit von Anfang März bis jetzt – bzw. bis in drei Tagen – die arbeitsreichste Phase, seit ich meine Tätigkeit angetreten habe. Da am 13. März die schriftlichen DSD I-Prüfungen anstanden, mussten meine Kolleginnen und ich an den beiden Schulen in Xi’an unsere Schüler unter Hochdruck darauf vorbereiten. Last-Minute-Wiederholungen und Übungen standen auf dem Programm. Zur Abnahme der schriftlichen Prüfung durfte ich dann als Prüfungsbeauftragter (zum ersten Mal) nach Lanzhou in Gansu reisen. An den zwei Tagen danach habe ich dort dann 25 mündliche Kommunikationsprüfungen (MKs) für die Schüler aus Lanzhou und für vier externe Prüflinge aus Ürümqi durchgeführt. In der Woche darauf ging es für drei Tage nach Taiyuan (Shanxi), wo ich weitere 24 MKs an der Fremdsprachenschule Nr. 2 abnahm und am Samstag die Aufnahmetests der Studienkollegs beaufsichtigte. Von Montag bis Mittwoch in der zurückliegenden Woche standen 36 MKs an der High School der Jiao Tong Universität in Xi’an an – die Schule, deren Schüler ich immer freitags unterrichte. Zum Abschluss werden meine Kollegin Boya und ich Anfang der nächsten Woche die 25 Prüflinge der Nr. 89 Mittelschule, meiner „Heimatschule“, prüfen – nachdem wir morgen, also am Sonntag (!), noch eine letzte Stunde mit ihnen haben werden. Das liegt nicht etwa daran, dass die Prüfungen anstehen und wir Sonderschichten einlegen würden (obwohl Boya das in den letzten Wochen regelmäßig getan hat), sondern daran, dass ganz regulärer Unterrichtstag an den Schulen in Xi’an ist. Warum? Nun, Donnerstag war Feiertag (Qingming-Fest), Freitag hatten wir einen Brückentrag und heute, Samstag, ist frei (wie meistens). Solche Brückentage bekommt man hier aber nicht geschenkt, sondern darf sie an einem Samstag oder Sonntag nacharbeiten. Ab Mittwoch laufen dann die Vorbereitungen für die Nationale Deutscholympiade hier in Xi’an auf Hochtouren, die federführend vom Goethe-Institut veranstaltet wird, für die ich aber vor Ort der mit-organisierende Vertreter der DSD-Schulen, also der ZfA, bin. Und danach …

Nun, damit wäre ich zum Beginn dieses Blogbeitrags zurückgekehrt. Eine Entscheidung, die ich getroffen habe, als ich diesen Durchhänger hatte – ja, er ist vorbei und die Luft ist auch ein wenig besser dieser Tage, manchmal zumindest – ist, dass ich in der Zeit nach der Stressphase die Wochenenden nutzen möchte, mehr von Xi’an und Umgebung kennenzulernen, Tages- und Wochenendausflüge zu unternehmen, damit es nicht nur den Alltag gibt. Und vielleicht kann ich ja demnächst doch auch wieder häufiger ohne Maske „auf die Gass“ und laufen gehen; vielleicht kaufe ich mir auch noch ein Fahrrad – wobei das Problem ist, dass es in jeder Richtung mindestens 15 Kilometer sind, bevor ich mit dem Rad aus der Stadt draußen wäre.

Heute nun kehre ich von einem Zweitagesausflug nach Guang Yu An zurück, wo ich viel spazieren war und vor allem die buddhistischen Felsengrotten oder besser -schreine bewundert habe, die zum Teil vor 1500 Jahren in den Fels gehauen wurden. Sehr beeindruckend!

Selbst ein solcher Ausflug ließe sich eigentlich als Tagesausflug gestalten – denn die 400 Kilometer von Xi’an nach Guang Yu An fährt man mit dem Hochgeschwindigkeitszug in gerade mal zwei Stunden und acht Minuten 😊 Wenn ich nachher um 13:35 Uhr in Xi’an ankomme, geht es übrigens auch noch an die Schule, zu einer Theaterprobe mit sechs Siebtklässlern, die bei der Deutscholympiade in einer Woche vier kleine Sketche aufführen werden. Wer mich kennt, weiß: das ist zwar zusätzliche Arbeit, aber es gibt wenig – wenn überhaupt etwas (stimmt’s, Annette?), was mir mehr Spaß macht an der Schule.

Und nun wieder zurück zum Ausgangsthema (Mr Dr. W., ich weiß, die Textstruktur lässt zu wünschen übrig 😊): ja, es hat gebraucht, bis ich wieder so richtig hier war, aber inzwischen bin ich doch erneut angekommen in meinem chinesischen Leben, trotz der Routine und des Alltags und trotz der Dinge, die mir hier nicht gefallen (zusätzlich zur Luftverschmutzung). Vielleicht hat auch meine Geburtstagswoche dazu beigetragen, denn an meinem Geburtstag – einem Sonnentag mit fast 30 Grad und relativ guter Luft – gaben mir meine Kolleginnen an der Nr. 89 eine Stunde am Vormittag frei, indem sie mich vertraten und ich konnte wunderschön im Sofitel frühstücken gehen, um anschließend – nach 2 Schulstunden am Mittag – einen Ökopark zu entdecken und zu genießen, der diesen Namen tatsächlich verdient hat, direkt am Wei He (Wei-Fluss) gelegen. Abends ging’s mit den Kolleginnen natürlich zum Essen – was sonst? Essen und Shoppen – die Leidenschaften so vieler Chinesen.

Am Wochenende darauf hatte ich dann Besuch von meinem Ex-„Boss“ Andreas Wolfrum, der zwei Monate nach dem Ende seiner vorzeitigen Tätigkeit in Peking einen zweiwöchigen Urlaub in China machte und es sich nicht entgehen lassen wollte, am Samstag bei der eigentlichen Geburtstagsfeier dabei zu sein. Ich musste die Initiative hierfür zwar selbst in die Hand nehmen, obwohl sie sehr chinesisch ausfiel. Bereut habe ich das aber nicht, denn es wurde ein sehr schöner Abend: zu Elft gingen wir ins KTV und sangen – mal solo, mal im Duett und mal fast alle zusammen – englische, chinesische und kantonesische Lieder. Tags zuvor hatte mich die 10. Klasse an der Jiao Tong Schule außerdem noch mit einer super lieb beschrifteten und bemalten Geburtstagstafel überrascht.

Auch die MK-Prüfungen – nicht nur, aber vor allem an der Jiao Tong-Schule – haben komischerweise dazu beigetragen, dass ich wieder ganz hier bin. Denn sie waren zwar anstrengend – an sich und weil ich den ein oder anderen kleineren Kampf in meiner Rolle als Prüfungsvorsitzender bestehen musste, dem zwar die Schüler auch ans Herz gewachsen sind, der aber auch eine Linie einziehen muss zwischen den Niveaus B1 und A2 und auch zum Nicht-Bestehen. Aber gerade deshalb waren sie auch von z.T. sehr offenen und intensiven Gesprächen geprägt, vor allem mit der Kollegin Yu, in denen mir einiges zur Situation der chinesischen Schüler/innen noch klarer wurde, worüber ich vielleicht an anderer Stelle mal noch schreiben werde.

Für heute soll’s das erst einmal gewesen sein. Wenn ich heute Abend zu Hause bin, werde ich zumindest noch die Bilder aus Guang Yu An mit kurzen Texten versehen (um diese lesen zu können, muss man die Bilder übrigens anklicken) und einstellen. Irgendwann in absehbarer Zeit kommen dann noch die wichtigsten Bilder aus den letzten Wochen dazu … und irgendwann auch eine Art „sonstige Bilder“ aus den ersten fünf Monaten, die ich keinem der Blogeinträge zuordnen konnte und noch nicht beschriftet habe.

Eine kleine Zwischenbilanz – schulisch

Fünf Monate sind um und ich befinde mich auf dem Flug nach Deutschland – die chinesischen Frühlingsferien stehen auf dem Programm und somit mein erster Heimaturlaub. Damit niemand glaubt, die fünf Monate hätten hauptsächlich aus Urlaub bestanden, wird es Zeit, auch mal ein wenig über die Arbeit der letzten Monate zu schreiben. Ferien hatte ich nämlich bis jetzt seit 1. September genau eine Woche – Anfang Oktober. Die Blogeinträge wie zu Pingyao oder zum Cui Hua Shan sind an Feier- oder Sonntagen entstanden – Peking und Shanghai waren Dienstreisen. Ja, die fünf Monate waren eher anstrengend und bestanden im Großen und Ganzen aus Arbeit und Alltag, worüber die bisherigen Blogeinträge ein wenig hinwegtäuschen mögen.

Aber sie waren dennoch schön, spannend, wahnsinnig interessant und mit vielen wirklich schönen Begegnungen und Ereignissen gespickt. Schülerinnen und Schüler, die neugierig sind und z.T. ganz offene Fragen stellen, mir sagen, dass sie mich lieben, ihnen Deutsch vor allem meinetwegen gefällt. Kolleginnen wie Ida in Taiyuan, die sich riesig darüber freuen, dass ein Muttersprachler einmal im Monat kommt und sie von ihm lernen können, und mir das auch immer wieder sagen. Siebtklässler, die mir in einer Vorstellungsrunde sagen: „You are handsome,“ und dann fragen, ob ich verheiratet bin. Schüler, die mich interviewen oder mit mir Fußball spielen wollen. Meine Kolleginnen Jing, Boya und Huan an der Nr. 89, bei denen ich mich so wohl fühle, als würden wir schon jahrelang zusammenarbeiten, mit denen zusammen ich mindestens einmal die Woche essen gehe und die immer für mich da sind, wenn ich Hilfe brauche. Und neulich ein sehr offenes und konstruktives Gespräch mit Lee Zhengping und dem Schulleiter Herr Lu über ein paar Dinge, die meiner Meinung nach nicht sehr sinnvoll sind.

Die fünf Monate waren auch anstrengend. Ich bin zwar nicht so lange an der Schule wie meine armen Kolleginnen (von 7.10 Uhr bis mindestens 17.15 Uhr), aber meistens sind auch für mich die Tage an der Nr. 89 länger als in Deutschland. Mein Jiao Tong-Tag (Freitag) beginnt immer um 6.30 Uhr mit dem Verlassen des Hauses und mit dem Heimkommen zwischen 19.30 und 20 Uhr, je nach Verkehr. Oft, wenn ich nach Hause komme, schreibe ich noch Mails, führe Telefonate, koordiniere, organisiere etc. in meiner Eigenschaft als Fachschaftsberater, in der ich vier Schulen regelmäßig und zwei weitere ab sofort sporadisch betreue. Die damit einhergehenden Dienstreisen (sechsmal Taiyuan, zweimal Peking, einmal Shanghai) machen einerseits Spaß und bringen Abwechslung, aber ich merke auch, dass ich mich jedes Mal mehr darauf freue, wieder nach Hause zu kommen, und dass ich von Mal zu Mal etwas erschlagener bin. Dann gibt es natürlich auch in China Frustmomente an der Schule – aus strukturellen Gründen oder weil z.B. die Schüler todmüde oder/und völlig lustlos sind. Und auch hier erkläre ich das ein oder andere zum x-ten Mal und … nun ja!

Summasummarum kann ich sagen: meine Tätigkeit hier ist eine anstrengende Herausforderung, macht aber auch unglaublich viel Spaß, insbesondere in der Begegnung mit den Menschen, die mir in den ersten fünf Monaten ans Herz gewachsen sind – Schülerinnen und Schüler wie Kolleginnen.