De la Loire à la Loire und deren Quelle

Du meine Güte … da besteht mein Leben im Moment doch ausschließlich aus Freizeit und dennoch komme ich kaum dazu, meinen Blog fortzuschreiben. Eigentlich ja ein gutes Zeichen, da es für ausgefüllte Tage spricht, für die Daheimgebliebenen aber vielleicht das Gegenteil, weil sie beginnen könnten sich zu fragen, ob es mich überhaupt noch gibt.

Heute ist Freitag der 7. September und damit der Beginn der 10. Woche und gleichzeitig des 3. Monats meiner Tour und ich habe bis dato etwas mehr als 2600 Radkilometer zurückgelegt. Dabei gab es allerdings ja zwei Mal eine Woche „Urlaub vom Urlaub“ – einmal mit Katharina und Uwe in der Bretagne und dann zuletzt mit Hagen in Cluny im Burgund (24. bis 31.08.).

Danach bin ich wieder an die Loire zurückgekehrt und werde heute Vormittag  deren Quelle bzw. Quellen erreichen. So wurde mir gestern nämlich gleich zwei Mal – von einem Deutschen in Le Puy und von meinen Gastgebern im Chambres d’Hotes in Les Vacharelles, wo ich gerade in meinem Bett sitze, Kaffee trinke und diese Zeilen tippe – erklärt, dass die offizielle Quelle der Loire gar nicht die wirkliche sei („la véritable source“, denn dort, wo sie sozusagen alle Welt vermutet, speise sie sich bereits aus vier winzig kleinen Zuflüssen, aus vier kleinen Loires sozusagen. Na gut, dann werde ich also versuchen, alle vier ausfindig zu machen. Immerhin hab‘ ich – von 3 winzigen „Abwegen“ abgesehen – den gesamten Fluss erradelt, da will ich auch die richtige Quelle bestaunen, also alle 4. Ob es mir geling, werde ich berichten.

Ja, und danach geht es dann ganz allmählich Richtung Italien und in ein paar Tagen werde ich das richtige Frankreich („la véritable France“) nach über 2 Monaten verlassen, meinem Lieblingsland einen Kurzbesuch abstatten, dann die Fähre in Richtung der französischen Dépendance Korsika entern und von dort am 6. Oktober erneut mit der Fähre die nächste große Etappe ansteuern: Spanien.

Doch zunächst ein kleiner Rückblick auf die letzten 3 ½ Wochen, den ich in 3 Abschnitte einteilen möchte.

1) Von Nantes nach Cluny – entlang des offiziellen Loire-Radweges.

Nach meinem Reinemachtag auf dem bisher besten Campingplatz überhaupt – in Nantes – nehme ich mir am Montag den 12. August zumindest bei der Abfahrt am Vormittag noch ein wenig Zeit für die Erkundung der Stadt. Die gefällt mir so gut, wie ich es bei der Ankunft am Samstag davor erwartet habe. Toll, wie Radfahrer-freundlich sie ist (hatte mir das französische Ehepaar am Strand in der Bretagne ja bereits angekündigt) – fast keine größere Straße ohne Radweg und alle 20 Meter diese stets frisch gesprühten Radfahrer zur Markierung.

Die ca. 600 km, die ich dann – größtenteils – dem Loire-Radweg folge, sind wunderschön und sehr abwechslungsreich. Die Landschaft ‚drum herum‘ ist zwar oft unaufregend – da flach – die Loire selbst aber ein Traum, weil sie ein unbegradigter Fluss ist, oft wild, mit vielen Sandbänken, üppig grüner Flora und vielen Vögeln. Auch, weil es ein paar besonders tolle Abschnitte gibt – z.B. den zwischen Saumur und Amboise, wo zum einen rechts und links des Flusses plötzlich schroffe Felswände vorzufinden sind, in welche Weinkeller und Häuser hineingehauen und hineingebaut sind, und wo zum anderen einige der wahrscheinlich schönsten Schlösser der Welt zu finden sind. Mir tut es besonders das Wasserschloss von Azay-le-Rideau an und weiter östlich noch natürlich Chambord, von Franz I. Anfang des 16. Jahrhunderts eigentlich als Jagdschloss geplant, dann aber doch „etwas“ größer und vor allem viel verspielter ausgefallen. Es ist das einzige Schloss, das ich auch von innen besichtige und zum ersten Mal in meinem Leben bin ich morgens der Allererste, der seine Eintrittskarte kauft – Schlossöffnung um 9 Uhr, ich stehe nach 25 Minuten Radeln an einem herrlichen Samstagmorgen bereits um 8.35 Uhr an der Kasse (aber nur, weil ich um 11 Uhr wieder am Campingplatz sein muss). Wer mich kennt, weiß, welch ungewöhnliche Leistung das für mich ist.

Zum anderen gefällt mir landschaftlich unglaublich gut der Abschnitt südlich von Orléans, insbesondere die letzten 15 Kilometer vor Bonnyville. Nichts Aufregendes, einfach nur wunderschön idyllisch, toller Radweg durch Auenwiesen, Picknick-Tische …

Was bleibt sonst zu erwähnen von 12 Tagen Loire-Radweg? Nun ja, dass der Radweg selbst oft  aber nicht immer sehr schön ist. Leider gibt es immer wieder Abschnitte, in denen man ihn mit Autofahrern teilt, und ab und an auch mal solche, die eher zum Wander- denn zum Radweg taugen. Außerdem nervt es mich zwei, drei Mal, dass der Weg immer wieder von der Loire wegführt, obwohl es doch Straßen direkt am Fluss gibt. Zugegeben: es nervt mich vor allem deshalb, weil die Temperaturen zwischenzeitlich bei 34 bis 37 Grad angekommen sind und diese kleinen Umwege vor allem in die WeinBERGE links und rechts des Flusses hinauf führen und für meinen Geschmack zu viel Schweiß fließt.

A propos Wein: der tut es mir hier an der Loire überhaupt nicht an – genauso wie danach im Burgund. Zu leicht, zu säurehaltig … nein, da bevorzuge ich dann doch die schweren Süditaliener oder einen ordentlichen Cotes du Rhone (für alle Französischkollegen: tut mir leid – ich weiß nicht, wie/wo ich auf meiner Tatstatur einen Circonflex einfügen kann).

Zudem zu erwähnen bleibt, dass ich unterwegs von einem lokalen Reporter interviewt werde, dass es auch in Nantes – ähnlich wie in Glasgow – Scherzbolde zu geben scheint, die Gegenstände regelmäßig an Orte befördern, wo sie nichts zu suchen haben, dass die Hitze auch für kleine Katzen und für Kühe zu viel des Guten ist und dass es in Frankreich schon mal passieren kann, dass auf dem Radweg plötzlich ein Pferd steht – ganz ohne menschliche Begleitung oder andere Dinge, die es daran hindern könnten, einem Radfahrer hinterher zu laufen (was dieses Gott-sei-Dank nicht getan hat).

Das vorläufige Ende der Loire-Tour ist am Donnerstag den 23. August Digoin – die Stadt, in der Wasser über Wasser fließt und von wo aus ich dann meine erste kleine Hügeletappe (40km hoch und runter wie in der Toskana) nach Osten in Angriff nehme, abends ziemlich erschöpft doch rechtzeitig vor dem Beginn eines heftigen, die ganze Nacht andauernden Gewitters in Cluny (Burgund) ankomme, um mit Hagen eine Woche lang mal richtig „Urlaub vom Urlaub“ zu machen.

TEILE 2 UND 3 FOLGEN

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s