Nachtrag Teil 2: Bretagne solo

Mein Gott, wie die Zeit vergeht. Nu ist es schon wieder 8 Tage her, dass ich den ersten Teil des Nachtrags verfasst habe. So werde ich die Blog-Lücke kaum schließen! Aber ich leg‘ mal los:

Wieder auf mich und meinen Drahtesel gestellt, fahre ich dann also ab Donnerstag den 2. August im Großen und Ganzen die Bretagne-Küste entlang zur Loire-Mündung und von dort nach Nantes. Das Wetter ist zunächst durchwachsen, wird dann aber immer besser und ich bleibe – fast immer – trocken.

Erster Höhepunkt: die Ile Tudy, eigentlich eine Halbinsel, zu der ich mit einem kleinen Boot übersetze – was ohne die tatkräftige Hilfe des Schiffsjungen nicht möglich gewesen wäre. Alleine hätte ich mein Rad mit Gepäck nie in diese Nussschale bekommen.

Danach geht es weiter nach Lorient (Name: l’Orient, weil die Stadt als Hafenstadt für den Orienthandel gegründet wurde)– welches ich zunächst umgehen möchte, da mir ein Verkehrsschild eine Bootsüberfahrt verspricht, welche die Strecke gewaltig abkürzen würde. Und ob sich Lorient lohnen würde, weiß ich ja nicht. Die Außenbezirke und das Hafenviertel sehen nicht danach aus.

Wie es der Zufall so will, finde ich diese Bootsanlegestelle nicht und fahre dann eben doch ins Zentrum – um von zweierlei überrascht zu werden: es findet gerade ein 10-tägiges „Festival Interceltique“ statt, auf einem der größeren Plätze dudeln verschiedene keltische Bands / Kapellen um die Wette. Ich bin beeindruckt und fühle mich sehr an mein Zweitlieblingsland Schottland erinnert. Schon jetzt froh, dass ich die Stadt nicht umgangen habe, entdecke ich noch, dass Lorient die Partnerstadt von Ludwigshafen ist! Stimmt … tief in meinem Unterbewusstsein wusste ich das eigentlich 🙂

Ich entscheide mich – nach einem Blick in den abendlichen Veranstaltungskalender  – eine Konzertkarte für „Moriarty“ zu ergattern, von denen ich Tage zuvor mit Uwe und Katharina in einem Musikgeschäft in Quimper dem Regen fliehend 2 Lieder angehört habe und richtig begeistert war. Es wird das teuerste Konzert meines Lebens, denn den Campingplatz ca. 3 km außerhalb der Stadt gibt es nicht mehr, der nächste – 10 km entfernt, die ich erst einmal erradle – ist voll besetzt (nebenbei komme ich in einen heftigen Regenschauer) und am Ende lande ich, nach vergeblicher Suche nach etwas Erschwinglichem, im teuersten Hotel der Reise (bisher – und ich hoffe, so bleibt es auch!).

Nichtsdestotrotz lohnt sich das Ganze – ich genieße das Festival mit hunderten von Ständen (z.B. Vertretungen von Schottland oder Galizien (mit tollem Essen und Wein), kleinen Konzerten in der ganzen Stadt, einem unheimlich schönen keltischen Flair, dem wirklich tollen Konzert am Abend und einer riesigen Keltenparade am Sonntag Vormittag! Wie schön, dass ich den Bootsanleger nicht gefunden hatte.

Weiter geht’s auf den billigsten Campingplatz überhaupt in Erdeven – 4.15€ pro  Nacht. Da bleibt der Schwabe gleich drei Nächte. Aber v.a. weil er wunderschön direkt am Strand und vor der Halbinsel Quiberon liegt, wo es für drei Tage genügend zu tun und zu erkunden gibt. Zum einen Quiberon selbst, zum anderen jede Menge Dolmen und Menhire. Am letzten Abend lerne ich dann noch eine französiche Familie kennen, die tatsächlich alle ihre Urlaube mit ihren beiden kleinen Kindern im Anhänger hunderte Kilometer radelnd verbringen. Respekt!

Von Quiberon radele ich nach Vannes – einer unglaublich modernen und augenscheinlich wohlhabenden Stadt, die mir sehr gut gefällt. Hier und zuvor in Lorient – später dann noch konsequenter in Nantes: endlich ein richtig extensives Fahrradwegenetz. Das macht Freude.

Danach geht es über Herbignac und Pririac-sur-Mer (sehr schön!) ins richtig schnuckelige und mittelalterliche Guérande (wo mir ein alter Rad-Hase alles Mögliche über die Radwege der Region und deren Unzulänglichkeiten erzählt), an eindrucksvollen Meersalzfeldern zwischen Guérande und Kervalet vorbei in die schrecklich überlaufene Touristenhochburg La Baule. Kurz vor Saint Nazaire bekomme ich noch einen horrend teuren Stellplatz auf einem eigentlich ausgebuchten Campingplatz und am nächsten Tag nehme ich Abschied von der Bretagne und überquere am Samstag den 11. August die eindrucksvolle Loire-Mündung auf der genauso eindrucksvollen Pont Saint Nazaire. Bei heftigem Wind ist das Ganze auch recht abenteuerlich … aber dennoch faszinierend.

Und schon bin ich auf dem Loire-Radweg, dessen Ende ich heute (Mittwoch den 22. August) erreicht habe und über den ich in den nächsten Beiträgen berichten werde. Die erste Etappe noch am gleichen Tag bringt mich ins oben bereits erwähnte Nantes, wo ich auch wegen des unglaublich tollen Campingplatzes zwei Nächte bleibe.

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2 Kommentare zu “Nachtrag Teil 2: Bretagne solo

  1. Huhu Bernd, vielen Dank für Deine Berichte. Is nicht schlimm, wenn das immer mal dauert, Du hast ja schließlich zu tun 😉 Neidvoll sitze ich hier und denke mir: Wau, der hat´s gut, sowas will ich auch mal . . . hoffe es geht Dir auch richtig gut bei Deinem Abenteuer. Nun aber erst mal eine schöne Zeit mit Hagen en Bourgogne !!!!

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