Turin – Savona

Es sind zwar nur vier Tage (Samstag, der 22. bis Dienstag, der 25. September), über die ich in diesem Blog-Artikel berichte, aber irgendwie waren die besonders schön – vielleicht, weil ich nach 1 Woche Pause wieder Rad fahren durfte, vielleicht aber auch, weil sie mich durch eine meiner Lieblingsecken in Italien und – endlich – an das „Ziel meiner Sehnsüchte“ führen: das Mittelmeer.
Ich starte also am Samstag um 11.15 Uhr an der Autovermietung im Norden Turins und fahre über 1 Stunde, bis ich die Stadt im Süden verlasse – vorher aber noch an einigen schönen und auch grünen Stellen der Stadt vorbei komme, u.a. einem netten kleinen „Castello“ direkt am Po.
Meine Halbtagesetappe führt mich dann entlang einer nicht wirklich schön zu fahrenden Strada Provinciale nach Alba. Unterwegs begegnet mir eine Truppe italienischer Rennradfahrer, die beim Überholen den Daumen nach oben recken und von denen mich einer beim Neben-mir-her-Fahren „interviewt“ und ganz begeistert ist von meinem kleinen Abenteuer. In Alba genieße ich ein wenig den Trubel in der wunderschönen Stadt und schlage schließlich mein Lager auf dem recht netten Campingplatz der Stadt auf.
Am Sonntag geht es hoch in die Berge, die ich bereits von zwei Kurzurlauben kenne, die ich aber auch dieses Mal nicht zum letzten Mal gesehen haben werde (zumal das Wetter etwas besser sein könnte und danach ruft, dass ich nochmals wieder komme, wenn es schöner ist) – vorbei an Diano d’Alba, mit Sicht auf Barolo, durch die kreideweißen Weinberge, auf denen derart famose Flüssigkeit entsteht, dass ich schon alleine deshalb immer wieder mal hierher zurück kehren werde 😉
Meine Etappe führt mich etwa 30 Kilometer in die Berge hinein – knapp 1/3 der Strecke nach Savona, wo am Dienstagabend meine Fähre nach Korsika ablegen wird. Sie endet in einem kleinen Weiler namens Bossolaschetto (bei Bossolasco) – in der Pension „Da Fabiana“ – und welch ein Glücksgriff das ist! Nicht nur werde ich enorm herzlich sondern mit Cappuccino, frischem Quellwasser und hausgemachtem Gebäck begrüßt. Mein Zimmer ist super schön – geräumig, sehr ordentlich und sauber, tolles Bad und … das Beste: mein Fahrrad bekommt ein eigenes Zimmer im Erdgeschoss! Als ich abends dann in die Trattoria von Fabiana gehe (die leider geschlossen hat), um zu fragen, ob sie mir einen Rotwein empfehlen könne, endet das mit einer ausführlichen, kostenlosen Weinprobe mit ihrem Ehemann, einem Sarden, der nach und nach aus dem Kühlhaus verschiedenste italienische Käsesorten und aus der Küche mein Lieblingsbrot anschleppt – sardisches Hirtenbrot! Die Unterhaltung ist nicht einfach – der Mann redet wie ein Buch und meine Italienischkenntnisse kommen da nicht ganz mit – aber dennoch einfach nur klasse. Am Ende habe ich eigentlich so viele verschiedene Rotweine „probiert“, dass ich gar keinen Wein mehr fürs Zimmer kaufen müsste, ich tu’s natürlich aber trotzdem und bekomme einen tollen Barbera, der eigentlich 20€ kostet, dann auch noch für 15€ … plus: ein Riesenstück Parmesan eingepackt mit auf den Weg. Das Frühstück am nächsten Morgen ist nicht nur für italienische Verhältnisse der absolute Hammer! Selbstgemachter Haselnussjoghurt, verschiedene hausgebackene Kuchen, frisch in Olivenöl zubereitetes Rührei, vier verschiedene Sorten Wurst (alle lecker!), Käse, hausgemachte Marmelade und hausgemachte Säfte. Ich bin – in jeder Hinsicht – platt! Wer mal in die Ecke kommt – bleibt nicht nur eine Nacht, und sagt einen Gruß vom verrückten Radler! Ach ja, die Übernachtung kostet 40€ – das Preis-Leistungsverhältnis ist unschlagbar!
Es geht weiter in Richtung Savona – bei ziemlich nebligen und recht eigentümlichen Wetter. Unterwegs könnte ich mit ein wenig Kleingeld mal schnell ein ganzes Dorf kaufen, aber das eigentümliche Wetter treibt mich voran – ich will möglichst bald Unterschlupf finden vor dem immer dunkler werdenden Nebel, der sich im Laufe des Vormittags in ein „Nebel-Gewitter“ verwandelt. Ich habe gerade den ersehnten Unterschlupf unter den Arkaden in Millesimo gefunden, da geht es los: eine Stunde lang regnet es in Strömen. Und danach: Alles im wahrsten Sinne des Wortes wie weggeblasen – kein Nebel mehr, kein Gewitter, stattdessen blauer Himmel und 25 Grad. Sowas habe ich wirklich noch nie erlebt. Ich beende meine Mittagsvesper, stelle mal wieder fest, dass in Italiens Dörfern und Städtchen auch nicht immer Rücksicht auf Ästhetik genommen wird, und rolle dennoch frohgemut nach Savona, beziehe mein Hotel, erkunde abends ein wenig die Stadt und gehe beim Döner-Mann Falaffel (schreibt man das so?) essen.
Am nächsten Tag genieße ich erst mal das Meer und die Sonne und stelle fest, dass die Sommerferien in ganz Europa wohl vorbei sein müssen – es sind nur noch alte Menschen am Strand und in den Touri-Einrichtungen unterwegs (von mir abgesehen ;)) und vieles hat auch nicht mehr geöffnet – und fahre dann viel zu früh zum Fährhafen. Eine Stunde nach Ankunft bin ich allerdings froh, so früh dort angekommen zu sein – es beginnt erneut ein Gewitter, aber eines, das es noch viel mehr in sich hat: es blitzt, donnert, windet und regnet 3 Stunden lang so heftig, wie ich es Ewigkeiten nicht gesehen habe – auch unter dem Dach der Terminal-Bar hat man am Ende keinen Schutz mehr – das Wasser „schießt quer“ – und selbst die Bar an sich ist nicht sicher vor dem Wasser: es drängt von unten durch die Türritzen der Glasfront nach innen, sodass er arme Barkeeper 2 Stunden lang damit beschäftigt ist, es nach draußen zu wischen (habe ich aus Respekt für seine Situation nicht fotografiert – oder doch eher aus Angst, eins auf die Nase zu kriegen?!).
Als wir uns in die Schlange zur Fähre begeben müssen, ist der Spuk wieder vorbei und wir bleiben trocken – irgendwie habe ich bisher unglaubliches Gespür oder reines Dummenglück damit, die heftigen Regengüsse immer im Trockenen verbringen zu dürfen – na ja, bis auf das eine Mal in der Bretagne. Etwas, was mir auch auf Korsika nochmals so passieren wird – wo mich die Fähre ja nun hin bringt.

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