Calabria: wo die Tiere – irgendwann – eins werden mit der Straße und der Müll Teil der Landschaft wird.

Vom 14. bis 25. Juni war ich in Kalabrien unterwegs und trotz der „ein wenig“ kritischen Überschrift hat es mir dort insgesamt sehr gut gefallen. Vor allem wurde ich – wie bei meiner Tour 2005 – unheimlich oft von Leuten angesprochen und hatte einmal, in Gerace, am Ende gar meinen privaten Stadtführer. Ein leidenschaftlicher Mountainbike- und Rennradfahrer war beim recht heftigen Aufstieg mit dem Auto an mir vorbei gefahren, schmiss sich zu Hause in seine Radklamotten und fuhr mir entgegen, um mich dann zurück nach oben zu begleiten. Wir kamen ins Gespräch und eine Stunde, nachdem ich mit seiner Hilfe mein gebuchtes Quartier gefunden hatte, holte er mich mit dem Auto ab, zeigte mir die Stadt und ging anschließend noch mit mir essen. Direkt zuvor hatte ich ca. 20 Minuten mit den Besitzern eines kleinen Ladens geklönt, die ebenfalls ganz begeistert von meiner Tour waren und nicht glauben konnten, dass ich nun noch nach Gerace hinauf radeln wollte. Während des Gesprächs wurde ich dann praktisch jedem den Laden betretenden Kunden vorgestellt, zum Schluss gab’s noch eine Cola als Energiespritze für umme.

Landschaftlich ist Kalabrien sehr abwechslungsreich, die Küste meist karg, mal felsig mit Klippen oder Steilküste, mal eher sanft abfallend, mit langen Sandstränden. Das Landesinnere ist oft sehr bergig und erinnert zum Teil tatsächlich an den Schwarzwald. Wenn man dort durch die Wälder radelt, glaubt man kaum, im äußersten Süden Italiens zu sein. Besonders schön ist auch der Abschnitt zwischen Nicotera und Pizzo – tolle Küstenlandschaft und natürlich Tropea, das wahrscheinlich schönste Küstenstädtchen Kalabriens. Vom phänomenalen Tartufo dort und vor allem in Pizzo ganz zu schweigen!

Da ich von Sonntagabend (16.06.) bis Donnerstag eine „Verabredung“ bei Tropea hatte, habe ich überhaupt nur die Küste zwischendrin gewechselt und daher die Berge zwei Mal überquert (wenn auch die zweite Überquerung recht harmlos war) – vom ionischen Meer zum tyrrhenischen und damit für ein paar Tage auch weg von der SS106, die von Reggio bis nach Taranto am ionischen Meer entlang verläuft. Gerade das war eher kein Fehler, da die Bundesstraße immer wieder recht unangenehm zu fahren war: abschnittsweise ohne Seitenstreifen und mit viel LKW-Verkehr; und auf der SS106 war die Anzahl der überfahrenen Tiere besonders hoch. Für mich nicht nachvollziehbar: sie werden einfach nicht weggeräumt und als Radfahrer „begegnen“ sie einem daher in unterschiedlichen Graden der Verwesung und „Eins-Werdung“ mit der Straße. Kein schöner Anblick – vom Geruch ganz zu schweigen!

Sorry, aber ich kann ja nicht nur die schönen Bilder veröffentlichen :( Das hier war wohl mal ein Fuchs ... aber so genau hab' auch ich mir das Tier nicht angeschaut.

Sorry, aber ich kann ja nicht nur die schönen Bilder veröffentlichen 😦 Das hier war wohl mal ein Fuchs … aber so genau hab‘ auch ich mir das Tier nicht angeschaut.

Ähnlich traurig die Tatsache, dass in Kalabrien – ähnlich wie in Sizilien – die Müllentsorgung wohl nicht funktioniert, Müllcontainer oft gnadenlos überfüllt und von Müllbergen umgeben sind, manchmal halb ausgebrannt, manchmal Revier von streunenden Hunden, die nach Futter suchen; und dass die Italiener leider ihren Müll überall entsorgen – entlang der Straße, in Waldstücken, etc. Das kapiere ich nicht – das Land ist so wunderschön und die Italiener lieben es ja … aber vermüllen es komplett.

Ärgerlich für mich als Radfahrer war dabei auch, dass immer wieder Glasscherben am Straßenrand oder auf dem Seitenstreifen liegen. Ich hatte Glück, hatte keinen Platten, aber das hätte auch anders ausgehen können und ist echt nervig, weil man ständig ganz genau schauen muss, wo man lang fährt. Auch hier unglaublich, dass die Leute entlang der Land- und Bundesstraßen sogar Bierflaschen einfach aus ihren Autofenstern zu werfen scheinen.

Aber zurück zum Positiven. Neben der tollen Landschaft, den vielen tollen Cappuccinos, dem Tartufo und der Granita bleibt natürlich auch das fantastische Wetter zu erwähnen. In den knapp 12 Tagen lagen die Höchsttemperaturen zwischen 26 und 33 Grad und fast immer war der Himmel wolkenlos. Auch das Baden im Mittelmeer machte jetzt Spaß – die Wassertemperaturen wurden praktisch von Tag zu Tag angenehmer.

Ein paar faszinierende Städte und Städtchen gab es auch zu entdecken – allen voran Rossano, wo ich von Torre Melissa aus mit dem Zug hingefahren bin (ein kleines Abenteuer, da mein Rad kaum in den Vorraum des Abteils passte, ich dort die Fahrt über das Rad haltend stehen bleiben und es immer wieder bewegen musste, damit der knorrige Schaffner und die ein- und aussteigenden Passagiere an mir und meinem Gefährt vorbei kamen), weil eine Rad fahrende Französisch-Schweizerin mir erzählt hatte, dass der entsprechende Abschnitt auf der SS106 besonders unangenehm bzw. gefährlich zu fahren sei.

Bleiben noch die 3 Tage und 4 Nächte in Caria: hier wohnte ich in meinem eigenen netten Holzchalet Sole auf dem FeWo-Grundstück von Salvatore und Lisa als HelpX-er – wobei Salvatore mich am ersten von drei Tagen offiziell von der „Arbeit“ frei stellte, da er auch bei Warmshowers Mitglied ist und mir als Warmshowers-Radler einen Tag lang mein Domizil so zur Verfügung stellte. Total nett. Ansonsten schrieb ich v.a. Texte auf Deutsch für seine Werbung im Internet. In einer der anderen beiden Unterkünfte wohnten Jeanne und Neil aus Australien/England – ihr Job war es in den Tagen, Fensterläden abzuschleifen und zu streichen. War ich froh, dass ich Texte schreiben durfte 😉 Die Beiden waren sehr nett und so kam es, dass wir uns abwechselnd bekochten, gemeinsam aßen und italienischen bzw. spanischen Rotwein genossen. Drei schöne Tage also beim super netten Salvatore, der uns auch immer wieder mit Köstlichkeiten versorgte und uns am letzten Abend zu phänomenaler Granita einlud; drei Tage, in denen ich mich neben der ca. 4 Stunden „Arbeit“ am Tag vor allem vom vielen Radeln erholen konnte – schlafend, lesend, fernsehend, mich sonnend ….

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