Ein ganz besonderer Tag

Der heutige Tag war gleich dreifach bedeutsam – komischer Zufall:

1) mit allen Zwangs- und sonstigen Pausen bin ich genau 365 Tage auf Tour (am 6.7.12 ging’s los)

2) das Schuljahr 2012-2013 ging heute in Rheinland-Pfalz zu Ende: damit auch mein Sabbatjahr … Gott sei Dank hab‘ ich jetzt noch 6 Wochen Sommerferien 😉

3) ich bin heute meinen 10 000. Radkilometer gefahren! Auch wenn das umgerechnet auf 365 Tage gerade mal 27,39 Kilometer am Tag macht: ich bin stolz … bin ja auch maximal an der Hälfte der Tage tatsächlich gefahren.

So geht es jetzt in den Endspurt: Rijeka – Pula – Triest- Brixen – Wien und nach Hause … mal schau’n, ob da am Ende noch der Zug herhalten muss – sonst wären’s immerhin noch ca. 2000 Radkilometer.

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Die – vorläufig – letzten Tage in Italien: Dienstag bis Samstag (25. bis 29.06.)

Wunderschöne Radtage mit spannenden Orten liegen hinter mir – und mit meinem neuen persönlichen Etappenrekord am Freitag den 28.: 125 Kilometer von Matera über’s Castel del Monte nach Bari. Da bin ich schon ein wenig stolz. Es ging in der Tendenz zwar auch nach unten (knapp 500 Höhenmeter), aber eben nur in der Tendenz. D.h. es waren auch ein paar kleinere Steigungen im Programm, hin und wieder kräftiger Gegenwind und am Ende noch etwas Regen und eine eher unangenehme Stadteinfahrt auf der 4-spurig ausgebauten SP 231 nach Bari.

In Matera habe ich einen Tag Pause eingelegt, 1. weil die Stadt einfach nur unglaublich ist und 2. weil es an meinem zweiten Abend dort ein Freiluftkonzert des örtlichen Musikkonservatoriums auf dem Domplatz gab: Carl Orff auf richtig hohem Niveau – toll (auch wenn mich Teile des Publikums manchmal nervten, weil es doch tatsächlich Leute gibt, die während eines solchen Konzertes SMS schreiben oder gar auf ihrem Handy telefonieren und es dabei noch nicht einmal für nötig erachten, vom Publikum abgewendet in ihr Telefon zu quatschen).

Am Freitag denn eben die 125-Kilometer-Etappe – Grund: 1. Ich wollte unbedingt das Staufferkastell Castel del Monte sehen (achteckig und irgendwie „esoterisch“ – sehr schön!); 2. die Wettervorhersage für Samstagmorgen: Gewitter. Da zog ich es vor, noch am Freitagabend in Bari einzulaufen. Und das war auch gut so, denn es gewitterte am Tag meiner Abreise nach Kroatien tatsächlich immer wieder heftig.

Calabria: wo die Tiere – irgendwann – eins werden mit der Straße und der Müll Teil der Landschaft wird.

Vom 14. bis 25. Juni war ich in Kalabrien unterwegs und trotz der „ein wenig“ kritischen Überschrift hat es mir dort insgesamt sehr gut gefallen. Vor allem wurde ich – wie bei meiner Tour 2005 – unheimlich oft von Leuten angesprochen und hatte einmal, in Gerace, am Ende gar meinen privaten Stadtführer. Ein leidenschaftlicher Mountainbike- und Rennradfahrer war beim recht heftigen Aufstieg mit dem Auto an mir vorbei gefahren, schmiss sich zu Hause in seine Radklamotten und fuhr mir entgegen, um mich dann zurück nach oben zu begleiten. Wir kamen ins Gespräch und eine Stunde, nachdem ich mit seiner Hilfe mein gebuchtes Quartier gefunden hatte, holte er mich mit dem Auto ab, zeigte mir die Stadt und ging anschließend noch mit mir essen. Direkt zuvor hatte ich ca. 20 Minuten mit den Besitzern eines kleinen Ladens geklönt, die ebenfalls ganz begeistert von meiner Tour waren und nicht glauben konnten, dass ich nun noch nach Gerace hinauf radeln wollte. Während des Gesprächs wurde ich dann praktisch jedem den Laden betretenden Kunden vorgestellt, zum Schluss gab’s noch eine Cola als Energiespritze für umme.

Landschaftlich ist Kalabrien sehr abwechslungsreich, die Küste meist karg, mal felsig mit Klippen oder Steilküste, mal eher sanft abfallend, mit langen Sandstränden. Das Landesinnere ist oft sehr bergig und erinnert zum Teil tatsächlich an den Schwarzwald. Wenn man dort durch die Wälder radelt, glaubt man kaum, im äußersten Süden Italiens zu sein. Besonders schön ist auch der Abschnitt zwischen Nicotera und Pizzo – tolle Küstenlandschaft und natürlich Tropea, das wahrscheinlich schönste Küstenstädtchen Kalabriens. Vom phänomenalen Tartufo dort und vor allem in Pizzo ganz zu schweigen!

Da ich von Sonntagabend (16.06.) bis Donnerstag eine „Verabredung“ bei Tropea hatte, habe ich überhaupt nur die Küste zwischendrin gewechselt und daher die Berge zwei Mal überquert (wenn auch die zweite Überquerung recht harmlos war) – vom ionischen Meer zum tyrrhenischen und damit für ein paar Tage auch weg von der SS106, die von Reggio bis nach Taranto am ionischen Meer entlang verläuft. Gerade das war eher kein Fehler, da die Bundesstraße immer wieder recht unangenehm zu fahren war: abschnittsweise ohne Seitenstreifen und mit viel LKW-Verkehr; und auf der SS106 war die Anzahl der überfahrenen Tiere besonders hoch. Für mich nicht nachvollziehbar: sie werden einfach nicht weggeräumt und als Radfahrer „begegnen“ sie einem daher in unterschiedlichen Graden der Verwesung und „Eins-Werdung“ mit der Straße. Kein schöner Anblick – vom Geruch ganz zu schweigen!

Sorry, aber ich kann ja nicht nur die schönen Bilder veröffentlichen :( Das hier war wohl mal ein Fuchs ... aber so genau hab' auch ich mir das Tier nicht angeschaut.

Sorry, aber ich kann ja nicht nur die schönen Bilder veröffentlichen 😦 Das hier war wohl mal ein Fuchs … aber so genau hab‘ auch ich mir das Tier nicht angeschaut.

Ähnlich traurig die Tatsache, dass in Kalabrien – ähnlich wie in Sizilien – die Müllentsorgung wohl nicht funktioniert, Müllcontainer oft gnadenlos überfüllt und von Müllbergen umgeben sind, manchmal halb ausgebrannt, manchmal Revier von streunenden Hunden, die nach Futter suchen; und dass die Italiener leider ihren Müll überall entsorgen – entlang der Straße, in Waldstücken, etc. Das kapiere ich nicht – das Land ist so wunderschön und die Italiener lieben es ja … aber vermüllen es komplett.

Ärgerlich für mich als Radfahrer war dabei auch, dass immer wieder Glasscherben am Straßenrand oder auf dem Seitenstreifen liegen. Ich hatte Glück, hatte keinen Platten, aber das hätte auch anders ausgehen können und ist echt nervig, weil man ständig ganz genau schauen muss, wo man lang fährt. Auch hier unglaublich, dass die Leute entlang der Land- und Bundesstraßen sogar Bierflaschen einfach aus ihren Autofenstern zu werfen scheinen.

Aber zurück zum Positiven. Neben der tollen Landschaft, den vielen tollen Cappuccinos, dem Tartufo und der Granita bleibt natürlich auch das fantastische Wetter zu erwähnen. In den knapp 12 Tagen lagen die Höchsttemperaturen zwischen 26 und 33 Grad und fast immer war der Himmel wolkenlos. Auch das Baden im Mittelmeer machte jetzt Spaß – die Wassertemperaturen wurden praktisch von Tag zu Tag angenehmer.

Ein paar faszinierende Städte und Städtchen gab es auch zu entdecken – allen voran Rossano, wo ich von Torre Melissa aus mit dem Zug hingefahren bin (ein kleines Abenteuer, da mein Rad kaum in den Vorraum des Abteils passte, ich dort die Fahrt über das Rad haltend stehen bleiben und es immer wieder bewegen musste, damit der knorrige Schaffner und die ein- und aussteigenden Passagiere an mir und meinem Gefährt vorbei kamen), weil eine Rad fahrende Französisch-Schweizerin mir erzählt hatte, dass der entsprechende Abschnitt auf der SS106 besonders unangenehm bzw. gefährlich zu fahren sei.

Bleiben noch die 3 Tage und 4 Nächte in Caria: hier wohnte ich in meinem eigenen netten Holzchalet Sole auf dem FeWo-Grundstück von Salvatore und Lisa als HelpX-er – wobei Salvatore mich am ersten von drei Tagen offiziell von der „Arbeit“ frei stellte, da er auch bei Warmshowers Mitglied ist und mir als Warmshowers-Radler einen Tag lang mein Domizil so zur Verfügung stellte. Total nett. Ansonsten schrieb ich v.a. Texte auf Deutsch für seine Werbung im Internet. In einer der anderen beiden Unterkünfte wohnten Jeanne und Neil aus Australien/England – ihr Job war es in den Tagen, Fensterläden abzuschleifen und zu streichen. War ich froh, dass ich Texte schreiben durfte 😉 Die Beiden waren sehr nett und so kam es, dass wir uns abwechselnd bekochten, gemeinsam aßen und italienischen bzw. spanischen Rotwein genossen. Drei schöne Tage also beim super netten Salvatore, der uns auch immer wieder mit Köstlichkeiten versorgte und uns am letzten Abend zu phänomenaler Granita einlud; drei Tage, in denen ich mich neben der ca. 4 Stunden „Arbeit“ am Tag vor allem vom vielen Radeln erholen konnte – schlafend, lesend, fernsehend, mich sonnend ….

Sicilia – oder: und es war Sommer!

Wenn auch nicht zum ersten Mal in meinem Leben 😉

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Ein wenig eigentümlich und vor allem schade für meine Mitsegler war es schon: am Tag deren Abreise stiegen die Temperaturen in Olbia (Sardinien) auf 24 Grad und als ich am 2. Juni in Trapani (Sizilien) ankam, war es dort genauso (früh) sommerlich warm – und noch besser: so ist es bei Tageshöchsttemperaturen von 24 bis 28 Grad bis heute geblieben, bei meist blauem, fast wolkenlosem Himmel.
In Trapani angekommen, entschied ich mich erst einmal dazu, die Südküste bis Agrigento entlang zu fahren und dann zu überlegen, ob ich über die Berge nach Norden wechsle. Auch auf Grund der Höhe der Gebirgsketten, der Temperaturen und den Erinnerungen an die Schäferhunde im Inselinnern von Sardinien blieb es am Ende bei der Südküste, sodass ich mich in den letzten Tagen dann die Ostküste nach Norden hoch gearbeitet und vorgestern nach Kalabrien übergesetzt habe. Arrivederci Sicilia!

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Von Anderen Reisenden, auch Radlern, erfuhr ich dann, dass dies evtl. nicht die allerbeste Entscheidung war – der Norden und das Inselinnere seien wunderschön. Und das kann ich von der Südküste nicht wirklich sagen. Sie war irgendwie spannend, z.T. fast schon bizarr, steppen- und wüstenartig. Die Landschaft war oft sehr karg und trocken, Müll säumte die Straßen und die meisten Städte waren eher chaotisch, unattraktiv und immer wieder auch bettelarm.
Streunende Hunde zu Hauf – meist ungefährlich, einmal sogar sehr anhänglich (Menfi), zwei Mal aber auch bedrohlich. Z.T. schöne Strände, immer noch recht frisches Wasser. Nur wenige wirklich schöne oder zumindest nette Campingplätze.
Dafür aber die griechischen Tempel bei Agrigento – fantastisch! – und etwas weg von der Küste im Südosten und Osten die faszinierend schönen barocken Städte des Val di Noto: Ragusa, Modica, Noto und Catania. Letztere fand ich dann auch als Großstadt völlig faszinierend, wenn auch ähnlich chaotisch wie z.B. Neapel. Oder vielleicht gerade deshalb?
Zum Schluss ging’s vorbei am Ätna und an Taormina nach Messina, von dort mit der Fähre nach Villa San Giovanni, zu einem erneut eher wenig attraktiven Campingplatz in Lazzaro, Kalabrien – gestern dann habe ich die Stiefelspitze umrundet, bin soeben in Gerace aufgewacht (toller, wunderschöner Bergort) und heute geht’s über die Berge Richtung Tropeal. Ich schwitze jetzt schon – die Temperaturen kratzen allmählich an der 30 Grad-Marke (was für Kalabrien an einem 16. Juni allerdings eher „kühl“ ist).

Töööörn

Die Zeit rast – kaum hat mein erster Segeltörn begonnen, ist er auch schon wieder vorbei und ich sitze bereits auf der Fähre von Cagliari, wo ich mich gestern von Olbia aus mit dem Zug „hingeschummelt“ habe, nach Trapani, Sizilien, wo ich heute (2.6.) Abend ankommen werde. Damit beginnt dann irgendwie auch „schon“ die Heimreise – denn ab morgen geht es tendenziell Richtung Norden zurück.

Der Segeltörn hat mir sehr gut gefallen – wenn auch das Wetter nicht ganz so war, wie wir uns das Alle für Ende Mai und Sardinien / Korsika vorgestellt hatten, und wir daher auch recht wenige Seemeilen zurückgelegt haben. Für’s erste Mal war das vielleicht aber gar nicht so schlecht.

Los ging es mit dem heftigen Wetter gleich am Sonntag (26.5.), unserem ersten Tag auf See: Windstärke 5 bis 6 mit Böen von 7 bis 8 und dann gegen den Nordwestwind nach Norden – da legte sich das Boot gleich ordentlich schief, wir fuhren einige stürmisch-hektische Wenden, Segel mussten flugs gerefft werden und Gerd, unser Skipper, ordnete das Überziehen der Schwimmwesten an! Und ich … bekam leichte Panik. Gott sei Dank war ich nicht der einzige Novize – Anja ging es genauso. Leiden zu zweit ist einfach angenehmer 😉 Die Panik legte sich allerdings mit der Zeit … und mit Jürgens Erklärung, dass eine Kieljacht wie unsere nicht kentern könne. Welche Erleichterung!

Unsere erste Nacht verbrachten wir noch vor der sardischen Küste, in einer Bucht südlich von Palau. Dann hatten wir 2 Tage mit relativ schwachem Wind und schafften es gleich am 2. Segeltag nach Korsika, wo wir an der Südostküste eine Traumbucht erst fast und dann ganz für uns alleine hatten und die ersten Schwimm- und Schnorchelexpeditionen unternommen wurden. Vor dem Abendessen brachen Jürgen und ich allerdings erst noch mit der Gummimaus auf, um drei mit einem Scooter gestrandeten französischen Jugendlichen zu helfen – die beiden Mädels dankten es uns sehr, denn sie waren nach fast 2 Stunden im Badeanzug am Strand völlig durchgefroren, während ihr männlicher Begleiter uns weder begrüßte noch verabschiedete. Wir mutmaßten, dass es seinem männlichen Ego nicht gefiel, dass er nicht mehr alleine für die Damen verantwortlich war und diese uns signalisiert hatten, dass sie Hilfe brauchten. Wenigstens bedankte sich der herbeigeeilte Retter mit dem zweiten Scooter bei uns – und natürlich die beiden Mädels. Dieser kam ca. 2 Minuten nach unserer Ankunft am Strand an – das Aufblasen der Gummimaus und die Hilfsaktion hätten wir uns eigentlich sparen können. Aber immerhin haben wir so zur deutsch-französischen Völkerverständigung beigetragen.

Am 3. Tag auf See ging es dann an der korsischen Südküste zum touristischen Höhepunkt des Törns: nach Bonifacio, das eindrucksvoll auf den weißen Klippen der Insel thront und auch sonst recht hübsch ist. Neben der schönen Marina mit jeder Menge netter Restaurants und Cafés – über eine Art Kanal durch die Felsen zu erreichen – besitzt der Ort ein richtig schnuckeliges Zentrum mit engen Gassen und besticht natürlich durch fantastische Blicke die Küste entlang und ins Inselinnere.

Am Mittwochmorgen frischten wir zunächst unsere Vorräte nochmals auf, um anschließend bei erneut kräftigem Wind und rauer See erneut die Straße von Bonifacio zu überqueren – zurück nach Sardinien. Hier kam es dann leider zu einem Zwischenfall: unser Smutje, Horst, kam wegen der stürmischen See beim Steuern ins Rutschen, stürzte heftig und schlug auf dem Decktisch auf, von dem ein Stück abbrach. Der Arme quälte sich die restlichen Tage mit heftigen Schmerzen im Rücken- und Rippenbereich herum – und bekochte uns dennoch weiterhin köstlich.

Mittwochabend – wir lagen in einer Bucht südlich von Santa Teresa – frischte es dann immer mehr auf und so entschied unser Skipper Gerd am Donnerstagmorgen, dass wir nicht auslaufen würden. Ein fauler vorletzter Tag war angesagt: schlafen, lesen, Phase 10-Spielen und für Anja und mich die ersten Doppelkopf-Versuche. Der Eine oder die Andere tauchte auch kurz ins Wasser ab – bei 19 Grad Wassertemperatur und kalten Winden kein wirkliches Sommervergnügen! Susanne schaffte es dennoch fast bis zur Hüfte die Schwimmleiter hinunter 😉

Bei erneut kräftigen Winden segelten wir am Freitag zurück in die Marina di Portisco, wo wir tankten, duschten und am Abend fürstlichst Pizzaessen gingen. Und am Samstagmorgen war dann schon der Abschied von einer echt netten Truppe angesagt, die ich heute – im Gegensatz zur Bordtoilette – bereits vermisse!

(restliche Bildbeschriftungen folgen!)

Geschafft!

Gestern konnte ich ganz schnell klären, wie ich es bewerkstelligen würde, morgen in Portisco Marina zu sein, damit ich mit den Anderen segeln gehen kann – heute dann wurde der „Plan“ in die Tat umgesetzt. Es war relativ einfach.

Es gibt nämlich einen Bus von Santa Teresa Gallura nach Olbia, der auch Fahrräder transportiert! Von Olbia Porto bin ich die knapp 13 Kilometer nach Rudalza dann heute Nachmittag das Fahrrad schiebend gelaufen – was das Radeln angeht, wollte ich auf Nummer Sicher gehen und es heute mal noch komplett lassen. Vielleicht radle ich dann morgen die verbleibenden 8 Kilometer nach Portisco Marina, um mein Segler-Gepäck hinzubringen, hin und zurück. Mein Rad und das überschüssige Gepäck lasse ich dann hier im B&B, um es nächste Woche Samstag wieder abzuholen.

Bis mindestens dahin ist dann auch erst einmal Blogpause – ich glaube nicht, dass ich auf’m Segelschiff WLAN habe 😉

Busfahrt von Santa Teresa nach Olbia: Zwischenstopp in Palau

Busfahrt von Santa Teresa nach Olbia: Zwischenstopp in Palau

Keine 10 Minuten ….

…. hat es gedauert, bis vorgestern ein kleines Auto anhielt, eine junge Italienerin das Fenster auf der Beifahrerseite herunter kurbelte und mich fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Ich glaube – und hoffe – das war der Beginn einer Freundschaft.

Aber von Beginn an: es war vom Wetter her gar kein so schlechter Tag wie angekündigt und dennoch ließ ich mir mit dem Start etwas mehr Zeit als sonst, quatschte noch mit meinen Campingplatznachbarn aus Villingen-Schwenningen (v.a. über deren und meinen Hund), nutzte noch ein Stündchen meinen kostenpflichtigen Internetzugang, ging einkaufen und machte mich gegen halb Zwölf auf die Pedalen. Die Etappe sollte nur gut 45 Kilometer lang werden – mehr oder weniger die sardische Nordküste entlang, von Ciaccia nach Aglientu.
Nach 1 ½ Stunden radeln bekam ich Hunger, wollte mir aber einen schönen Platz zum Picknick aussuchen. So folgte ich bald einem Schotterweg mit der Beschilderung „Cala Rossa“, zuerst ebenerdig, dann relativ rasch nach unten. Sämtliche Höhenmeter, die ich zuvor erarbeitet hatte, gingen flöten – aber ich hatte ja Zeit und die roten Felsen, die ich da unten am Wasser sah, machten Laune.

Kurz vor dem Ziel passierte es dann: ich fuhr über eine sandige Stelle, das Rad schlingerte kurz, ich konnte es aber abfangen, stürzte also nicht. Doch bei der Aktion hatte ich mir an einer scharfen Stelle am vorderen Schutzblech rechts die Haut an der Wade oben / innen regelrecht aufgeschlitzt. Da ich eine solche Wunde noch nie hatte, habe ich sie erst mal fotografiert und dann eine wunderbare Erstversorgung mit steriler Kompresse und Mullbinde produziert. Dann wollte ich picknicken.

direkt nach dem Unfall und vor meiner eigenen Erstversorgung

direkt nach dem Unfall und vor meiner eigenen Erstversorgung

Ich setzte mich auf den Boden und packte in Ruhe mein Vesper aus … kam aber dann nicht zum Essen, denn es hielt eben oben erwähntes Auto. Ich erwiderte auf die Frage von Valentina (so der Name der 24-jährigen Italienerin), dass ich auch noch nicht wisse, ob ich Hilfe bräuchte. Die Wunde war zwar heftig, aber irgendwie tat sie überhaupt nicht weh.

Valentina aber fackelte nicht lange und rief gleich einen Krankenwagen. Zwischenzeitlich war ein ebenso junger Italiener hinterm Steuer hervorgekommen – der 23-jährige Enrico – und machte einen genauso besorgten Eindruck wie Valentina. Mein Einwand, dass es doch keines Krankenwagens bedürfe, wurde ignoriert – ich stattdessen ins kleine Auto gesetzt und den Schotterweg nach oben gefahren, dem Krankenwagen entgegen. So kam ich um mein Picknick, die Beiden um ihren Besuch am Strand und das erste Bad im Mittelmeer, das sie auf ihrem 1-wöchigen Sardinienurlaub eigentlich nehmen wollten, der gestern bereits wieder vorbei war!

Der Krankenwagen war schon an der Abzweigung zur eigentlichen Straße, als wir ankamen – die Viererbesetzung (!) des Gefährts wollte mich sogleich ins 20 Kilometer entfernte Krankenhaus fahren, damit man die Wunde dort nähen könne. Meine Begleiter und ich waren uns einig, dass dies nicht nötig sei, die Wunde wurde ausgespült und desinfiziert, ich durfte auf eigene Verantwortung von dannen ziehen. Wir suchten in einem 5 Kilometer entfernten Ort noch vergeblich nach einem Arzt, tankten kurz, weil die Nadel schon auf Reserve stand, und verfuhren uns dann erst einmal.

Als wir wieder an der Abzweigung ankamen, schlug ich vor, in einem Restaurant direkt an der Straße zu fragen, ob ich dort mein Rad unterstellen könne – und dann gemeinsam an den Strand zu gehen und anschließend gemeinsam in Richtung Osten zu fahren. Meine beiden super netten Helfer verbrachten ihre Urlaubswoche in Porto Pozzo, ca. 15 Kilometer weiter als der Campingplatz, den ich eigentlich ansteuern wollte.

Gesagt, getan: wir fuhren nach unten und luden mein Gepäck ins Auto. Valentina setzte sich ans Steuer und Enrico fuhr mein Rad den Berg hoch! Dann stellten wir es in einem Nebengebäude des Restaurants unter, das der Kellner Ugo (!) für uns auf- und wieder zuschloss. Ich solle ihn einfach anrufen, wenn ich das Rad wieder abholen wolle – und wenn es erst in einem Jahr sei!

Enrico am "Steuer" meines Fahrrads

Enrico am „Steuer“ meines Fahrrads

Valentina am Steuer neben mir

Valentina am Steuer neben mir

Enrico, Valentina und ich fuhren gemeinsam ans Wasser – die Beiden gingen Schwimmen, ich picknickte – und machten uns dann auf in Richtung „meines“ Campingplatzes. Dort angekommen, stellten wir fest, dass er mitten in der Pampa lag, ich von dort aus zu Fuß also am nächsten Tag weder einen Arzt hätte aufsuchen können noch einen Bus nehmen, der mich zu meinem 20 Kilometer entfernt „geparkten“ Rad gebracht hätte.

Enrico und Valentina beim Schwimmen

Enrico und Valentina beim Schwimmen

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Valentina rief ihren „Vermieter“ Romolo an, der von einem Campingplatz direkt vor Santa Teresa Gallura berichtete, wo es auch einen medizinischen Notdienst gäbe. Gegen 18 Uhr kamen wir am Campingplatz an, auf dem ich im Moment auch sitze und der eigentlich noch gar nicht bereit ist für die Saison – einige Bungalows müsste man ohnehin eher abreißen. So wohnen außer mir auch nur 2 Handwerker auf dem Platz – ich habe mein eigenes kleines Privatbad und eine überdachte „Veranda“ mit Spülbecken, für 7€ pro Nacht. Zugegeben: als wir vorgestern Abend hier ankamen, war mir das alles etwas schäbig und auch unheimlich, inzwischen fühle ich mich aber richtig wohl.

Nun denn … flugs bauten Enrico und ich mein Zelt auf und fuhren dann die verbleibenden 3 Kilometer nach Santa Teresa zum Notdienst. Dieser hatte aber erst ab 20 Uhr (bis 8 Uhr morgens) geöffnet (!?), also fuhren wir nochmals an einen Strand ganz in der Nähe – Enrico ging erneut Schwimmen (Sport- und Wasserfreak!) und ich unterhielt mich mit Valentina. Sie erzählte mir, dass sie und Enrico nur Freunde seien und sich von der Uni kennen: Beide studieren Veterinärmedizin.

Dann lud ich meine Retter zum Pizzaessen ein – der Abend wurde noch schöner. Ich erfuhr, dass Valentina Veganerin, Enrico Vegetarier ist, und wir redeten über Fleischkonsum, Musik, Politik, Italien, Wein und und und …

Schließlich ging es zurück zum Notdienst. Der Arzt dort – der sich als sehr stolzer, überzeugter und gebildeter Sarde entpuppte und über mein Bein gebeugt Valentina und Enrico euphorisch, fast schon manisch von Nuraghen, ursprünglicher Religion auf Sardinien, Monotheismus und Polytheismus erzählte – schilderte nebenbei zwei Behandlungsmöglichkeiten. Man könne einen speziellen Verband anlegen, der die Schnittstellen der Wunde nach innen „schiebt“ und ein wenig wie ein Flicken wirkt, oder nähen! Ich entschied mich für ersteres, nur um dann von Herrn Sardendoktor zu erfahren, dass er keinen solchen Verband mehr finden könne. Also wurde doch genäht – ohne Betäubung! Zum ersten Mal überhaupt tat die Wunde weh. Und dann wurde mir gesagt, dass ich 3 bis 4 Tage nicht Rad fahren könne.

Kaum hatten mich meine neuen Freunde auf den Zeltplatz zurück gefahren, fing ich an zu grübeln, wie in aller Welt ich es nun bis Samstag nach Portisco an die Marina schaffen würde, um mich dort mit Susanne, Jürgen & Co. zum Segeln zu treffen – und wann ich wie mein Rad wieder holen würde, das ja 40 Kilometer in der anderen Richtung stand.

Gestern Morgen dann auf dem Fußweg nach Santa Teresa – zum Kauf der mir verschriebenen Antibiotika – schrieb ich Valentina eine SMS, ob ich denn evtl. am Abend mit ihnen in Richtung Olbia fahren könnte, von wo aus sie nach Hause zurück flogen. Dann hätten sie mich an einem Campingplatz in der Nähe von Portisco „rauswerfen“ können und mein Rad hätte ich nach dem Segeltörn „irgendwie“ wieder geholt. Zurück kam eine SMS, sie seien bereits auf dem Weg, mein Rad zu holen und kämen gegen 14 Uhr auf den Campingplatz – an ihrem letzten Urlaubstag!

So kamen sie dann auch, mit ihrem Winzlings-Mietauto und nicht mit einem größeren ihres Vermieters, wie ich vermutet hatte. Enrico hatte kurzerhand den Sattel abgeschraubt, den Lenker zer- und umgelegt, damit das Rad ins Auto passte. Mit einer Flasche Wein und – so wie bereits am Vorabend – heftigen Umarmungen verabschiedete ich mich erneut von den Beiden. Ich hoffe, ich werde sie irgendwann wiedersehen!

"Fahrradlieferung" am nächsten Tag

„Fahrradlieferung“ am nächsten Tag

Montagearbeiten

Montagearbeiten

Ich nutze die kleine (erneute) Zwangspause zum Wäschewaschen (per Hand).

Ich nutze die kleine (erneute) Zwangspause zum Wäschewaschen (per Hand).

Ach so, ja … zwischenzeitlich hatte ich mich entschieden, einfach bis morgen, Freitag, hierzubleiben und dann entweder doch mit dem Rad zu fahren oder irgendwie mit verschiedenen Bussen in Richtung Portisco zu kommen – mit oder ohne mein Rad. Also schau’n wir morgen mal, wie’s weiter geht.

Fest steht auf jeden Fall, dass ein an sich unschönes Ereignis am Ende zu einer Begegnung geführt hat, die ich nie vergessen werde, und ich mich unglaublich darüber freuen durfte und darf, dass zwei so selbstlose junge Italiener mich „gerettet“ haben. Ein Highlight meines Sabbatjahres – ein Unfall!