Von den Loirequellen in die Alpen (7. Bis 11. September)

Ok, ok … nachdem ich gestern zum ersten Mal seit Ewigkeiten etwas in meinen Blog gestellt habe und gleich darauf 193 Klicks zu verzeichnen sind – nach ziemlich lauer Aktivität in den Tagen und Wochen davor, schließe ich haarscharf, dass die meisten von Euch „Verfolgern“ des RSS Feed abonniert haben und informiert werden, wenn’s was Neues gibt. Nun gut, dann leg‘ ich heute Abend – meinem letzten auf Korsika – gleich mal nach.
Nachdem ich mich also an den Loirequellen nicht lange aufhalte, geht es durch das wunderschöne Département Ardèche Richtung Osten. Einige heftige Steigungen sind immer noch dabei, obwohl ich mit dem Mont Gerbier bei den Quellen den höchsten Punkt ja bereits hinter mir gelassen habe – doch in der Summe geht es eher bergab, z.T. auf atemberaubenden kleinen „Passsträßchen“. Bevor ich dann am Abend in Lussas mein Zelt aufschlagen darf, geht es bei weiterhin ordentlichen Temperaturen nochmals kilometerlang bergauf. Nach 80 Kilometern schaff ich’s abends dann noch nicht mal mehr auf das Dorffest, das in Lussas gerade steigt und ganz nett aussieht.
Am nächsten Morgen rolle ich Richtung Rhone und muss eine Entscheidung treffen – spätestens wenn ich den Fluss erreiche. Es ist Samstag der 8. September und ich muss am Freitag drauf (15.) in Turin sein, sodass sich die Frage stellt, wie ich da hin komme – tatsächlich über die Alpen, über welche genaue Route, nur mit dem Rad oder auch mit dem Zug? Oder doch eher über die Cote d’Azur, „unten“ entlang sozusagen und dann hoch (Ich entschuldige mich bei allen Geografen!)?
Wie irrational wir Menschen manchmal sein können, wird mir bei dieser Frage bewusst (oder bin nur ich so?). Ein Gedanke, der mir immer wieder durch den Kopf geht und mich fast daran hindert, die Alpenroute einzuschlagen, die’s am Ende dann ja doch wird, ist der an den Vierfachmord bei Annecy, der 4 oder 5 Tage vorher passiert war. Die Wahrscheinlichkeit, einem eventuellen, durchgeknallten Touristenmörder (was es ja wohl gar nicht war) in die Arme bzw. vor die Knarre zu fahren, ist so minimal … und dennoch lässt mich das irgendwie nicht in Ruhe. Am Ende siegt die Ratio – Gott sei Dank! Denn nicht nur die Alpenüberquerung, über die ich ja bereits berichtet habe, sondern auch das „Vorspiel“ dazu ist wunderschön – vier wunderschöne Radtage bei herrlichem Wetter, über die Rhone, durch die nördliche Provence, Drome und die Hautes Alpes bis nach Barcelonette.
Unterwegs eigentümlich deutsch aussehende Namen, später bereits italienisch angehauchte, viel Weinland (und die Cotes du Rhone-Weine schmecken wirklich richtig gut, auch die günstigen!), hübsche Dörfer und wieder mal die Erkenntnis, dass die Welt klein ist, als ich einen Müller-Omnibus aus Rottweil an der Rhone sehe. In Grignan (wunderschön!) dann gleich eine ganze Gruppe französischer Touristen aus Nancy, die von meinem Unterfangen ganz begeistert sind und interessierte Fragen stellen – v.a. weil drei Rennradfahrer darunter sind, die gleich das Gewicht meines Fahrrads testen müssen. Auf dem Campingplatz in Grillon treffe ich das niederländische Ehepaar Gerty und Rinus, die bereits seit einigen Jahren in Deutschland leben, verbringe einen richtig netten Abend mit den Beiden (inkl. Rotweinkonsum 😉 und gehe am nächsten Morgen erst mal noch eine Runde im Pool schwimmen, bevor es weiter geht. Irgendwie fühlen sich die Tage in Südfrankreich richtig wie Urlaub an!
An Nyons vorbei geht es durch atemberaubende Schluchten weiter nach Rosans – einem hübschen Dörfchen mit ganz einfachem Campingplatz, der aber wunderschön liegt und einen tollen Pool hat, den ich erneut zur Alleinnutzung habe. Ein Traum! Auf dem Weg über Gap nach Barcelonnette wird die Landschaft dann immer atem(be)raubender und das Strampeln macht immer mehr Spaß.
Die Etappe von Gap nach Barcelonnette ist ziemlich anstrengend. Nicht nur deshalb sondern auch weil Barcelonnette ein richtig hübsches Städtchen ist, freue ich mich auf mein vorab gebuchtes Hotel mitten im Ort. Vorher noch kurz zu Touri-Info – da dann der erste Schock. Die Dame sagt mir, dass der von mir gewählte Pass nach Cuneo für Radfahrer gesperrt sei. Problem: die beiden Alternativen. Eine würde mich zwar direkter in Richtung Turin bringen, aber über drei Pässe führen, was ich kaum bis Freitag schaffen würde. Die andere ist die höchste Passstraße Europas (2800 Meter), was noch OK wäre, aber sie würde mich nach Nizza bringen. Was zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht mehr sinnvoll ist. Nicht wissend, was ich tun würde, geht’s ab zum Nachtquartier – dort dann der zweite Schock: Booking.com habe ignoriert, dass das Hotel ihnen bereits mehrfach mitgeteilt habe, im September komplett ausgebucht zu sein, für mich gibt es trotz Reservierung kein Zimmer. Die junge Italienerin, die mir das mitteilt, ist allerdings super süß, versorgt mich erst mal mit Kaffee und Keksen, telefoniert mit ihrem Chef und bietet mir dann eine Übernachtung in einem anderen Hotel an. Was bleibt mir anderes übrig – ich nehme es, obwohl ich dafür nochmals 250 Höhenmeter überwinden muss und das Hotel natürlich nicht im hübschen Barcelonnette liegt. Nach einer weiteren guten Radestunde komme ich dort an, erschöpft und nass – da es zwischenzeitlich auch noch regnet. Dafür gönne ich mir im Hotelrestaurant ein gutes französisches Vier-Gang-Menü. Das habe ich mir verdient, finde ich!
Und während dieses vorzüglichen Abendmahls reift die Entscheidung, den für mich gesperrten Pass dennoch zu wagen und wenn alle Stricke reißen, einen LKW-Fahrer oder jemanden mit Wohnmobil zu bitten, mich über die gesperrte Stelle von zwei Kilometern Länge einfach mitzunehmen. Den Rest der Geschichte – die Passüberquerung am Mittwoch den 12. September – habe ich ja bereits veröffentlicht!

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