Der spanische Kreis …

schließt sich ganz allmählich – denn in 4 Tagen, am 3. Mai, werde ich Spanien von Barcelona aus mit der Fähre wieder verlassen – also dort, wo ich Anfang Oktober auch ankam – und dann nicht nur mein Lieblingsland sondern gleich meine Lieblingsinsel, Sardinien, ansteuern. Somit geht demnächst dann wohl der längste und vielleicht auch prägendste Teil meines Abenteuers zu Ende, denn Spanien war für mich ja wirklich etwas ganz Neues, und dann gleich so lang! Doch dazu in einem späteren Artikel bestimmt mal noch mehr.

Ich bin Luftlinie nur noch ca. 100 Kilometer von Barcelona entfernt – und das, obwohl ich in den letzten 10 Tagen gleich 2 Gänge zurückgeschaltet habe. Erstens um ein wenig mehr zu genießen (z.B. den Wein in „La Rioja“ und die CL-Halbfinalspiele letzten Dienstag und Mittwoch) und zweitens, weil ich nach der gegen-den-Wind-Etappe am 18. April echt geschafft war und auch ab und an ein paar kleinere Probleme mit dem Kreislauf hatte.
Vorgestern habe ich mir dann wegen des Wetters, wegen Schwierigkeiten bei der Unterkunftssuche und wegen der Länge der Etappe (130 Kilometer) dann sogar den Luxus des Zugfahrens gegönnt – von Zaragoza nach Lleida, wo ich – 10 Kilometer entfernt in bzw. bei Alcarrás meine zweite warmshowers.org-Erfahrung gemacht habe. Und die war fast noch besser als die erste! Tja, und heute gab’s dann eine Regenpause, nachdem ich gestern die ca. 60 Kilometer von Alcarrás nach Fonolleres bei 7 Grad durch Nieselregen geradelt bin. Zwei Tage hintereinander muss nicht sein!

Damit habe ich in den letzten 10 Tagen seit meinem Abschied von Carlos insgesamt folgende Strecke(n) mit dem Rad zurückgelegt (insgesamt 449 KM): http://tinyurl.com/cebnfx4 & http://tinyurl.com/ccpr4r4 und die Strecke von Zaragoza nach Lleida mit dem Zug. 2 Tage blieben komplett Radfrei – heute und Montag vor einer Woche.

Die nächsten 4 Tage werden auch etwas ruhiger – ich will mich in relativ kleinen Etappen und dennoch etwas umwegig nach Barcelona vorarbeiten, ein weiteres Weinbaugebiet inspizieren (Penedès, die bedeutendste Weinbauregion Kataloniens) und natürlich die CL-Halbfinal-Rückspiele genießen!

Hier die Bilder von Freitag den 22.4. (Tag in Burgos) bis heute (30.4., Regentag im hotel in Fonolleres mit kurzem Spaziergang) – vielleicht ergänze ich demnächst noch Bildunterschriften und teile die Bilder auf die einzelnen Tage auf … vielleicht aber auch nicht 😉

FAST 600 Kilometer in 7 Tagen: mit kleinen Umwegen von Salamanca nach Burgos

Zum ersten Mal seit langem kann ich mir mal wieder eine richtig ausgedehnte Mittagspause gönnen. Das Wetter, die langen Tage sowie ein erneuter Frühstart um punkt 9 machen es möglich – sowie die fast konstant ebene Strecke, die es mir erlaubt hat, um 13.30 Uhr bereits knapp 2/3 meiner heutigen Tagesetappe von Léon nach Carríon de los Condes zurückgelegt zu haben (immerhin etwas über 100 Kilometer).

Insgesamt bin ich seit meiner Abreise in Salamanca letzten Freitag gut unterwegs. Falls und wenn ich morgen Abend bei Carlos in der Calle Principal 27 in Orbaneja Río Pico (einem westlich von Burgos gelegenen Vorort) ankomme (meine erste Übernachtung bei einem „Host“ bei warmshowers.org, einer Internetplattform, auf der Tourenradler anderen Tourenradlern kostenlose Übernachtungen, Wäschewaschen, Duschen, manchmal auch ein Abendessen anbieten!), dann bin ich 7 Tage am Stück geradelt und werde auf Grund von ein paar Umwegen – die sich wie fast immer im Leben gelohnt haben* – 600 Kilometer zurückgelegt haben. Wenn ich morgen nicht doch die beiden geplanten Umwege auslasse, weil ich zu k.o. bin.

STRECKE (aktualisiert): http://tinyurl.com/bsdp2am

Das Wetter wurde dabei immer besser und vor allem wärmer, die Etappen waren sehr unterschiedlich – von einer eher drögen und noch sehr kühlen am ersten Tag über wunderschöne Landschaften im Nordwesten von Kastilien-Léon zur heutigen, fast schon heißen, durch die Kornkammer Spaniens – und natürlich gab es auch allerlei zu bestaunen. So bin ich von Spanien immer mehr begeistert, insbesondere davon, wie abwechslungsreich dieses Land ist.

Auch ein paar wirklich schöne Begegnungen hatte ich – sowohl mit „Einheimischen“ als auch mit Pilgern oder anderen Radfahrern – und vor allem das geplante Wiedersehen mit Beata und Annedde (?) in Zamora, die ich in Salamanca kennengelernt hatte, war schön.

Ergänzung: Es ist Freitagmorgen – Ich habe die beiden Umwege ausgelassen und komme somit „nur“ auf 588 Kilometer. Grund: Ich bin gestern eine Stunde später aus den Federn gekommen als geplant, bin ziemlich groggy und schaue mir die Wettervorhersage an: Wind zwischen 30 und 50 KM/H … und leider nicht von hinten. Die Etappe von Carrión de los Condes nach Orbaneja Río Pico wird daher zur bisher heftigsten auf meiner gesamten Tour – mindestens 70 der 588 Kilometer radle ich gegen den Wind an … das macht keinen Spaß mehr sondern ist nur noch Arbeit. So bin ich dann auch froh, als ich gegen 21 Uhr bei Carlos ankomme, auch wenn die Unterkunft etwas anders ausfällt, als ich mir das vorgestellt habe. Zunächst komme ich an die bei warmshowers.org angegebene Adresse, klopfe ans Fenster, ein Mann öffnet die Tür und fragt mich, was ich denn von ihm möchte. Da ich zuvor den Namen am Hauseingang gelesen hatte, bin ich etwas verwundert. Ich erkläre ihm mein „Anliegen“ und er sagt nur … ach so, ja, das ist woanders. Er führt mich ca. 100 Meter einen Feldweg entlang und deutet auf das wahrscheinlich kleinste Haus, das ich je gesehen habe. Ich bedanke mich, er zieht von dannen. Ende vom Lied: ich werde vom „richtigen“ Carlos sehr herzlich in seiner einfachen Behausung empfangen, später mit selbst gemachter Tortilla und Bier verköstigt (inzwischen ist seine Freundin Rebekka hinzugestoßen, die auch super nett ist) und erfahre, dass der Herr, der mich hierher geführt hat, sein Vater ist und dass er – Carlos – dieses Haus in den letzten 4 Jahren selbst gebaut hat, weil er arbeitslos ist und das Verhältnis zu den Eltern etwas angespannt. Auf jeden Fall gehen diese beiden Übernachtungen und die Bekanntschaft mit Carlos in die Liste der ganz besonderen und der besonders schönen Erlebnisse auf meiner Tour ein – das weiß ich jetzt schon, obwohl ja erst eine von zwei Nächten vorüber ist. Jetzt schwing‘ ich mich dann gleich aufs Rad und schau‘ mir Burgos an – heute Abend würde ich Carlos gerne zum Essen einladen, bin aber gespannt, ob er das annimmt. Gestern klang es noch nicht so ganz danach. Bier und Wein werde ich auf jeden Fall mal kaufen und mitbringen – immerhin übernachte ich als Oberstudienrat hier kostenlos bei einem Arbeitslosen. Irgendwie ist mir das peinlich.

*Ich kann mir nicht verkneifen, an dieser Stelle auch mal kurz ein wenig zu „philosophieren“. Als mir der Gedanke über die Umwege kommt, die sich irgendwie immer zu lohnen scheinen, muss ich an unsere Gesellschaft und an unser Bildungssystem denken und daran, was da in den letzten Jahren so die Leitlinien waren: Schulzeit verkürzen, Studienzeiten straffen, Studienfachwechsel finanziell sanktionieren, die Maxime, möglichst geradlinig, schnell und jung in den Beruf … alles echter Schwachsinn. Wenn wir Menschen in verantwortlichen Positionen wollen, die über den Tellerrand hinausblicken und wirkliche Erfahrungen mitbringen, dann müssen sie Umwege und manchmal auch Fehler machen. Aber wahrscheinlich wollen „wir“ das gar nicht …. (sorry, aber ich philosophiere in meinem Blog ja nicht allzu oft ;))

Freitag (12.4.): Salamanca – Zamora: relativ unaufregend, wenn man mal von der ersten Polizeikontrolle absieht, die ich über mich ergehen lasse. Meine Personalien werden festgehalten, ich werde gefragt, was ich mache, wo ich normalerweise und heute übernachte, etc. – und das alles auf einem FELDWEG !!! Auf dem ich ausnahmsweise den Helm nicht aufhabe (was in Spanien Pflicht ist und wo die Nichtbeachtung nach unterschiedlichen Informationen zwischen 70 und 100 €uro kostet).

Samstag (13.4.): Zamora – Figueruelas: schöne und lange Etappe, mit kleinem Umweg zur Iglesia de San Pedro de la Nave, einer von den Westgoten (!) im 7. Jahrhundert erbauten Kapelle, die 1930 Stein für Stein versetzt wurde, weil sie sonst einem Stausee zum Opfer gefallen wäre, und die zu den 3 oder 4 ältesten Kirchen Spaniens gehört. Es folgt die ersten Übernachtung auf einem Campingplatz seit der Algarve – und es ist schweinekalt!

Sonntag (14.4.): Figueruelas – Puebla de Sanabria: eine kurze Etappe, da ich vom Vortag völlig platt bin – und obwohl es nur ca. 50 Kilometer sind, brauche ich fast den ganzen Tag, finde abends aber dennoch ein wenig Zeit, das schöne Puebla und dessen Kastell zu besichtigen. Zu Beginn der Etappe komme ich mit 2 netten Rennradlern ins Gespräch, die mir eine Quelle Zeigen und mich daraufhin ein paar Kilometer den Berg hinauf begleiten, bevor sie wieder umdrehen.

Montag (15.4.): Puebla – Val de San Lorenzo: wieder eine anstrengende aber wunderschöne Etappe – allerdings auch vorbei an einem Waldbrandgebiet, wie ich es zuvor nie gesehen habe – gut und gerne 10 Kilometer fahre ich daran entlang. Abends komme ich im netten Val de … an, in einer schönen Unterkunft bei einem super netten Ehepaar. Er erzählt mir am nächsten Morgen beim Frühstück, dass er beruflich (andere) Motorradfahrer durch die Länder und Wüsten Nordafrikas begleitet.

Dienstag (16.4.): Val de San Lorenzo – Léon: Die Fahrt geht über Astorga (mit dem etwas bizarren von A. Gaudí entworfenen Bischofspalast) nach Léon, der ehemaligen Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs, das vor allem aber nicht nur wegen seiner Kathedrale sehenswert ist. Ich komme in einer netten Pension unter, mit schönem Balkon mit Blick und bereite mein Frühstück am nächsten Morgen auf dem Schreibtisch (nachdem ich am Abend eine kleine regionale Weindegustation in einer netten Bar mache).

Mittwoch (17.4.): Léon – Carrión de los Condes: über 100 Kilometer, Traumwetter, tolle Mittagspause in Sahagún mit Sonnenbad. Abends Ankunft in einem alten Kloster, das zum Hotel umgebaut wurde!

Donnerstag (18.4.): Die bisher härteste Etappe der Tour (s.o.) – und das darf sie gerne bis zum Ende bleiben! Ich motiviere mich und bliebe bei der Stange, indem ich alle 5 Kilometer einen Wasser-Obst-Dehnstopp einlege und mir gegen später alle 10 Kilometer ein Stück besonders tolle Schokolade gönne. Dennoch: diese Etappe geht an meine Grenzen … vielleicht auch darüber hinaus, und ich bin froh, dass heute ein Pausentag ist, an dem ich ganz gemächlich hier sitze und schreibe und nachher noch die Kathedrale von Burgos anschauen werde.

Cáceres – Moralejo – Ciudad Rodrigo – Salamanca

Strecke: http://tinyurl.com/d48l9j5 (242 KM)

Sonntag (7. April): Freude, Stolz, Empörung
Freude: Ich lege einen Traumstart hin: wie geplant komme ich punkt 9 Uhr los (habe immerhin 85 Kilometer vor mir). Wetter und Strecke sind schön, auf der N630 ist kaum Verkehr, da auch sie fast parallel zur Autobahn verläuft. Im Prinzip nur Rennradfahrer und – leider – dann doch einige Exemplare von der Sorte „Ich bin ein richtiger Mann, schaut nur, wie schnell ich Motorradfahren kann,“ begegnen mir. Der Wind weht heute zur Abwechslung mal von der Seite.
Stolz: ich bin deutlich schneller als gedacht und komme bereits um ca. 14.30 Uhr in Coria an (noch 15 Kilometer bis zum Ziel), habe da auch noch richtig Dusel: der Ort veranstaltet heute ein kleines besondere-Tapas-Verkostungs-Feschdl (= mehr Freude).
Empörung: Beim Café con leche danach rufe ich meinen Vater an, berichte ihm, wie schnell ich vorangekommen bin – seine Antwort: „Hattest Du Rückenwind?“ (Und er meint die Frage ernst!)

Montag (8. April): Heute geht es zum ersten Mal 2013 über einen (kleinen) Bergpass. Ich arbeite mich von Moraleja (260 Höhenmeter) auf knapp über 900 Meter hinauf – ganz schön schweißtreibend und ich schiebe das Rad – wenn’s hochkommt – gerade mal 600 Meter. Auf der anderen Seite, wo ich einen ähnlichen Abfall der Berge vermute, sieht’s dann ganz anders aus. Ich bin auf der kastilischen Hochebene angekommen, bis nach Ciudad Rodrigo geht es nur ganz allmählich bergab, und die Natur sieht auch ganz anders aus: zunächst kilometerweit wunderschöne Wälder, dann z.T. saftige Wiesen – die kastilische Hochebene erinnert mich hie und da auch an die Schwäbische Alb.
In Ciudad Rodrigo habe ich ein richtig schönes Hotelzimmer und die Stadt selbst ist auch nicht gerade unattraktiv – v.a. die Kathedrale, die ich leider erst am nächsten Vormittag zum 11 Uhr besichtigen kann.

Dienstag (9. April): Heute habe ich tatsächlich Rückenwind! Ansonsten ist die erste Hälfte der Strecke aber ziemlich unerfreulich. Immer wieder ekeliger Sprühregen und vor lauter Gischt ist kaum etwas zu sehen. Mittags wird daher ausnahmsweise nicht gevespert – ich kehre ein und gönne mir neben dem günstigen Mittagsmenü auch 0,375L iter bescheidenen Rotwein.
Später hört der Regen dann auf und ich kann tatsächlich die Landschaft erkennen: trotz Hochebene ist die Strecke nach Salamanca (es geht fast ständig minimal bergab) irgendwie faszinierend.
Diese Faszination empfinde ich auch bei meiner Ankunft in Salamanca – auf Anhieb strahlt die Stadt mit ihren vielen gelben, mittelalterlich anmutenden Mauern und Gebäuden und ihren Kathedralen, Kirchen und Türmen etwas ganz Eigenes und Besonderes aus – etwas ganz Anderes als Sevilla zum Beispiel.

Gestern und heute bleibe ich daher in Salamanca, schau‘ mir einige der Sehenswürdigkeiten – v.a. die Kathedralen und die Universität – an und nutze einen halben Tag heute dazu, mir eine neue Isomatte, Regencape, Gaskartusche und Kopfhörer für meinen PC zu kaufen.
Morgen geht’s dann weiter nach Zamora – je nachdem, wie ich aus dem Bett komme, evtl. über Toro. Schaun‘ mr moal!

Ein echter Schwabe würde die letzten drei Tage (Strecke: http://tinyurl.com/cqn7zhg) in etwa so zusammenfassen:

Ha …s’geit halt sodde un sodde Däg, un sodde un sodde Killomedr!
Als ich vorgestern in Elvas losfuhr, dachte ich, die Überschrift für den Blogbeitrag des Tages würde lauten: „Adeús Portugal, holá Espana!“. Während der Fahrt fielen mir dann gleich mehrere, ganz andere Überschriften ein: „EX209 – Du siehst mich nie wieder!“ etwa, oder „Von Badajoz nach Montijo gepumpt statt gefahren“, oder „Der Tag, an dem die Regenschauer das kleinste Problem sind“, oder „Ying und Yang – alles hat Nach- und Vorteile“. Als ich jedoch am Abend in Mérida in Spanien ankam, war ich viel zu platt und versank praktisch nur noch im Bett – froh, dass ich es überhaupt bis zum gebuchten Quartier geschafft hatte.
Doch von vorne! Ich fahre also vorgestern Morgen los, schon etwas missgelaunt – denn obwohl ich um 7.15 Uhr aufstehe, komme ich erst um 9.30 Uhr los, weil zum wiederholten Male in den letzten Tagen der Internetzugang im Hotel eine Katastrophe ist und ich ca. 40 Minuten brauche, das Hotel für den Abend zu buchen. Meine Laune wird besser … bis nach Badajoz läuft es richtig gut und das Wetter hält sich auch. Ich verabschiede mich ein wenig traurig von Portugal – denn es hat mir hier sehr, sehr gut gefallen – und freue mich trotzdem auch, zum wiederholten Male in Spanien anzukommen.
Badajoz lasse ich wie geplant mehr oder weniger rechts liegen – ein kurzer Blick über den hochgewässerten Río Guadiana muss genügen, denn ich will früh in Mérida ankommen, um die Stadt noch heute zu besichtigen. Doch dann geht es los – beim Verlassen der Stadt habe ich den dritten Platten der Tour. Gott sei Dank direkt bei einer Tankstelle – 1. ist der Tankwart super nett, hilft mir und unterhält sich immer wieder mir, während ich den alten Schlauch mit einem Ersatzschlauch ersetze (den kaputten Schlauch packe ich ungeflickt ein); 2. bietet mir das Tankstellendach Unterschlupf, als es gegen Ende der Reparaturarbeiten zu schütten beginnt.
Nach dem Regenschauer geht es weiter – etwa 1 Kilometer weit … dann ist die Luft im hinteren Reifen erneut weg! Kaum zu glauben – der Tankwart und ich hatten doch den Mantel und die Felgen untersucht; da war nichts mehr. Da ich keinen Ersatzschlauch mehr im Petto habe, flicke ich den ersten, gerade ausgewechselten Schlauch. In dem Moment, in dem ich den Vulkanisierungskleber auftrage, beginnt es erneut zu schütten! Eilig ziehe ich meinen chinesischen $3.99-Poncho über. Zu eilig – die Qualitätsware reißt von oben nach unten komplett durch!
Der zweite Schauer endet auch, ich flicke, fahre zurück zur Tankstelle, pumpe erneut gut auf. Der nette Tankwart wünscht mir viel Glück. Die Luft im geflickten Schlauch scheint zu halten, ich fahre einige Kilometer, bevor ich merke, dass der Reifen diesmal ganz langsam die Luft verliert. Nun ist das Problem, dass ich bereits einige Kilometer von Badajoz entfernt bin – und der nächste größere Ort, Montijo, ist noch ca. 25 Kilometer entfernt! Ich entscheide mich, mich alle 3 bis 4 Kilometer ans Pumpen zu machen und mich so fortzubewegen. Abgesehen davon, dass das keinen Spaß macht, ist auch noch die gewählte Route eine Qual: die EX209, eigentlich eine kleine Landstraße, bei der ich davon ausging, dass sie mir praktisch alleine gehören würde. Eine kleine Landstraße ist sie tatsächlich – ohne Seitenstreifen – aber über sie rollt leider eine ganze Menge Verkehr: PKW und LKW!
Entnervt, und nach ein paar weiteren kleinen Schauern, komme ich in Montijo an und frage mich nach einer Fahrradwerkstatt durch. Endlich habe ich heute mal Glück. Nicht nur bekomme ich hier einen neuen Schlauch und Mantel montiert, der sehr kompetente Besitzer des Ladens stellt auch noch fest, dass meine Bremsbacken völlig, praktisch 100%, abgefahren sind! Obwohl die Dinger recht selten sind, hat er noch ein Paar übrig und ersetzt zumindest mal die hinteren.
Guter Dinge fahre ich weiter, die Schauer verfolgen mich von hinten, erwischen mich aber erst mal knapp 20 Kilometer lang nicht (an alle GEOGRAPHIEKOLLEGEN und diejenigen, die es mal werden wollten: wie kann es sein, dass die Schauer- und GEWITTERwolken von hinten kommen, man aber dennoch gegen den Wind radelt???), ich radle wie ein wilder und denke, ich entkomme dem Regen.
Etwa 6 Kilometer vor Mérida holt mich die Realität dann ein und ich ende klitschnass an meiner Unterkunft – abends um 20.30 Uhr statt, wie geplant, gegen 16 Uhr.
Daraufhin entscheide ich mich, die Sehenswürdigkeiten der Stadt am nächsten Vormittag zu genießen und gestern nur eine relativ kurze Etappe zu radeln. Die Entscheidungen sind gut … Mérida ist toll – DIE Stadt in Spanien für römische „Überbleibsel“!
Nach dem Sehenswürdigkeitenschauen geht es kurz nach 15 Uhr Richtung Montánchez. Das dürfte kein Problem sein, denn es sind ja nur 49 Kilometer und Regen soll es laut Wettervorhersage auch keinen mehr geben. Insgesamt stimmt das auch. Die Strecke ist zudem sehr schön, obwohl ich auf der Nationalstraße N630 XXX unterwegs bin. Da die Autobahn parallel verläuft, gehört diese toll ausgebaute Straße mit riesigem Seitenstreifen praktisch mir allein. Die Landschaft ist mal recht karg, mal sehr schön … es wird insgesamt hügeliger und tendenziell geht es nach oben – vor allem am Ende. Mein Zwischenziel Montánchez liegt doch tatsächlich auf einem Hügel, der gefühlte 200 Meter höher liegt als das Umland!
All das wäre aber kein Problem – und die Etappe ist auch wirklich schön – wenn da nicht der permanente und immer wieder sehr garstige Gegenwind wäre. Der macht den ansonsten sehr schönen Tag ein wenig zur Qual.
In Montánchez habe ich mir morgens im Internet ein etwas kostspieligeres Quartier mit sehr guten Kritiken reserviert und freue mich darauf. Ich krieche die letzten Kilometer den Hügel hinauf, frage mich durch und werde sehr nett empfangen. Das Zimmer ist auch sehr schön – mit Terrasse und Blick auf die Burg des Orts – und gut geheizt (es hat draußen richtig abgekühlt). Leider stelle ich dann fest, dass der Boden im Badezimmer voller langer dunkler Haare ist. Nach langem Hin und Her entscheide ich mich – da ich nicht der Typ bin, der sich beschwert – nichts zu sagen und gehe dann stattdessen im hauseigenen Restaurant lecker und günstig essen und – Wein – trinken. So kann ich schließlich darüber hinweg sehen, dass ich auch unter meiner Bett-Überdecke ein langes, dunkles Haar finde!
Ich schlafe gut, frühstücke ganz ordentlich und werde meine Anmerkung über die Haare dann nach dem Bezahlen doch noch los. Die Wirtin bedankt sich – Entschuldigung auf Spanisch hätte ich verstanden! – und erklärt, die Haare waren wahrscheinlich im Wischwasser. Toll. Na ja … Ihr Mann ist wenigstens auch noch super freundlich und gibt mir einen tollen Tipp zu meiner heutigen Radstrecke.
Ich schaue mir den Ort noch an, klettere auf die Burg hinauf und stelle fest, dass sich der kleine Umweg und Zwischenstopp hier trotz der Haare sehr gelohnt haben! Ich genieße den tollen Blick von der Burg und sehe in der Ferne …. Schneebedeckte Berge. Im Gespräch mit dem Wirt vor der Abfahrt erzählt mir dieser, dass es in der Nacht tatsächlich noch einmal Frost gegeben habe.
Mit Handschuhen ausgestattet fahre ich los – die Strecke von Montánchez über Albalá nach Torremocha entpuppt sich tatsächlich als wunderschön. Es ist zwar kalt, aber auch sonnig, und der Wind hat sich etwas gelegt. Die zweite Hälfte der Strecke ist wieder ganz anders – hier kann man erahnen, warum die Region Extremadura heißt. Im Sommer jedenfalls wollte ich hier nicht entlang radeln.
Am Ende einer recht harmlosen Etappe komme ich in Cáceres an, wo ich diese „Zeilen“ in einer tollen Tapas-Bar schreibe, die sich – wie in Spanien üblich – erst seit 21 Uhr allmählich zu füllen beginnt. Meine Unterkunft ist eine Absteige, aber halbwegs sauber – die Innenstadt ist richtig toll, vor allem die Plaza Mayor: einer der schönsten Plätze überhaupt, die ich bisher in Spanien gesehen habe!
Morgen soll das Wetter schön bleiben und ich habe mir knapp 90 Kilometer zum Ziel gesetzt – früh aufstehen ist angesagt … und deshalb heißt es jetzt „Buena noche!“

Regenschauer den ganzen Tag …

… , da bietet es sich doch an, Sehenswürdigkeiten zu glotzen und das Rad in der „Garage“ zu lassen. So bleibe ich heute in Elvas – eine gute Entscheidung. Zwei Spaziergänge, 1. durch die, 2. außerhalb der Stadt und ein leckeres Mittagessen kommen dabei heraus – und die Erkenntnis, dass es sich lohnt, hier einen Tag zu weilen (Informationen zur Stadt: http://de.wikipedia.org/wiki/Elvas). Morgen soll’s dann nach Mérida in Spanien gehen, Badajoz werde ich wohl links, nein rechts, liegen lassen.

Blick von Elvas auf die Festung St. Luzia

Blick von Elvas auf die Festung St. Luzia

An der Praca de Republica – dem schönsten Platz in Elvas

An der Praca de Republica – dem schönsten Platz in Elvas

Blick von der Kathedrale auf die Praca de Republica

Blick von der Kathedrale auf die Praca de Republica

Largo de Santa Clara mit „Pillory“

Largo de Santa Clara mit „Pillory“

In der Igreja dos Domínicas – typisch für Portugal: die Azulejos (Kachelmuster oder -motive an den Wänden)

In der Igreja dos Domínicas – typisch für Portugal: die Azulejos (Kachelmuster oder -motive an den Wänden)

Blick vom Kastell (12. Jahrhundert) Richtung Spanien

Blick vom Kastell (12. Jahrhundert) Richtung Spanien

Blick vom Kastell auf die Stadt

Blick vom Kastell auf die Stadt

Blick nach Süden – hier ganz gut zu sehen: die sternförmige Befestigungsanlage rund um die Altstadt

Blick nach Süden – hier ganz gut zu sehen: die sternförmige Befestigungsanlage rund um die Altstadt

Auch in den Portugiesen steckt so manches suebisches (= schwäbisches) Gen!

Auch in den Portugiesen steckt so manches suebisches (= schwäbisches) Gen!

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Mischung zwischen wunderschön und morbid – leider ist auch hier das ein oder andere Gebäude dabei zu verfallen.

Mischung zwischen wunderschön und morbid – leider ist auch hier das ein oder andere Gebäude dabei zu verfallen.

An der Stadtmauer – die Senora de la Concepcion

An der Stadtmauer – die Senora de la Concepcion

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Igreja de la Senora das Dores

Igreja de la Senora das Dores

Die Rua da Carreira direkt nach einem erneuten Regenguss

Die Rua da Carreira direkt nach einem erneuten Regenguss

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Liebe zum Detail – hier das Geländer einer kleinen Dachterrasse

Liebe zum Detail – hier das Geländer einer kleinen Dachterrasse

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Die Heilige Katharina (von Siena) – symbolträchtige Darstellung in der St. Domingos-Kirche

Die Heilige Katharina (von Siena) – symbolträchtige Darstellung in der St. Domingos-Kirche

Ebenda

Ebenda

St. Luzia-Festung

St. Luzia-Festung

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Stadtmauer und links das Aquädukt von Amoreira

Stadtmauer und links das Aquädukt von Amoreira

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Aquädukt – auf meinem 2. Spaziergang außerhalb der Altstadt

Aquädukt – auf meinem 2. Spaziergang außerhalb der Altstadt

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Dominikaner-Konvent

Dominikaner-Konvent

Festung (Fort) Graca im Norden der Stadt – ich weiß gar nicht, ob ich jemals eine derart wehrhaft und mannigfaltig befestigte Stadt gesehen habe?

Festung (Fort) Graca im Norden der Stadt – ich weiß gar nicht, ob ich jemals eine derart wehrhaft und mannigfaltig befestigte Stadt gesehen habe?

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Festung (Fort) Graca im Norden der Stadt – ich weiß gar nicht, ob ich jemals eine derart wehrhaft und mannigfaltig befestigte Stadt gesehen habe?

Festung (Fort) Graca im Norden der Stadt – ich weiß gar nicht, ob ich jemals eine derart wehrhaft und mannigfaltig befestigte Stadt gesehen habe?

Heute

Ein toller Radtag führt mich nach 8-tägiger Pause gut 90 Kilometer von Évora nach Elvas (genaue Route: http://tinyurl.com/cndx3qa ): fantastisches Wetter, leichter Rückenwind … und wieder begeistert mich die Landschaft des Alentejo. Genau wie die Ortschaften: Redondo, Vila Vicosa und Elvas.

Heute Morgen bei der Abfahrt in Évora: das Aquädukt, das bis ca. 15 KM vor die Stadt führt und dort auch heute noch von einem Stausee Wasser in die Stadt leiten kann.

Heute Morgen bei der Abfahrt in Évora: das Aquädukt, das bis ca. 15 KM vor die Stadt führt und dort auch heute noch von einem Stausee Wasser in die Stadt leiten kann.

Unglaublich, wie es im Alentejo überall blüht – nach den Regenfällen der letzten Woche erst recht.

Unglaublich, wie es im Alentejo überall blüht – nach den Regenfällen der letzten Woche erst recht.

Mittagessen (in Redondo): eine „halbe Dose“ – gut, dass ich bei der Miniportion davor noch ein Käse-Champignons-Omelett bestellt hatte, das ähnlich winzig war.

Mittagessen (in Redondo): eine „halbe Dose“ – gut, dass ich bei der Miniportion davor noch ein Käse-Champignons-Omelett bestellt hatte, das ähnlich winzig war.

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In Vila Vicosa

In Vila Vicosa

In Vila Vicosa

In Vila Vicosa

In Vila Vicosa

In Vila Vicosa

In Vila Vicosa

In Vila Vicosa

Auf einer kleinen Landstraße von Vila Vicosa nach Elvas

Auf einer kleinen Landstraße von Vila Vicosa nach Elvas

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Das nenn` ich mal artgerechte Haltung.

Das nenn` ich mal artgerechte Haltung.

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Kurz vor der Ankunft in Elvas

Kurz vor der Ankunft in Elvas

Beeindruckend: das Aquädukt in Elvas – auch diese Stadt ist, wie Évora, Weltkulturerbe.

Beeindruckend: das Aquädukt in Elvas – auch diese Stadt ist, wie Évora, Weltkulturerbe.

Antonio Silva arbeitete von 1967 bis 1980 in Düsseldorf – er sah mich in Elvas am Straßenrand auf mein GPS-Handy schauen und sprach mich etwa so an: „Starker Deutscher. Was suchen Sie? Kann ich helfen?“ Danach unterhielten wir uns eine Weile über seine Zeit in Deutschland, seine Familie und über meine Tour.

Antonio Silva arbeitete von 1967 bis 1980 in Düsseldorf – er sah mich in Elvas am Straßenrand auf mein GPS-Handy schauen und sprach mich etwa so an: „Starker Deutscher. Was suchen Sie? Kann ich helfen?“ Danach unterhielten wir uns eine Weile über seine Zeit in Deutschland, seine Familie und über meine Tour.

Angekommen: da gönne ich mir ein alkoholfreies Bier in der Altstadt von Elvas.

Angekommen: da gönne ich mir ein alkoholfreies Bier in der Altstadt von Elvas.

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