Jahresausklang in Pingyao

Da ich am 2. und 3. Januar zu den mündlichen DSD II – Prüfungen erneut in Taiyuan sein musste, fuhr‘ ich bereits am 30.12. dorthin, quartierte mich in ein schönes Hotel ein und traf mich mit einem Freund zu einem Silvester-Ausflug nach Pingyao – wo ich schon lange mal hin wollte. Es hat sich gelohnt. Am späten Silvesterabend waren wir dann wieder zurück in Pingyao – von Silvester war weder etwas zu sehen noch zu hören, nur im Fernsehen lief eine relativ kitschige Silvestershow mit chinesischer Pop- oder eher Schlagermusik. Und am nächsten Tag machten viele, viele Chinesen das, was man an einem freien Tag eben macht: Sie gingen shoppen. Im Gegensatz zu Weihnachten ist der 1. Januar tatsächlich ein Feiertag hier im Land, obwohl das chinesische Neujahr ja noch etwas auf sich warten lässt.

Hier ein Auszug aus dem Lonely Planet Reiseführer China: „Pingyao ist einfach fantastisch: Die Stadt hat die besterhaltene Stadtmauer im gesamten Land. Alle, die schon einige Tausend Kilometer quer durch China zurückgelegt haben, werden bezaubert sein von den jahrtausendealten Reizen der Stadt, Reize, die anderswo im Reich der Mitte langsam verblassen oder für immer verloren gegangen sind. […] Pingyao ist auch eine Stadt, in der authentisch gelebt wird: Etwas über 30 000 Einwohner zählt die Altstadt; dort hängen die Leute ihre Wäsche im Hof auf [nicht am 31.12. :)], flitzen auf ihren Drahteseln die Gassen entlang oder sitzen im Hauseingang, um sich zu sonnen [auch nicht am 31.12. :)] oder mit dem Nachbarn zu plaudern. Traurigerweise bleibt auch Pingyao von der flächendeckenden Luftverschmutzung durch Kohlenstaub nicht verschont [und im Winter darf dort, anders als in den meisten Großstädten des Landes, auch noch mit Kohleöfen geheizt werden!]. […]

Pingyao war bereits während der Ming-Dynastie eine blühende Handelsstadt. In der Qing-Zeit tat sich die Stadt hervor, als Kaufleute die ersten Banken und Schecks des Landes einführten [mehrere alte Banken und Bankenmuseen können heute besucht werden]. Auf diese Weise wurde der Transfer von Silber von einem Ort zum anderen erleichtert. Glücklicherweise konnte die Stadt dem Erneuerungswahn kommunistischer Städteplaner entgehen: Innerhalb der Stadtmauern sind noch annähernd 4000 Residenzen aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastien erhalten.“

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Weihnachten im Fernen Osten

Es ist höchste Zeit, mal wieder aus dem Fernen Osten zu berichten. Seit dem Maskenmann-Ausflug war in jeder Hinsicht viel los. Ich war sehr beschäftigt, krank, unterwegs und habe viel gesehen und erlebt. Die Bilder für die entsprechenden Blogbeiträge habe ich schon ausgesucht und verkleinert – und heute fange ich mal mit dem Text für den ersten an, damit sich niemand Sorgen macht 😉

Ulkigerweise habe ich die Vorweihnachtszeit und Weihnachten in China intensiver erlebt und als schöner wahrgenommen, als es zu Hause oft der Fall ist. Obwohl Weihnachten hier traditionell überhaupt keine Rolle spielt und das, was importiert wurde, doch recht kitschig, oberflächlich und sehr konsumorientiert ist, habe ich selbst die Zeit sehr genießen können. Nicht, dass der vorweihnachtliche Stress ausgefallen wäre – nein, ich hatte ja überhaupt keine Ferien, war viel auf Dienstreisen und musste die Schüler in Taiyuan auf ihre DSD II-Prüfungen vorbereiten, etc..

Doch es war einfach wunderschön, den Chinesen – und dabei vor allem den Schülern und Schülerinnen – Weihnachten (wie es eigentlich einmal gedacht war) mit all seinen Bräuchen und Traditionen näher zu bringen, mit ihnen Sterne zu basteln, Weihnachtslieder zu singen und Lebkuchen aus Deutschland zu genießen. Es war so schön, weil sie ein derart großes Interesse daran gezeigt und Fragen über Fragen gestellt haben sowie große Freude bei alledem hatten. Riesige Freude zum Beispiel in allen Klassen darüber, dass ich ihnen jeweils einen Adventskalender geschenkt und den Brauch erklärt habe – Applaus als Dankeschön, obwohl es noch nicht einmal für jeden Schüler ein Türchen gab. Und in meiner 12. (!) Klasse gab es insgesamt 5 Schülerinnen und Schüler, die alles daran setzten, irgendwoher die Zutaten für Lebkuchen zu bekommen und welche für unsere Weihnachtsfeier zu backen, nachdem sie die von Meiner Mutter gekostet hatten. Von abenteuerlich bis lecker – es war alles dabei. Und eine Sache ist mir zum wiederholten Mal aufgefallen und bewusst geworden: das so andere Sozialverhalten vieler hier. Die beiden Gewinner eines Weihnachtsmann-Christkind-Laufdiktat-Wettbewerbs in der 10. Klasse erhielten von mir ebenfalls jeweils einen von meiner Mutter gebackenen Lebkuchen. Da die anderen Schüler der Klasse noch nie Lebkuchen gegessen hatten, wurden diese beiden wertvollen Stücke dann mit größter Selbstverständlichkeit mit ganz vielen Mitschülern geteilt, sodass am Ende jeder eigentlich nur noch ein Ministück abbekam. Wie viele unserer Schüler würden wohl auf diese Idee kommen?

An der Weihnachtsfeier der 11. und 12. Klasse wurde dann gezaubert, chinesische Zither gespielt, gesungen und gegessen – und die Schüler wollten auch um 18.30 Uhr noch gar nicht nach Hause.

Am 24. Dezember ging ich dann bei strahlend blauem Himmel und relativ guter Luft spazieren, um mich am Abend mit den Kolleginnen aus beiden Schulen, Shelley, einer deutschen Praktikantin und Lee Zhengping im Restaurant „Bodensee“ zum Weihnachtsessen zu treffen. Auf dem Nachhauseweg fiel mir natürlich wieder auf, welch‘ Kommerz Weihnachten hier ist. Die halbe Stadt war auf den Füßen und ging „shoppen“ – leider die Lieblingsbeschäftigung der meisten Chinesen, nicht nur an „importierten Feiertagen“ wie Weihnachten oder auch Neujahr. Und dennoch war es ein schöner Abend. Denn an den etwas stilleren Stellen der Stadt, z.B. entlang der Stadtmauer, konnte ich die wunderbare Beleuchtung und herrliche Abendstimmung genießen – und  weil es eben auch die nicht-shoppenden Chinesen gibt, die stattdessen Flöte spielen, gemeinsam musizieren oder in der Öffentlichkeit tanzen!

Auch über meine Weihnachtsgeschenke habe ich mich sehr gefreut – über das Päckchen von meiner Mutter, das Plüschtier aus der 10. Klasse, die recht persönlichen Karten bis hin zu einem ganz besonderen: meine Kolleginnen und Shelley aus der Nr. 89 haben mir einen Brotbackautomaten geschenkt. Wochenlang hatte ich mich darüber beklagt, dass es in Xi’an kein vernünftiges Brot gibt, geschweige denn Vollkornbrot, und dass ich auch kein Vollkornmehl finden kann. Dann, zwei Wochen vor Weihnachten, waren wir zusammen in der Metro für unsere Weihnachtsfeier einkaufen und entdeckten Vollkornmehl dort. Ich war total happy und Jing, Boya und Huan fragten mich, ob ich nun selbst Vollkornbrot backen würde. Ich entgegnete, dass ich das sehr gerne tun würde, aber keinen Backofen hätte.

Die Antwort darauf kam dann am 25. Dezember! Ich war wirklich gerührt – und habe schon mehrfach tolles Brot gebacken und sogar pfälzische Vollkorndampfnudeln gemacht. Dazu an anderer Stelle aber mehr 😉

Maskenmann im „Öko-Park“ – oder: zweite Dienstreise nach Taiyuan

Es war irgendwie ein wenig ironisch. Ausgerechnet bei meinem Besuch in Taiyuan und meinem Spaziergang im „Öko-Park“ im Westen der Stadt war – aus meiner Sicht – gar nicht daran zu denken, auf die Atemmaske zu verzichten. PM 2.5-Werte von über 180 und der Geruch von Kohle in der Luft – beim Frühstück im Hotel am Morgen hatte ich einen Zahnarzt aus den USA kennengelernt, der ein- bis zweimal im Jahr für 2 Wochen nach Taiyuan kommt, um als eine Art Entwicklungshelfer kostenlos Vorträge im Krankenhaus zu halten und dort zu arbeiten. Er erzählte mir, dass sich im Norden der Stadt eines der größten Stahlwerke der Welt befindet. Das Befremdliche bei meinem Spaziergang: außer mir trägt eigentlich niemand eine Maske.
Auch in Xi’an habe ich immer wieder den Eindruck, dass viele Chinesen das Thema Luftverschmutzung ein wenig zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Sie sind sich der Problematik durchaus bewusst, aber sie scheinen sich an die überhöhten Werte gewöhnt und sich entschieden zu haben, dass man eine Atemmaske erst dann trägt, wenn die Werte über 250 oder gar 500 steigen und man vor lauter Feinstaub-Smog die eigene Hand vor Augen nicht mehr sieht. Ich werde von ein paar wenigen Kollegen sogar belächelt, wenn ich bei 180 mit Maske in die Schule komme (wohlgemerkt: der von der WHO empfohlene Grenzwert liegt bei 25!). Ich jedenfalls habe mich entschieden: auch wenn das Tragen der Maske gewöhnungsbedürftig ist und der eine oder andere mich belächelt, meine Gesundheit ist mir das wert. Die vier Monate von Mitte November bis Mitte März, in denen es wohl deutlich problematischer ist als im restlichen Jahr (weil man in dieser Zeit (auch mit Kohle) heizen darf), trage ich eben Maske und schalte meinen Luftfilter ein.

Beim jährlich stattfindenden Treffen der deutschen DSD-Lehrer in Shanghai und Umgebung: Arbeit und ein wenig Erholung

Es ist ein illustres, ein besonderes Grüppchen, welches letzte Woche in Shanghai und Tonglu zusammenkam. Mir wird klar, dass nicht jeder für ein paar Jahre als Lehrer nach China geht – und ich bin geplättet, als ich höre, dass ein Kollege inzwischen seit 17 Jahren im Land ist.

Das Treffen ist anstrengend – es prasselt viel Info auf mich ein und es werden auch einige Probleme angesprochen – und schön zugleich. Nach über zwei Monaten tut es gut, mal wieder ausgiebig Deutsch zu reden und zu hören und mich mit den Kolleginnen und Kollegen über die Arbeit und Erfahrungen auszutauschen.

Darüber hinaus endet das Treffen mit einem Ausflug auf’s Land – nach Tonglu südwestlich von Hangzhou, wo es wirklich sehr schön ist.

 

Ausflug zum Cui Hua Shan

Da ich gerade eben noch gut 3 Stunden lang Unterricht für morgen vorbereitet und die Wohnung in Ordnung gebracht habe und es darüber hinaus bereits kurz vor 23 Uhr ist, gibt’s von meinem wunderbaren, wenn auch anstrengenden Halbtagesausflug heute (U-Bahn, Klapperbus und Wanderung) einfach nur ein paar Bilder – ganz ohne weitere Texte. Dieser Berg bzw. der Geopark sehen mich auf jeden Fall

spätestens im Frühjahr wieder!

Zurück in Xi’an und Dienstreise nach Shijiazhuang

Die erste Woche zurück in Xi’an war geprägt vom Sportfest an der Nr. 89 und von ziemlich ekligem Wetter (und das nach 6 Tagen Sonne und über 30 Grad!) – was natürlich vor allem für das wochenlang vorbereitete Sportfest mit olympiareifer Eröffnungszeremonie eine Sauerei war. Andererseits offenbarte mir das Ganze, wie unglaublich flexibel chinesische Schulen sein können.

Eigentlich sollte das Sportfest von Dienstagmorgen bis Donnerstagabend dauern. Als es am Dienstag bei ca. 8 Grad geradezu schüttete, fand kurzfristig Unterricht statt – um dann auf der Grundlage der Wettervorhersage um 11 Uhr zu entscheiden, dass die Eröffnungszeremonie am Nachmittag stattfindet. Gesagt, getan. Am Mittwoch kam der Regen zurück, es wurde wieder unterrichtet. Am späten Nachmittag dann erneut auf Grundlage der Wettervorhersage die Entscheidung: Donnerstag wird das Sportfest fortgesetzt und zum Teil am Freitag beendet. Gesagt, getan. Man stelle sich das einmal vor: über 3000 Schüler und deren Eltern dürfen sich immer wieder umstellen – ab in die Schule, ab ins Stadion, Bücher mitbringen oder eben nicht. Warum die Schule das Sportfest aber um jeden Preis durchführen wollte, wurde spätestens bei der Eröffnungsfeier verständlich: es war einfach unglaublich, was die Schüler und Lehrer da gemeinsam auf die Beine stellten. Schade, dass mein Speicherplatz hier im Blog zu schnell aufgebraucht wäre, wenn ich Videos einstellen würde, denn mindestens einen Beitrag zur Eröffnungsfeier muss man eigentlich gesehen haben. Wer es sehen möchte, besucht mich einfach in Xi’an … oder schaut mal bei Facebook vorbei, wo ich es die Tage noch einstellen werde.

Auch ansonsten war das Sportfest eine super interessante Angelegenheit. Drei Tage wurden zum einen Wettkämpfe à la Bundesjugendspiele durchgeführt, bei denen ein Teil der Schüler, nämlich nur die sportlichen, Punkte für sich selbst sammelten. Gleichzeitig sammelten sie aber Punkte für ihre Klassen, die jahrgansweise um den Sieg kämpften und dabei auch bei Teamwettbewerben punkten konnten, insbesondere in verschiedensten Staffelläufen – wie z.B. auch einem „Stangen-Staffellauf“, bei dem ca. 8 Schüler gemeinsam eine Stange haltend einen Slalom-Parcours laufen mussten.

 

In der Woche danach fand dann wieder Unterricht statt und die Dinge sind „back to normal“ – wenn ich von einem Kurzausflug vom 22. bis 24. Oktober nach Shijiazhuang absehe, wo ich als Gast an einer DSD-Fortbildung für chinesische Deutschlehrkräfte teilnehmen durfte, damit ich einen Einblick in diesen zukünftig auch für mich bedeutsamen Aspekt der Arbeit eines Fachschaftsberaters gewinnen kann. Nächstes Jahr werde ich dann nämlich selbst zwei Fortbildungen organisieren.

Sechs Tage im Paradies

Zumindest für Touristen ein Paradies: die Landschaften von Guilin und Yangshuo an den Flüssen Ylong und Li. Meine sechs Tage dort liegen zwar bereits 2½ Wochen zurück, aber die Eindrücke werden noch lange bleiben. Auch wegen der Kontraste: Wohlstand und Tourismus auf der einen, ganz einfaches bis ärmliches, ländliches Leben auf der anderen Seite.

Mein ganz persönliches Glück: Ich hatte ganz zufällig ein Hotel ausgesucht, das nicht besser hätte liegen können: am Yulonghe (und nicht am Fluss Li), ein paar Kilometer von der auf Grund der „Goldenen Woche“ total überlaufenen Touristenstadt Yangshuo entfernt. Das Tal des Yulong: ein Traum von Landschaft und dabei landwirtschaftlich geprägt, z.T fast völlig vom Tourismus verschont – und dann diese Ruhe. Welch‘ Wohltat nach den ersten fünf Wochen 9-Millionen-Stadt Xi’an.

Die knappe Woche voller schöner Unternehmungen und Erlebnisse: Rollertour durch die Berge, Floßfahrt auf dem Yulong, Einladung zum Abendessen am Mondfest (mid-autumn festival), per Zufall in ein ganz besonderes „Restaurant“, Ausflug in die Longji Reisterrassen, eine vierstündige Unterhaltung mit einem jungen Chinesen aus Jinan, den ich dort kennengelernt habe, Federballspielen in einem „English College“, Tee in der idyllischsten Teestube bei der nettesten Besitzerin, die man sich nur vorstellen kann, Baden im Bach … – eigentlich wäre ich am liebsten dort geblieben.