Ein echter Schwabe würde die letzten drei Tage (Strecke: http://tinyurl.com/cqn7zhg) in etwa so zusammenfassen:

Ha …s’geit halt sodde un sodde Däg, un sodde un sodde Killomedr!
Als ich vorgestern in Elvas losfuhr, dachte ich, die Überschrift für den Blogbeitrag des Tages würde lauten: „Adeús Portugal, holá Espana!“. Während der Fahrt fielen mir dann gleich mehrere, ganz andere Überschriften ein: „EX209 – Du siehst mich nie wieder!“ etwa, oder „Von Badajoz nach Montijo gepumpt statt gefahren“, oder „Der Tag, an dem die Regenschauer das kleinste Problem sind“, oder „Ying und Yang – alles hat Nach- und Vorteile“. Als ich jedoch am Abend in Mérida in Spanien ankam, war ich viel zu platt und versank praktisch nur noch im Bett – froh, dass ich es überhaupt bis zum gebuchten Quartier geschafft hatte.
Doch von vorne! Ich fahre also vorgestern Morgen los, schon etwas missgelaunt – denn obwohl ich um 7.15 Uhr aufstehe, komme ich erst um 9.30 Uhr los, weil zum wiederholten Male in den letzten Tagen der Internetzugang im Hotel eine Katastrophe ist und ich ca. 40 Minuten brauche, das Hotel für den Abend zu buchen. Meine Laune wird besser … bis nach Badajoz läuft es richtig gut und das Wetter hält sich auch. Ich verabschiede mich ein wenig traurig von Portugal – denn es hat mir hier sehr, sehr gut gefallen – und freue mich trotzdem auch, zum wiederholten Male in Spanien anzukommen.
Badajoz lasse ich wie geplant mehr oder weniger rechts liegen – ein kurzer Blick über den hochgewässerten Río Guadiana muss genügen, denn ich will früh in Mérida ankommen, um die Stadt noch heute zu besichtigen. Doch dann geht es los – beim Verlassen der Stadt habe ich den dritten Platten der Tour. Gott sei Dank direkt bei einer Tankstelle – 1. ist der Tankwart super nett, hilft mir und unterhält sich immer wieder mir, während ich den alten Schlauch mit einem Ersatzschlauch ersetze (den kaputten Schlauch packe ich ungeflickt ein); 2. bietet mir das Tankstellendach Unterschlupf, als es gegen Ende der Reparaturarbeiten zu schütten beginnt.
Nach dem Regenschauer geht es weiter – etwa 1 Kilometer weit … dann ist die Luft im hinteren Reifen erneut weg! Kaum zu glauben – der Tankwart und ich hatten doch den Mantel und die Felgen untersucht; da war nichts mehr. Da ich keinen Ersatzschlauch mehr im Petto habe, flicke ich den ersten, gerade ausgewechselten Schlauch. In dem Moment, in dem ich den Vulkanisierungskleber auftrage, beginnt es erneut zu schütten! Eilig ziehe ich meinen chinesischen $3.99-Poncho über. Zu eilig – die Qualitätsware reißt von oben nach unten komplett durch!
Der zweite Schauer endet auch, ich flicke, fahre zurück zur Tankstelle, pumpe erneut gut auf. Der nette Tankwart wünscht mir viel Glück. Die Luft im geflickten Schlauch scheint zu halten, ich fahre einige Kilometer, bevor ich merke, dass der Reifen diesmal ganz langsam die Luft verliert. Nun ist das Problem, dass ich bereits einige Kilometer von Badajoz entfernt bin – und der nächste größere Ort, Montijo, ist noch ca. 25 Kilometer entfernt! Ich entscheide mich, mich alle 3 bis 4 Kilometer ans Pumpen zu machen und mich so fortzubewegen. Abgesehen davon, dass das keinen Spaß macht, ist auch noch die gewählte Route eine Qual: die EX209, eigentlich eine kleine Landstraße, bei der ich davon ausging, dass sie mir praktisch alleine gehören würde. Eine kleine Landstraße ist sie tatsächlich – ohne Seitenstreifen – aber über sie rollt leider eine ganze Menge Verkehr: PKW und LKW!
Entnervt, und nach ein paar weiteren kleinen Schauern, komme ich in Montijo an und frage mich nach einer Fahrradwerkstatt durch. Endlich habe ich heute mal Glück. Nicht nur bekomme ich hier einen neuen Schlauch und Mantel montiert, der sehr kompetente Besitzer des Ladens stellt auch noch fest, dass meine Bremsbacken völlig, praktisch 100%, abgefahren sind! Obwohl die Dinger recht selten sind, hat er noch ein Paar übrig und ersetzt zumindest mal die hinteren.
Guter Dinge fahre ich weiter, die Schauer verfolgen mich von hinten, erwischen mich aber erst mal knapp 20 Kilometer lang nicht (an alle GEOGRAPHIEKOLLEGEN und diejenigen, die es mal werden wollten: wie kann es sein, dass die Schauer- und GEWITTERwolken von hinten kommen, man aber dennoch gegen den Wind radelt???), ich radle wie ein wilder und denke, ich entkomme dem Regen.
Etwa 6 Kilometer vor Mérida holt mich die Realität dann ein und ich ende klitschnass an meiner Unterkunft – abends um 20.30 Uhr statt, wie geplant, gegen 16 Uhr.
Daraufhin entscheide ich mich, die Sehenswürdigkeiten der Stadt am nächsten Vormittag zu genießen und gestern nur eine relativ kurze Etappe zu radeln. Die Entscheidungen sind gut … Mérida ist toll – DIE Stadt in Spanien für römische „Überbleibsel“!
Nach dem Sehenswürdigkeitenschauen geht es kurz nach 15 Uhr Richtung Montánchez. Das dürfte kein Problem sein, denn es sind ja nur 49 Kilometer und Regen soll es laut Wettervorhersage auch keinen mehr geben. Insgesamt stimmt das auch. Die Strecke ist zudem sehr schön, obwohl ich auf der Nationalstraße N630 XXX unterwegs bin. Da die Autobahn parallel verläuft, gehört diese toll ausgebaute Straße mit riesigem Seitenstreifen praktisch mir allein. Die Landschaft ist mal recht karg, mal sehr schön … es wird insgesamt hügeliger und tendenziell geht es nach oben – vor allem am Ende. Mein Zwischenziel Montánchez liegt doch tatsächlich auf einem Hügel, der gefühlte 200 Meter höher liegt als das Umland!
All das wäre aber kein Problem – und die Etappe ist auch wirklich schön – wenn da nicht der permanente und immer wieder sehr garstige Gegenwind wäre. Der macht den ansonsten sehr schönen Tag ein wenig zur Qual.
In Montánchez habe ich mir morgens im Internet ein etwas kostspieligeres Quartier mit sehr guten Kritiken reserviert und freue mich darauf. Ich krieche die letzten Kilometer den Hügel hinauf, frage mich durch und werde sehr nett empfangen. Das Zimmer ist auch sehr schön – mit Terrasse und Blick auf die Burg des Orts – und gut geheizt (es hat draußen richtig abgekühlt). Leider stelle ich dann fest, dass der Boden im Badezimmer voller langer dunkler Haare ist. Nach langem Hin und Her entscheide ich mich – da ich nicht der Typ bin, der sich beschwert – nichts zu sagen und gehe dann stattdessen im hauseigenen Restaurant lecker und günstig essen und – Wein – trinken. So kann ich schließlich darüber hinweg sehen, dass ich auch unter meiner Bett-Überdecke ein langes, dunkles Haar finde!
Ich schlafe gut, frühstücke ganz ordentlich und werde meine Anmerkung über die Haare dann nach dem Bezahlen doch noch los. Die Wirtin bedankt sich – Entschuldigung auf Spanisch hätte ich verstanden! – und erklärt, die Haare waren wahrscheinlich im Wischwasser. Toll. Na ja … Ihr Mann ist wenigstens auch noch super freundlich und gibt mir einen tollen Tipp zu meiner heutigen Radstrecke.
Ich schaue mir den Ort noch an, klettere auf die Burg hinauf und stelle fest, dass sich der kleine Umweg und Zwischenstopp hier trotz der Haare sehr gelohnt haben! Ich genieße den tollen Blick von der Burg und sehe in der Ferne …. Schneebedeckte Berge. Im Gespräch mit dem Wirt vor der Abfahrt erzählt mir dieser, dass es in der Nacht tatsächlich noch einmal Frost gegeben habe.
Mit Handschuhen ausgestattet fahre ich los – die Strecke von Montánchez über Albalá nach Torremocha entpuppt sich tatsächlich als wunderschön. Es ist zwar kalt, aber auch sonnig, und der Wind hat sich etwas gelegt. Die zweite Hälfte der Strecke ist wieder ganz anders – hier kann man erahnen, warum die Region Extremadura heißt. Im Sommer jedenfalls wollte ich hier nicht entlang radeln.
Am Ende einer recht harmlosen Etappe komme ich in Cáceres an, wo ich diese „Zeilen“ in einer tollen Tapas-Bar schreibe, die sich – wie in Spanien üblich – erst seit 21 Uhr allmählich zu füllen beginnt. Meine Unterkunft ist eine Absteige, aber halbwegs sauber – die Innenstadt ist richtig toll, vor allem die Plaza Mayor: einer der schönsten Plätze überhaupt, die ich bisher in Spanien gesehen habe!
Morgen soll das Wetter schön bleiben und ich habe mir knapp 90 Kilometer zum Ziel gesetzt – früh aufstehen ist angesagt … und deshalb heißt es jetzt „Buena noche!“

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