Die ersten Radtage in Spanien

Lange sind sie her, die ersten 4 Radtage in Spanien – auch deshalb fällt es mir etwas schwer, den Text dazu zu verfassen. Allah, here goes …

Freitag den 12. Oktober geht es also los – das eigentliche Spanienabenteuer. Mein Bruder auf dem Heimflug, ich im Sattel – trotz sehr bescheidener Tages-Wettervorhersage. Tja, und die hat auch noch Recht: zwei Schauer werden es. Der erste dauert eine knappe Stunde (da tanze ich noch den Funky Chicken in meiner „Schutzhütte“ am Strand), dann ist es eine gute Stunde lang trocken und gar sonnig – ich fahren einen sehr schönen Küstenabschnitt südlich von Barcelona in Richtung Sitges entlang. Dann kommt der zweite Schauer – er beginnt um ca. 13.30 Uhr und endet irgendwann am frühen Morgen des Samstag. Ich kann nur schätzen, aber da kamen mindestens 40 Liter runter. Straßen überflutet, Kanaldeckel machen sich davon, Autos zur Hälfte im Wasser, reißende Ströme die Straßen an den Hängen hinunter … unglaublich! Leider gibt es davon keine Fotos, da ich die Kamera nicht herausholen konnte. Das Foto vom nächsten Morgen ist leider kaum aussagekräftig, weil 80% des Wassers bereits wieder abgeflossen waren. Ach ja, und ich? Ich fahre tapfer weiter und komme gegen ca. 17 Uhr bis auf die UH und Socken durchnässt in meinem Quartier in Calafell an – wo ich in der GARAGE ein Portrait des spanischen Königs entdecke. Auch mein T-Shirt ist klitschnass, trotz meiner absolut wasserdichten 180€-Jacke. Na ja, irgendwann wird eben auch die beste Membran sauer …

Der zweite Radtag führt mich bei wunderschönem Wetter und Mittagspicknick am Strand (wo wie andernorts deutlichst die katalonische Unabhängigkeit propagiert wird – über Tarragona, vorbei an einem mir irgendwie bekannten Chemieunternehmen nach Cambrils. Tarragona entpuppt sich als äußerst hübsche Kleinstadt und bietet Einiges an römischen Überbleibseln, wie z.B. ein Amphitheater direkt am Wasser. Cambrils ist auf andere Art und Weise auch ganz nett – ein Ferienort, der sich kilometerlang am Strand entlang ausdehnt, dabei aber – im Vergleich zu dem, was ich davor und danach noch an Hotelburgen zu sehen bekomme – wirklich recht hübsch ist.

Von dort strample ich am nächsten Tag in die Berge, mache einen kleinen, sehr lohnenden Abstecher ins Ebrotal – zunächst nach Mora d’Ebre, am Montag dann bei Kaiserwetter durch das Tal und die angrenzenden Berge und wunderschöne Landschaften nach Tortosa, vorbei u.a. an einer imposanten maurischen Festung und am Ende entlang einer Via Verde. Es gibt sie hier also auch, die grünen Wege, wie in Frankreich und Italien. Auch diese ist wunderschön und toll zu fahren, da sie ebenfalls entlang einer stillgelegten Bahnstrecke führt und es daher nicht ständig bergauf, bergab geht.

Tortosa selbst entpuppt sich als richtig spannendes Städtchen der massiven Kontraste zwischen tollen Kirchen, massiven kilometerlangen maurischen Stadtmauern sowie einigen richtig hübschen Häusern (auch Jugendstil) auf der einen und ziemlich heruntergekommenen, maroden Häusern und Ecken auf der anderen Seite. Mir gefällt es hier.
Das ist allerdings nicht der Grund, warum ich eine zweite Nacht dran hänge und bis Mittwoch bleibe. Als ich Montagabend nämlich ankomme, stelle ich fest, dass mein Vorderrad „lose ist“ bzw. in der Gabel leicht hin und her wackelt. Dienstagmorgen geht’s in ein großes Fahrradgeschäft, einer der Monteure untersucht und meint, das sei wahrscheinlich nichts Ernstes, aber er müsse hinein schauen. Er geht davon aus, dass ich das Rad am nächsten Morgen wieder holen und weiter fahren kann.

Optimist, der ich bin, buche ich daher für Mittwoch und Donnerstag meine nächsten beiden Etappenquartiere entlang der Küste Richtung Valencia – der Einstieg in ziemlich „ereignisreiche“ 12 Tage. Dazu dann aber mehr im nächsten Artikel.
Den zusätzlichen Tag in Tortosa nutze ich zur ausführlichen Besichtigung – und stelle unter anderem fest, wie wichtig Fußball in Spanien wohl ist: überall Fußballplätze, und an den unglaublichsten Stellen. Darüber hinaus tue ich etwas längst Überfälliges, auch wenn mir dabei das Herz blutet: ich ersetze meine völlig fertigen Tour-Schuhe (die bereits vor dem Start Anfang Juli nicht mehr in bestem Zustand waren) durch die eierlegende Wollmilchsau für gerade mal 40€ made in China: geeignet zum Radfahren und Joggen und zur Not auch OK für’s Restaurant am Abend. Ich kann ja nicht für jeden Anlass ein extra paar Schuhe mitschleppen.

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