Hier ist er endlich …

… kaum zu glauben: TEIL 3 des am 14. September versprochenen Nachtrags!!! Ich weiß auch nicht, je länger ich „arbeitslos“ bin desto ineffizienter und ineffektiver werde ich. Schlimm, schlimm, schlimm … wo bzw. wie soll das nur enden? Es sind doch gerade erst knapp 3 von 13 Monaten vorbei.
Jedenfalls geht es also – ich weiß, das wird jetzt auf Grund der Zeitsprünge furchtbar verwirrend für alle, die nur „skimmen“ und „scannen“ statt zu lesen – am 1. September zurück in Richtung Loire. Der Abschied aus Cluny fällt auch wegen unserer tollen Unterkunft und deren super lieben Besitzern sehr schwer: La Pierre Folle von Véronique und Luigi. Mir aber auch wegen der Kälte, die sich breit gemacht hat und mir die ersten beiden Tage zurück im Sattel manchmal fast die Hände abfrieren lässt. Ich beginne fast vor der Haustür mit der Fahrt durch den angeblich längsten Radtunnel Europas (stillgelegte Eisenbahnlinie), wo ich auf ein total süßes Schütz-die-Fledermäuse-Schild stoße. Danach entdecke ich, dass der Rotwein, der uns geschmeckt hätte (= Beaujolais), gerade mal 15 Kilometer südlich, aber eben außerhalb des Burgund, wächst. Hätten wir das gewusst, wäre mindestens ein Ausflug in diese Richtung gegangen. Rapide geht es dann mehrfach bergauf auf z.T. über 800 Meter – mein Training für die bereits beschriebene, später stattfindende Alpenüberquerung beginnt! Und die erste Nacht nach Cluny verbringe ich auf einer Matratze auf dem Boden des kleinen Wellnessbereichs eines eigentlich ausgebuchten „Chambres d’Hotes“. Ich war nämlich in einer tiefen Senke im kleinen Ort namens Poule angekommen, völlig erschöpft und durchgefroren, um zu entdecken, dass der Campingplatz, den ich angesteuert hatte, zwar geöffnet hatte, außer mir aber kein einziges Lebewesen dort zu Gast gewesen wäre. Selbst von den Betreibern weit und breit keine Spur. Das ist nix für mich – da bin ich zu großer Angsthase, könnte ja gleich wild campen gehen – und so mache ich mich auf die Suche nach einer Pension. Viele Möglichkeiten bieten sich mir nicht mehr – es ist ja schon 19.30 Uhr und es wird allmählich dunkel. Den Berg wieder zur Hälfte hoch – da war doch eine Pension, oder? – Ja, super! Ich klingle, ein netter Herr öffnet und entgegnet mir, er habe kein freies Zimmer mehr. Aber er ist wirklich sehr nett und ruft die einzige weitere Pension im Ort an. Auch ausgebucht, sagt er, aber ich könne dort im Garten zelten. Ich fahre hin, super netter, etwas nerviger, da an Jim Carrey erinnernder Besitzer öffnet, sagt, ich könne auch noch warten, da es eine etwas eigentümliche Reservierung gegeben habe und die Reservierer (aus Italien) vielleicht ja gar nicht auftauchten. In der Zwischenzeit gibt es ein tolles, 4-gängiges Abendmahl, die Italiener tauchen auf und der nette Pensionsbesitzer bietet mir statt Zelten im Garten den Wellnessbereich an, in den wir flugs eine Matratze aus der Vorratskammer schleppen. Ich schlafe gut, es gibt am nächsten Morgen ein ordentliches Frühstück und mit 4-Gang-Menü kostet mich das Ganze gerade mal 40€.
Es geht weiter durch die Berge, zurück an die Loire, traumhafte Landschaften, supergünstige und tolle Mittagsmenüs warten auf mich … und – in Feurs- der erste Platten! Ich wechsle einfach den Schlauch, kaufe gleich den nächsten Ersatz, aber als ich am nächsten Morgen weiter fahren möchte, holpert das Vorderrad kräftigst! Ab zum Fahrradgeschäft, Mechaniker noch eine Woche in Urlaub – und das am Tag, an dem in Frankreich die 2-MONATIGEN Ferien gerade wieder vorbei sind!?!
Die Frau im Radladen ist aber sehr nett, schaut für mich im Telefonbuch, wo der nächste Radladen mit Reparaturwerkstatt zu finden ist und verkauft mir nebenbei ein Paar langfingrige Radhandschuhe für schlappe 49€. Na ja, sie sind wasserdicht und ich werde sie im November in Spanien / Portugal brauchen. Dann beschaut sie mein Vorderrad und stellt fest, dass der Mantel sehr ungleichmäßig sitzt und tut alles, dies zu beheben. 15 Minuten Mühe – nix geht.
Ich fahre also 21 km nach Montbrison und der Mechaniker dort löst das Ganze in ca. 8 Minuten – für umme! Wieder mal total nett.
Es folgen sehr, sehr schöne Radfahrtage bei wieder deutlich höheren Temperaturen entlang der Loire, zwei Mal durch „Gorges de la Loire“ und über die ganz besondere Stadt Le Puy mit ihrer kleinen aber faszinierend eigenen Version des Mont St. Michel und einem wunderschönen Wandtableau, auf welchem der/die Künstler versucht haben, das „Mosaik der Stadt“ möglichst umfassend darzustellen. Dann der gewaltige Aufstieg nach La Vacheresse und von dort zum Mont Gerbier. Den Plan, dort alle Loire-Quellen zu sehen gebe ich schnell auf. Ich sehe die offizielle, da ist auf Grund der Trockenheit der letzten Wochen kein Tropfen Wasser zu sehen – ich ziehe den Schluss, dass die anderen, die nicht wirklich gekennzeichnet sind, wohl kaum auszumachen sein werden und gebe mich mit den Erklärungen auf einem Hinweisschild zufrieden, dass es DIE Loire-Quelle wahrscheinlich ohnehin nicht gibt, dass sich die Loire aus verschiedenen, teils wechselnden Fissuren im Vulkangestein des Mont Gerbier speist. Ein Franzose neben mir fotografiert mich vor der offiziellen Quelle und witzelt, die einzig gesicherte Quelle sei der Shop / die Gaststätte daneben, dabei handele es sich nämlich um die „Source commerciale“. Ich fahre noch einige Kilometer an der jungen Loire entlang und bin überrascht, wie schnell aus Nichts ein Rinnsal und dann ein richtiges Flüsschen wird und picknicke ein letztes Mal an „meinem Fluss“, bevor ich in Richtung Ardèche abbiege.

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Ein Kommentar zu “Hier ist er endlich …

  1. Hallo Bernd,
    Gut zu sehen, daß du noch immer spaß hat an deine Reise. Das muß wirklich ein Erlebnis gewesen sein, mit einem Fahrrad über die Alpen zu gehen. Genieße deine weitere Reise. Wir bleiben es verfolgen. Schöne Grüße von Rinus und Gerty aus Schüttorf.

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