Rückblick / Nachtrag: Cordoba (20.11. bis 23.11.) und von Cordoba nach Sevilla (23.11 bis 25.11.)

Wie an anderer Stelle schon berichtet, beeindruckt mich in Córdoba vor allem die Mezquita mit ihren über 550 Säulen. Selbst die Kathedrale, die zu Kaiser Karls V. Zeiten frevelhaft mitten im Säulenwald der riesigen Moschee ( 134 x 179 Meter) mit ihren Gebetsnischen zu Ehren verschiedener muslimischer Herrscher Córdobas errichtet wurde, entfaltet eine gewisse Atmosphäre – insbesondere, als bei meinem ersten Besuch morgens um 8.30 Uhr ein Organist mit seinem Spiel die „Symbiose“ aus Orient und Katholizismus perfekt macht. Nichtsdestotrotz wäre die Wirkung der Moschee ohne das große Kirchenhaus in ihrer Mitte noch viel eindrucksvoller.
Doch Córdoba ist mehr als die Mezquita: weiß getünchte Häuser in engen Gassen, ein paar wunderschöne Plätze, der Alcázar mit seinem wunderschönen kleinen Park und hunderte bezaubernder Patios (Innenhöfe), für welche die Stadt auch berühmt ist – in normalen Privathäusern genauso wie in umwerfenden Palästen wie dem Palacio de Viana.
Und der über 500-jährige Einfluss der Mauren ist allgegenwärtig – an Torbögen, im Alcázar, natürlich in der Mezquita, in den wunderschönen, teils bunten (Keramik)Mustern. Ohnehin fühlt man sich in Córdoba mit den vielen Palmen und Orangenbäumen immer wieder wie in Marokko (wie es in meiner Vorstellung aussieht).
Nicht zuletzt verzaubert mich Córdoba noch aus einem ganz anderen Grund: genau zu der Zeit, als ich dort bin, findet in der Stadt der 1. Tapas-Wettbewerb statt. 30 Restaurants nehmen daran teil und kredenzen jeweils zwischen 3 und 5 Spezialkreationen im Rahmen des Wettbewerbs. Einem Faltblatt kann man entnehmen, wo es welche Leckereien gibt und ich schaffe es in den gerade mal 2 ½ Tagen natürlich nicht, alle Tapas zu testen, die ich gerne testen würde. Aber ich „eile“ von Restaurant zu Restaurant, esse ein bis zwei Tapas hier, ein bis zwei weitere dort … und immer gibt es ein lecker Schlückchen Rotwein dazu. Schade, dass es am Freitagmorgen nach einem erneuten Kurzbesuch in der Mezquita (kostenloser Eintritt von 8.30 bis 9.30 Uhr) – diesmal mit vertonten Hesse-Gedichten auf den Ohren – schon weiter geht. Gerne hätte ich alle 30 Wettbewerbsteilnehmer besucht.
Ich will und muss in Richtung Sevilla etwas zickzack fahren, da die direkte Verbindung (ca. 150 Kilometer) eine Autobahn ist und es sonst keine Straße entlang des Flusses Guadalquivir gibt. So führen mich die 3 Etappen Freitag bis Sonntag vorbei an Almodóvar del Rio nach Écija, Marchena (Durchfahrt) und Carmona.
Baumwollfelder südwestlich von Córdoba, das größte Solarfeld Spaniens, rote Erde, Landwirtschaft wie in der Rheinebene und noch weitere Landschaften prägen das Bild. Écija besticht u.a. durch seine wunderschönen Kirchtürme – ich habe aber auch Glück, dass meine Übernachtung dort auf ein Wochenende fällt, an dem dort ein kleiner Mittelaltermarkt stattfindet und das halbe Dorf auf den Beinen ist.
Carmona, eine der ältesten Städte Andalusiens und Spaniens, beeindruckt mich gleich bei der Einfahrt. „Leider“ bleibt meine Erkundung der Altstadt sehr verkürzt, da ich – wie bereits berichtet – gleich zu Beginn knapp 3 Stunden am wunderschönen Marktplatz bei einer Gruppe super netter Spanier hängenbleibe, die den Samstagabend quasselnd, trinkend und singend begehen und mich daran teilhaben lassen. Leicht beschwipst trete ich gegen 20 Uhr den Heimweg in meine Unterkunft an, gehe noch schnell einkaufen und lande im Bett, wo ich am nächsten Tag so spät aufwache, dass ich auch da keine Zeit habe, mir die Altstadt noch näher anzuschauen.
Die Fahrt nach Sevilla am Sonntag den 25. November ist kurz, unspektakulär und wenig anstrengend – nach ca. 40 Kilometern und 2 ½ Stunden komme ich in der Stadt an, in der ich fast einen Monat lang bleiben werde.
Erwähnenswert ist allerdings noch der Schock, den ich am Stadtrand bekomme. Noch nie habe ich in Europa diese Art von Armut gesehen: zunächst fahre ich an einzelnen Wellblechhütten vorbei, wie ich sie aus Südafrika kenne, dann schließt sich eine Siedlung aus drei- bis vierstöckigen Wohnblocks an, die mir ein wenig bange macht – eingeworfene Fenster, alles total heruntergekommen, überall Menschen auf den Straßen, denen man ihre Armut insbesondere an der Kleidung ansieht. Bilder habe ich aus Respekt und Angst keine gemacht. Nur schnell weiter! Ich komme unbehelligt durch und empfinde es schon als „schön“, zwischen den Hochhäusern der offensichtlich nicht mehr ganz so armen Sevillaner hindurchzufahren. Schön ist es hier aber auch nicht wirklich und so richtig gefällt mir Sevilla dann erst, als ich ins Zentrum komme. Hier und in Triana werde ich mich in den 3 ½ folgenden Wochen dann auch ausschließlich aufhalten.

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